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Der Wahlk(r)ampf kommt in die Endphase

Langsam aber sicher verwandelt sich Israel wieder in das Land, in dem Politiker, Journalisten und Wähler gleichermaßen beginnen, sich mit der Wahl zu beschäftigen.

Politiker, um verlorenen Boden gutzumachen oder überhaupt erst mal Boden zu gewinnen, oder im besten Fall den angestammten Platz zu verteidigen. Journalisten, um immer die neuesten Gerüchte, Halbwahrheiten und Wahrheiten zu erahnen, um sie dann zwei Sekunden vor der Konkurrenz zu veröffentlichen.

Und schlussendlich die Wähler, sie haben den schwersten Job von allen. Wo man sich vor wenigen Tagen noch über den gerade erst zu Ende gegangenen Winter unterhielt, sich über den Nachbarn aufregen konnte, der das am Boden liegende Laub mit laut brüllendem Blower von seinem Garten in den ihren verlagerte, und das auch noch um 15 Uhr (beides ist verboten, der Blower sowieso, aber niemand hält sich dran, und in der Zeit von 14 bis 16 Uhr hat häusliche Ruhe zu herrschen, aber auch daran hält sich kaum wer), driftet jede Unterhaltung jetzt nach zwei Minuten in Richtung Politik ab.

Da wird leidenschaftlich debattiert, ob man selber eigentlich rechts oder links ist, ob man über eine Zeit nach Bibi, oder vor Bibi als Neuauflage überhaupt laut nachdenken darf, ob sich etwas verändern wird durch die Wahlen, und wenn ja was sich verändern wird.

Da werden aus besten Freunden auf einmal gnadenlos aufeinander losgehende Kontrahenten. Aber das Versöhnliche daran, am Ende des Disputes nimmt man einander in den Arm. Nichts kann die Freundschaften zerstören, nichts und schon gar nicht die Politik!

Und ganz wichtig, man versucht herauszufinden, wie denn die Abkürzung der Wunschpartei ist. Die sollte man kennen, denn Politiker- oder Parteinamen sucht man auf den Wahlzetteln vergebens.

Wahlzettel

Wahlzettel

Hier nochmals das offizielle Endergebnis der Wahlen zur 19. Knesset im Jahr 2013:

Name Stimmen % Sitze

Likud / Yisrael Beitenu 885,163 23.34 31 / 19+12
Yesh Atid                        543,458 14.33 19
Israel Labor Party         432,118 11.39 15
Habayit Hayehudi          345,985 9.12 12
Shas                                 331,868 8.75 11
United Torah Judaism 195,892 5.16 7
Hatnua                            189,167 4.99 6
Meretz                            172,403 4.55 6
United Arab List           138,450 3.65 4
Hadash                           113,439 2.99 4
Balad                                97,030 2.56 3
Kadima                            78,974 2.08 2

Die Koalition zu Beginn der Legislaturperiode bestand aus: Likud/Yisrael Beitenu + Yesh Atid + Habayit Hayehudi + Hatnua = 68/120 Sitze.

Nach heftigen und lautstarken Auseinandersetzungen, im Eherecht würde man wohl von „unüberwindbaren Differenzen“ sprechen, entliess unser PM im Dezember zwei seiner Minister (Yair Lapid und Tzipi Livni) und liess anschliessend die Knesset auflösen, um den Weg zu Neuwahlen freizumachen.

Erste Umfragen ergaben am vorgestrigen Mittwoch mögliche neue Konstellationen. Frei nach dem Motto: „Wenn heute Wahlen wären, wen würden Sie wählen?“ ergaben sich folgende Ergebnisse:

Kanal 10
Likud (Netanyahu) 23 Sitze
Das neue „Zionistische Lager“ 23 (Livni, Herzog /ehemals Hatnua, Awoda)
Yesh Atid 13 (Lapid)
Vereinigte Arabische Liste 13
HaBayit HaJehudi 12 (Bennet)
Shas 7
Die neue Partei Kulanu 10 (Kahlon)
Israel Beitenu 5 (Liebermann)
Yachad 4 (Yishei)

Kanal 2
Zionistisches Lager 24
Likud 23
Vereinigte Arabische Liste 13
HaBayit HaJehudi 12
Yesh Atid 12
Kulanu 8
Israel Beitenu 4
Shas 4
Meretz 4
Yachad 4

Gestern Abend um 23 Uhr Israelzeit endete die Wahl für 6.250 Wähler aus dem Diplomatischen Dienst in aller Welt. Allein in New York waren 600 Menschen wahlberechtigt. Leider können wir sie nicht fragen, wie sie abgestimmt haben, eine aller-, allererste vorsichtige Prognose wäre so vielleicht schon erkennbar.

Vielversprechend schauen diese Umfragewerte allemal nicht aus!

Probieren wir doch mal ein erstes Spielchen. Wenn sich die Mitte-Links angesiedelten Parteien zusammenraufen, könnte das so aussehen: Zionistisches Lager + Yesh Atid + Meretz = 40.

Da fehlen noch 21 Sitze, um unangefochten den PM stellen zu können. Abgewunken haben (leider) die Araber, Yachad, Shas und Kulanu sind weit zu weit rechts, auch Liebermann wird wohl in der politischen Versenkung verschwinden.

Dass Bennet auf einmal vom Siedler zum Zionisten mutiert, darf nicht erwartet werden, oder wenn, dann sicher nur zu einem hohen Preis. Und rein zahlenmässig, nur zusammen mit den Arabern, ergäbe sich dann mit 65 Sitzen eine für Israel mehr als stabile Koalition.

Und, ich bin sicher, nach wie vor, es wäre machbar. Alle an einem Tisch: Zionisten, Araber, Siedler, wunderbar, ein Wahnsinnsprojekt.

Alle arbeiten gemeinsam an einer Vision „Wenn ihr wollt, ist es kein Traum!“ (Theodor Herzl) und „….Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.“ (Aus der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel)

Oder aber, die eigentlichen Wahlsieger verkaufen ihre Seele und gehen ein Bündnis mit Likud ein…..

Von Esther Scheiner

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 06/03/2015. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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