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Wider das Vergessen: Aussagen von KZ-Häftlingen und Dokumente der Täter

Sie lebten noch viele Jahrzehnte ungestraft und in meist gehobenen Positionen unter uns

„Der Transport von Stettin nach Auschwitz dauerte drei Tage und drei Nächte. Wir wurden in Viehwagen transportiert, etwa 45 Personen, Männer, Frauen und Kinder in einem geschlossenen Waggon. Während der ganzen drei Tage und drei Nächte haben wir nichts zu essen und nichts zu trinken bekommen, und es war uns nicht erlaubt, unsere Notdurft anderswo als im Waggon zu verrichten. Der Waggon war vom SS-Begleitkommando verschlossen.“

Karl Feinberg, Überlebender von Auschwitz.

„Als man unsere Waggons endlich öffnete, trieben uns SS und Häftlinge in gestreiften Anzügen brutal und mit Stockhieben heraus und jagten uns bis ans äußere Ende der Rampe. Die Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt, wobei es  herzzerreißende Szenen gab. In Windeseile passierten wir die Kontrolle eines SS-Arztes, der uns durch Zeichen mit seinem Stock in zwei Gruppen teilte. Bald bestand meine Gruppe aus etwa 200 Köpfen. Meistens junge Männer und solche, die besonders gesund aussahen. Wir mußten uns in fünf Gliedern aufstellen und traten dann den Marsch nach dem vier Kilometer entfernten Auschwitz an…Es dauerte Wochen und Monate, bevor wir endlich langsam begriffen, daß die Einteilung auf der Rampe von Birkenau nur das Vorspiel zur völligen Vernichtung darstellte, und daß mit Ausnahme junger, gesunder Frauen, ausnahmslos alle Verschleppten, die wir auf der Rampe verließen, noch am gleichen Tage vergast und verbrannt wurden.“

Marc Klein, Überlebender von Auschwitz.

„Dann wurden wir zu dem Block geführt, wo wir wohnen sollten. Es gab keine Betten, sondern nur Holzpritschen, in der Größe von zwei mal zwei Metern, auf denen wir zu neunt ohne Strohsäcke und Decken während der ersten Nacht zu schlafen hatten. Wir verbrchten mehrere Monate in Blocks dieser Art. Während der ganzen Nacht konnte man nicht schlafen, denn jedesmal, wenn eine dieser neun Frauen sich rührte, störte sie die anderen, und da alle krank waren, geschah dies unaufhörlich. Um 3.30 morgens weckte uns das Geschrei der Aufseherinnen. Mit Knüppelschlägen wurden wir von den Pritschen gejagt und zum Appell getrieben. Nichts in der Welt konnte uns von diesem Appell dispensieren. Selbst die Sterbenden mußten hingeschleppt werden. Dort standen wir in Reihen zu fünf, bis der Tag anbrach, das heißt bis  7 oder 8 Uhr morgens im Winter, und wenn es neblig war, manchmal bis mittags; nachher machten sich die Kommandos auf ihren Weg zur Arbeit. Die Arbeit in Auschwitz bestand bestand in der Räumung von zerstörten Häusern, in Straßenbau, und vor allem in der Trockenlegung von Sümpfen…Während der ganzen Arbeitszeit wachten die männlichen und weiblichen SS-Aufseher über uns und versetzten uns Knüppelschläge oder ließen ihre Hunde auf uns los. Vielen Kameradinnen wurden die Beine von den Hunden zerrissen.“

Marie Claude Vaillant-Couturier, französische Jüdin, die Auschwitz überlebte.

„Ein Kommando von 100 Mann verlor täglich etwa 10 Häftlinge. Die Häftlinge starben an Unterernährung, an Folgen von Betriebsunfällen usw. Die Verpflegung war schlecht und die Kleidung unzureichend…Waschmöglichkeiten und Seife, um die Kleidung sauber zu halten, gab es nicht. Die Wäsche, die ich ausgab, kam von den Vergasten in Birkenau.“

 Noack Treister, Überlebender des „Sonderkommandos“ in Auschwitz.

„Es gab immer öffentliche Hängungen. Ich entsinne mich an durchschnittlich zwei bis drei Hängungen pro Woche. Die Vorwände waren nichtig. Ich entsinne mich auf den Fall eines jungen Franzosen, der sich gerade seinem siebzehnten Geburtstag näherte. Um irgendeine Art von Feier zu haben, gelang es ihm, ein Stück Brot und eine halbe Dose Marmelade in seinen Besitz zu bringen. Er wurde von der SS ertappt und aufgehängt. Die Strafvollstreckungen waren öffentlich und das Urteil wurde vor der Strafvollstreckung in deutsch und der Muttersprache des verurteilten Mannes verlesen. Der Galgen wurde auf dem großen Antrittsplatz, der für den Appell bestimmt war, errichtet.“

Gregroire Afrine vor dem Nürnberger Gerichtshof und Überlebende.

„Wie lange durfte man mit dem Aufschub des Todes rechnen? In Birkenau bestand dieser Aufschub für einen im Arbeitskommando arbeitenden Häftling in  zwei bis drei Monaten. Bei Ablauf dieser Frist sah er wie ein Skelett aus. Der Faustschlag eines SS-Mannes, ein Hieb mit dem Knüppel des Aufsehers genügten, um ihn so zu erledigen, daß er bei der nächsten Selektion unweigerlich geschnappt wurde. wurde.“ 

Robert Levy, Überlebender von Birkenau.

