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Russische Kirche belebt den Mythos dass der Mord am Zaren jüdischer Ritualmord war

Der Leiter der russisch-orthodoxen Kirche, der die Tötung von Russlands letztem Zaren und seiner Familie im Jahr 1918 untersuchte, sagte: Ich untersuche ob es sich um einen rituellen Mord durch Juden handelte – eine Aussage, die jüdische Gruppen verärgert hat.

Der orthodoxe Bischof P. Tikhon Shevkunov sagte nach einer Sitzung am Montag, dass „ein großer Teil der Kirchenkommissionsmitglieder keine Zweifel daran hat, dass der Mord an der Zarenfamilie ein Ritualmord war“.

Ein Vertreter des Ermittlungskomitees, Russlands führender staatlicher Ermittlungsbehörde sagte ebenfalls, dass man eine eigene Untersuchung der Theorie durchführen werde.

‚Rückschritt in die dunkelsten Zeiten‘

Boruch Gorin, ein Sprecher der Föderation der jüdischen Gemeinden, Russlands größter jüdischer Gruppe, äußerte sich am Dienstag besorgt über die Behauptungen, die er als „Rückfall in die dunkelsten Zeiten“ bezeichnete.

Nikolaus II., seine Frau und ihre fünf Kinder 1913. Foto: Wikicommons

Einige Christen im mittelalterlichen Europa glaubten, dass Juden Christen ermordeten, um ihr Blut für rituelle Zwecke zu verwenden. Was Historikern zufolge keine Grundlage im jüdischen religiösen Gesetz oder historischen Fakten hat und stattdessen anti-jüdische Feindschaft im christlichen Europa widerspiegelte.

Zar Nikolaus II., seine Frau und ihre fünf Kinder wurden am 17. Juli 1918 von einem bolschewistischen Erschießungskommando in einem Kellerraum eines Kaufmannshauses hingerichtet, während sie in der Ural-Stadt Jekaterinburg festgehalten wurden. Die russisch-orthodoxe Kirche hat sie im Jahr 2000 zu Heiligen gemacht.

Der Mythos, dass der Zar und seine Familie von den Juden für rituelle Zwecke getötet wurden, wurde von antisemitischen Gruppen vorangetrieben.

Wiederbelebung antisemitischer Mythen

Gorin sagte, seine Gruppe sei schockiert und verärgert über die Äußerungen des Bischofs und des Untersuchungskomitees, die, wie er sagte, wie eine Wiederbelebung des jahrhundertealten „antisemitischen Mythos“ über die Tötung der kaiserlichen Familie klingen.

Der Patriarch Kirill der russisch-orthodoxen Kirche nahm am Montag an der Sitzung des Kirchengremiums teil, in der die Ermordung des Zaren und seiner Familie untersucht wurde. Er ging nicht auf die Frage ein, ob es sich bei dem Mord um ein Ritual gehandelt habe, sondern betonte, dass die Kirche Antworten auf alle offenen Fragen finden und „kein Recht auf Fehler hat“.

Die Worte von Bischof Tichon waren von besonderer Bedeutung, da er über enge Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen Einfluss innerhalb der Kirche berichtete.

Der Bischof erläuterte in seiner Erklärung am Dienstag gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, dass die „Bolschewiki und ihre Verbündeten sich mit der unerwarteten und vielfältigen rituellen Symbolik beschäftigten.“ Er behauptete, dass „ziemlich viele Menschen an der Hinrichtung beteiligt waren – in Moskau oder Jekaterinburg. So gesehen, war die Tötung des abgesetzten russischen Kaisers ein besonderes Ritual der Rache.“ Bischof Tichon fügte hinzu, dass Jakow Jurowski, der Organisator der Hinrichtung Jude war und später mit einer „sakralen historische Mission“ prahlte.

Die Verschwörungstheorien, welche die Juden für die Speerspitze der bolschewistischen Revolution verantwortlich machten, waren bei den nachrevolutionären russischen Emigranten und der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland beliebt und wurden später nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von einigen Nationalisten aufgegriffen.

„Extrem alarmierendes Verhalten“

Während Tichon die Juden für die Tötung verantwortlich machte, sagte Gorin, der Gebrauch des von Antisemiten aller Art geprägten Begriffs sei „äußerst alarmierend“.

„Die Äußerungen von Bischof Tichon werfen zweifellos einen Schatten auf die russisch-orthodoxe Kirche“, sagte er. „Und ein Vertreter des Untersuchungskomitees, der gestern über dieselbe Theorie sprach, wirft einen Schatten auf die Regierung als Ganzes.“

Gorin sagte, er erwarte, dass sowohl die Kirchenleitung als auch russische Regierungsbeamte Erklärungen liefern.

Ljudmila Narusowa, Abgeordnete des russischen Oberhauses und Witwe des Bürgermeisters von Sankt Petersburg, Anatoli Sobtschak, kritisierte die Reden über den rituellen Mord an der Familie des Zaren und sagte, dass sie ethnische Konflikte schüren, berichtet die Nachrichtenagentur Interfax.

Putin, der in den 1990er Jahren als Stellvertreter von Sobtschak diente und Kontakte zu seiner Familie unterhielt, wird Ende dieser Woche an einem Treffen der obersten russisch-orthodoxen Kirche teilnehmen.

Unter Putins Herrschaft erlebte die jüdische Gemeinde Russlands nach einer Welle der Auswanderung nach Israel und in andere Länder vor und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, eine Wiederbelebung.

Welt Israel Nachrichten

 

Von am 29/11/2017. Abgelegt unter Featured. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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