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Europa jenseits von Antisemitismus und Antizionismus – ein sicheres jüdisches Leben in Europa

„Toleranz? Ich will nicht toleriert werden! Ich will kein Mensch zweiter Klasse sein!“ Zitat aus dem Schlusswort von Rabbiner Arthur Schneier am Ende der Tagung

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (Mitte) begrüsst die Konferenz-Teilnehmer. Foto: eu2018at

Unter diesem Titel fand am 20. und 21. November eine Tagung in Wien statt. Sie kann als eigenständige Nachfolge der Arbeitstagung «Ende dem Antisemitismus!» verstanden werden, die im Februar dieses Jahres ebenfalls in Wien durchgeführt wurde. Das Ergebnis dieser Arbeitstagung, an der 150 Wissenschaftler der Universitäten Wien, Tel Aviv und New York, sowie Vertreter des Europäisch-Jüdischen-Kongresses teilnahmen, wurde am vergangenen Mittwoch in den Räumen der alten Wiener Börse präsentiert. Das Handbuch «An end to antisemitism» stellt knapp gehaltene Vorschläge und Richtlinien vor, auf deren Basis Lehrer, Politiker, Wissenschaftler und andere mit eingebundene Personengruppen den Kampf gegen Antisemitismus gezielt aufnehmen können.

Premierminister Benjamin Netanyahu, dessen Teilnahme leider auf Grund der derzeitigen politischen Situation in Israel abgesagt wurde, nahm mit einer ausführlichen Videogrussbotschaft virtuell teil.

Hochkarätige Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Presse und zahlreichen jüdischen Institutionen, sowie Universitäten gaben einen beeindruckenden Überblick über den «neuen Antisemitismus». Man könne, so war die einhellige Meinung, ihn nicht eindeutig dem rechten oder linken Spektrum der Gesellschaft zuordnen. Es sei viel mehr zu beobachten, dass die Linken ihn den Rechten zuschöben, die wiederum auf die Muslims verweisen würden.

Bundeskanzler Kurz im Gespräch mit den Konferenz-Teilnehmern. Foto: eu2018at

Bundeskanzler Kurz hielt in diesem Zusammenhang fest, dass jeder Staat nur so viele Einwanderer zulassen dürfe, wie er in der Lage sei zu integrieren. Eine Flut von nicht registrierten und nicht organisiert betreuten Migranten aus dem arabischen Umfeld stelle insofern eine Herausforderung für die Einwanderungsländer dar, als diese oft Einstellungen und Werte mitbringen, die in unserer Gesellschaft nicht geduldet werden können.

Eine neue Bedrohung sei durch die modernen Medien wie Online Plattformen gegeben. Ankündigungen von geplanten und die Verherrlichung von durchgeführten Terrorakten hätten längst einen festen Platz in den sozialen Medien gefunden. Antisemitische, rassistische und anderen menschenverachtende Veröffentlichungen werden hinter der Maske der Anonymität veröffentlicht und blitzschnell geteilt. Die EU hat mittlerweile Vereinbarungen mit den Betreibern dieser Plattformen getroffen, dass die Beiträge nach einer Stunde, bzw. einem Tag gelöscht werden müssen und, sofern notwendig, auch Anzeige erstattet wird.

Rabbi Arthur Schneier auf der Konferenz. Foto: eu2018at

Dass Antisemitismus auch in der Politik durchaus akzeptiert wird, wurde energisch kritisiert. Entsprechende Tendenzen gebe es bei der neuen, am rechten Flügel der Parteienlandschaft angesiedelten AfD, aber auch beim UN Sicherheitsrat, der die überwiegende Mehrheit seiner Verurteilungen ausschliesslich gegen Israel ausspricht.

Der Kampf gegen Antisemitismus dürfe nicht länger die Aufgabe der Juden und der jüdischen Institutionen in Europa sein. Der Vorschlag, vom BIP jedes Staates 0.02% für gezielte Massnahmen in diesem Bereich zu budgetieren, dürfte wohl kaum auf Widerstand stossen.

Im Prinzip sei es die Aufgabe jedes Einzelnen, aber zumindest die Aufgabe jeder Regierung, hier aktiv zu werden.

Geplant ist der Ausbau der schon existierenden engen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Israel in den Bereichen Forschung, Wissenschaft und Erziehung.

Diese Tagung stellt einen der Höhepunkte des österreichischen Ratsvorsitzes in der EU dar, die noch bis zum 31. Dezember andauert. Dass sie in Wien stattfand, war kein Zufall. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass das kulturelle Europa, wie wir es heute kennen und schätzen, ohne den jahrhundertelangen Beitrag jüdischer Künstler, Wissenschaftler und Politiker nicht existieren würde.

Eine ausführliche Berichterstattung über die Konferenz finden Sie hier.

1. Teil: https://estherstagebuchauszichronyaacov.wordpress.com/2018/11/26/toleranz-ich-will-nicht-toleriert-werden-ich-will-kein-mensch-zweiter-klasse-sein/

2. Teil: https://estherstagebuchauszichronyaacov.wordpress.com/2018/11/26/europa-jenseits-von-antisemitismus-und-antizionismus-ein-sicheres-juedisches-leben-in-europa-2-teil/

Von Esther Scheiner

Frau Scheiner ist Journalistin und Redakteurin der Israel-Nachrichten, sie nahm im Auftrag der Zeitung an der Konferenz in Wien teil.

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Von am 27/11/2018. Abgelegt unter Featured,„Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

Ein Kommentar zu: Europa jenseits von Antisemitismus und Antizionismus – ein sicheres jüdisches Leben in Europa

  1. Binyamin Jones

    28/11/2018 at 08:57

    Shalom,
    dass wieder Braune in den Parlamenten in Europa sitzen ist sicher nicht das Verdienst der AfD, sondern allein der unsäglichen Politik der EU und der Merkel-Regierung geschuldet. Die AfD und ihre Wähler zu stigmatisieren ist zwar Medienvorgabe der Regierung, man sollte aber nicht gleichzeitig die antisemitischen, anti-israelischen Kräfte bei SPD und Grünen ignorieren. Davon abgesehen regiert auch Bundeskanzler Kurz nur weil er mit dem „rechten Flügel“ koaliert. Bei aller Antipathie die man der AfD, zu Recht, entgegenbringt, sollte man aber nicht vergessen, dass es die einzige deutsche Partei ist die sich offiziell dazu bekennt Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

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