„Ich wurde am 8. März 1943 zusammen mit meiner Ehefrau und meinem dreijährigen Sohn in Berlin bei der letzten Massenaktion gegen die Juden durch die SS verhaftet und nach mehrtägigen Aufenthalt im Sammellager, Große Hamburger Straße, zusammen mit meinen Familienangehörigen nach dem Kz. Auschwitz deportiert. Bei Ankunft auf der Rampe Auschwitz wurde ich von meiner Ehefrau und meinem Kinde getrennt und habe sie seit diesem Tage nicht wiedergesehen..! Der gesamte Transport aus Berlin umfaßte ca. 1000 Personen, von ihnen wurden ca. 220, zumeist jüngere, arbeitsfähige Männer, ausgesondert und mit Lastwagen von der Rampe Auschwitz in das Konzentrationslager Monowitz verbracht.“   

Norbert Wollheim, ehemaliger Häftling bei seiner Aussage.

Zwangsarbeit für die Großindustrie

„Anlässlich eines Abendessens, das uns die Leitung des Konzentrationslagers gab, haben wir weiterhin alle Maßnahmen festgelegt, welche die Einschaltung des wirklich hervorragenden Betriebes des KZ-Lagers zugunsten der Buna-Werke betreffen.“

Dr. Otto Ambros, Vorstandsmitglied der IG-Farben, Ludwigshafen, an die Direktion, am 12. April 1941.

Die Buchhaltung des Todes

 Reichssicherheitshauptamt, Berlin Nü. Nr. 229793 16. 12. 1942 2100 – Gr. – Nachrichtenübermittlung

 An Reichsführer SS                       Dringend  – geheim –

z.Z. Feldkommandostelle

Im Zuge der bis 30. 1. 1943 befohlenen verstärkten Zuführung von Arbeitskräften in die Konzentrationslager kann auf dem Gebiet des Judensektors wie folgt verfahren werden:

1. Gesamtzahl: 45000 Juden.

2. Transportbeginn: 11. 1. 1943

Transportende: 31. 1. 1943 (Die Reichsbahn ist nicht in der Lage, in der Zeit vom 15.12.1942 bis 10.1.1943 infolge des verstärkten Wehrmachtsurlauberverkehrs Sonderzüge für die Evakuierung bereitzustellen.)

3. Aufgliederung: Die 45000 Juden verteilen sich auf 30000 Juden aus dem Bezirk Bialystok. – 10000 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt. Davon 5000 arbeitsfähige Juden, die bisher für im Ghetto erforderliche kleinere Arbeiten eingesetzt waren und 5000 im allgemeinen arbeitsunfähige, auch über 60 Jahre alte Juden, um bei dieser Gelegenheit den im Interesse des Ausbaues des Ghettos zu hohen Lagerstand von 48000 etwas herunterzudrücken. Hierfür bitte ich Sondergenehmigung zu erteilen -3000 Juden aus den besetzten niederländischen Gebieten. – 2000 Juden aus  Berlin. 45000. In der Zahl von 45000 ist der arbeitsunfähige Anhang (alte Juden und Kinder) mit inbegriffen. Bei Anlegung eines zweckmäßigen Maßstabes fallen bei der Ausmusterung der ankommenden Juden in Auschwitz mindestens 10000 bis 15000 Arbeitskräfte an.

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD I. V.: gez. Müller, SS-Gruppenführer.

W.V.-Hauptamt                                                                                    8. März 1943

Amt D II – Oranienburg –

Betrifft: Abtransport von jüdischen Rüstungsarbeitern.

Am 5. und 7. März trafen folgende jüdische Häftlingstransporte ein: Transport aus Berlin, eingang 5. März 43, Gesamtstärke 1128 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 389 Männer (Buna) und 96 Frauen. Sonderbehandelt wurden 151 Männer und 492 Frauen und Kinder. Transport aus Breslau, Eingang 5. März 43, Gesamtstärke 1405 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 406 Männer (Buna) und 190 Frauen. Sonderbehandelt wurden 125 Männer und 684 Frauen und Kinder.

Transport aus Berlin, eingang 7. März 43, Gesamtstärke 690 einschließlich 25 Schutzhäftlingen. Zum Einsatz gelangten 153 Männer und 25 Schutzhäftlinge (Buna) und 65 Frauen. Sonderbehandelt wurden 30 Männer und 417 Frauen und Kinder.

gez. Schwarz – Obersturmführer.

Die Jahre der Demütigung, des Hungers und des Todes lassen sich durch keine Dokumente oder Fotos beschwören. Sie können nur eine Ahnung davon geben, was wirklich geschehen ist. Der Jahrestag von Auschwitz ist in diesem Monat Januar 2914 „zelebriert“ worden. Die Politik hat – wieder einmal – „ihre Pflicht und Schuldigkeit“ getan.

Alle Dokumente und Fotos versuchen zu beschreiben, was andere erlebt und duchstorben haben; – erleben und begreifen lassen können sie es uns nicht.

Diese wenigen Dokumente sind eine Mahnung für die Zukunft Deutschlands – eine Mahnung zur Menschlichkeit!

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 03/02/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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