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Eröffnung der Ausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“

Am Sonntag dem 15. April jährt sich zum 73. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslager Bergen-Belsen, 16 Kilometer nördlich von Celle in Niedersachsen, durch Soldaten der britischen Armee.

Bergen-Belsen wurde 1943 als jüngstes KZ in Deutschland auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers errichtet und war zunächst als „Aufenthaltslager“ für etwa 10.000 Juden gedacht, die Himmler gegen im Ausland gefangene Deutsche eintauschen wollte.

Richard Dimbleby, berichtete in seinen „War Reports“ während des Zweiten Weltkriegs für die BBC von den Fronten, aus Afrika, der Normandie, selbst an Bord von Kampfbombern der Royal Air Force. Am 17. April 1945 begleitete er britische Soldaten durch das Konzentrationslager Bergen-Belsen, das zwei Tage zuvor befreit worden war.

Der größte Teil der am Leben gebliebenen Häftlinge war vor Hunger apathisch oder vom täglichen Grauen abgestumpft. Sie hatten so lange von Dreck und Tod umgeben gelebt, dass viele kaum noch merkten was um sie herum geschah.

Dimblebys Bericht aus dem Lager kassierte die BBC zunächst ein: Für die Sendeleitung klangen die Beschreibungen der dort herrschenden Zustände zu unglaublich, ja schlichtweg unglaubwürdig. Erst mit 24 Stunden Verzögerung ging der Report schließlich doch über den Sender.

Jenseits des Ärmelkanals wurde er zu einem der berühmtesten in der Rundfunkgeschichte. Der letzte Satz blieb haften im Ohr: „Dieser Tag in Belsen“, so Dimbleby, „war der schrecklichste in meinem Leben.“

„Kinder im KZ Bergen-Belsen“

In einer Sonderausstellung rückt die Gedenkstätte Bergen-Belsen bei Celle ab Sonntag erstmals umfassend das Schicksal von Menschen in den Mittelpunkt, die als Kinder in dem KZ eingesperrt waren.

Mit der Ausstellung will die Gedenkstätte den jüngsten Zeugen der NS-Verbrechen eine Stimme geben. Ein Thema, das bisher vernachlässigt wurde, sagt Kuratorin Diana Gring. Unter rund 120.000 Menschen aus fast allen europäischen Ländern waren in Bergen-Belsen auch etwa 3.500 Kinder unter 15 Jahren inhaftiert, die meisten von ihnen Juden.

Schätzungen zufolge starben dort etwa 800 Kinder. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die SS die Lagerregistratur vernichtet hat, erläutert der Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner. „Von einem großen Teil von ihnen wissen wir nicht einmal den Namen.“

Mehr als 120 Video-Interviews haben die Historiker der Gedenkstätte seit 1999 mit Menschen geführt, die noch keine 15 Jahre waren, als Bergen-Belsen von britischen Truppen befreit wurde. Für die Ausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ bilden die Filme den Hintergrund. Mit Kapiteln wie Hunger und Sterben, aber auch Familie oder Spiele geben dabei neben 20 Filmstationen auch Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke von Überlebenden einen Einblick in die Kindheit im Lager. Auch eine Nachbildung der Strick-Puppe „Mies“ ist in einer Vitrine zu sehen.

Lous Steenhuis-Hoepelman mit ihrer Puppe. Foto: ZDF/screenshot

Lous Steenhuis-Hoepelman hat diese Puppe aufbewahrt. Das Original trägt die 76-Jährige aus den Niederlanden bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung mit sich. „Diese hässliche Puppe konnte ein kleines bisschen Geborgenheit geben“, sagt sie. Lous Hoepelman war erst drei, als sie 1944 ins KZ verschleppt wurde. Jemand hatte ihr Versteck bei Pflegeeltern verraten, in dem ihre jüdischen und im Widerstand engagierten Eltern das Mädchen in Sicherheit wähnten. Über das niederländische Lager Westerbork kam sie nach Bergen-Belsen – ohne Eltern auf sich gestellt. Die Puppe „Mies“ war alles, was sie bei sich trug.

Am Sonntag ist dem Jahrestag der Befreiung mit einer Feier in der Gedenkstätte gedacht worden. Gleichzeitig wurde im Beisein einiger Überlebender die Sonder-Schau „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ eröffnet. Sie ist bis zum 30. September zu sehen.

Gedenkstätte Bergen-Belsen
Anne-Frank-Platz, 29303 Lohheide
Tel. (05051) 475 90

Öffnungszeiten der Ausstellung
April bis September: 10 – 18 Uhr
Oktober bis März: 10 – 17 Uhr
Eintritt frei
Das Außengelände und der Friedhof können jederzeit besucht werden.

Führungen
öffentliche Führungen von Ende Mai bis Mitte September
Führungen für Gruppen ab zehn Personen nach Vereinbarung, Tel. (05051) 47 59-112

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Von am 16/04/2018. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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