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Holocaust-Experten prangern das neue polnische Gesetz als „Reinwaschen“ der Schuld an

„Das Gesetz ist gefährlich und ich lehne es ab. Es ist Teil der politischen Agenda der polnischen Partei „Recht und Gerechtigkeit“, welche die Idee der polnischen Komplizenschaft während des Krieges ablehnt, sagt Dr. Efraim Zuroff vom Wiesenthal Center.

Israelische Führer kritisierten scharf ein neues polnisches Gesetz, das Formulierungen wie „polnische Todeslager“ verbietet. Holocaust-Experten sagen, dass, während Polen „technisch korrekt“ ist, wenn sie sagen, dass die Konzentrationslager deutsch waren, die Gesetzgebung aber ausgenutzt wird um die Morde von Polen an vielen Juden reinzuwaschen.

Premierminister Benjamin Netanyahu, hat am Sonntagabend mit dem polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki telefoniert. „Die beiden stimmten darin überein, dass Teams aus beiden Ländern einen direkten Dialog aufnehmen würden, um zu versuchen, ein Verständnis für die Gesetzgebung zu erreichen“, erklärte das Büro des Premierministers.

Dr. Efraim Zuroff, Leiter des israelischen Büros des Simon Wiesenthal Center, sagte gegenüber Welt Israel Nachrichten (WIN): „Die Polen haben Recht, dass die Todeslager von Deutschen gebaut und betrieben wurden, aber sie benutzen dieses Gesetz, um den polnischen Mord an Juden zu übertünchen. Nach dem neuen Gesetz müssen die Lager als „nationalsozialistische“ und nicht als „polnische“ Konzentrationslager bezeichnet werden. Zu dieser Zeit gab es keine polnische Regierung, weil das Land von Nazi-Deutschland besetzt war. Aber diese Tatsache sollte nicht als Vertuschung der verbreiteten Ermordung von Juden durch die Polen im von den Nazis besetzten Polen verwendet werden.“

„Das Gesetz ist gefährlich“

„Das Gesetz ist gefährlich und ich lehne es ab. Es ist Teil der politischen Agenda der polnischen „Recht und Gerechtigkeit“-Partei, welche die polnische Komplizenschaft während des Krieges ablehnt. In Orten wie Estland, Kroatien und Litauen wurde die lokale Polizei in die Besatzungstruppen der Nazis integriert und sie arbeiteten zusammen. Das war in Polen nicht der Fall, weil die Nazis das polnische Volk als Untermenschen betrachteten. Viele Polen wurden von Nazis ermordet. Aber vergessen wir nicht, schon vor dem Krieg gab es einen tiefen und weitverbreiteten Antisemitismus von Polen, die die Juden aus dem Land haben wollten“, sagte Zuroff.

Der Abgeordnete der Knesset (MK), Yair Lapid, geriet in einen regelrechten Kampf mit der polnischen Botschaft in Israel auf Twitter, nachdem er das Gesetz, das wie er glaubt, „die polnische Komplizenschaft im Holocaust leugnet“ scharf verurteilt. Der Holocaust wurde in Deutschland konzipiert, aber Hunderttausende Juden wurden ermordet, ohne jemals einen deutschen Soldaten getroffen zu haben. Es gab polnische Todeslager und kein Gesetz kann das jemals ändern“, schrieb Lapid.

„Eine Bauchreaktion“

Die polnische Botschaft antwortete Lapid und behauptete, dass es ihr Ziel sei die Vergangenheit nicht zu tünchen, sondern die Wahrheit vor solchen Verleumdungen zu schützen.

Zuroff kritisierte auch Lapid und sagte: „Seine Worte waren eine Bauchreaktion und sie waren voller Leidenschaft, aber leider kennt er die Fakten nicht und seine Bemerkungen waren absurd.“

Ein israelischer Beamter, der es vorzog ungenannt zu bleiben, sagte WIN: „Unsere Politiker schießen aus der Hüfte. Ja, das polnische Gesetz ist schrecklich, aber einige der Kommentare aus Israel waren furchtbar ungenau.“

Dr. Laurence Weinbaum, Direktor des Israelischen Rates für auswärtige Beziehungen, der unter der Schirmherrschaft des Jüdischen Weltkongresses operiert, sagte gegenüber WIN: „Das neue Gesetz ist besonders problematisch. Es wird versucht, einen ernsthaften Diskurs über die Reaktion der polnischen Gesellschaft auf die Zerstörung des polnischen Judentums zu verhindern oder sogar zu unterdrücken. Die Wissenschaft und ihre Übertragung sollten nicht vom Staat zensiert werden, etwas, das auf die schlimmsten Tage der kommunistischen Unterdrückung zurückgeht.“

„Leider“, fuhr Weinbaum fort, „gibt es im heutigen Polen eine ausgesprochene Abneigung gegen gewisse abschreckende Wahrheiten, die kürzlich von mutigen polnischen Historikern der postkommunistischen Generation aufgedeckt wurden. Diese Gelehrten haben gezeigt, dass die lokale Beteiligung an der Folter, Vertreibung und Zerstörung von Juden kein Randphänomen war und dass viele Polen und andere Europäer die Beseitigung ihrer jüdischen Nachbarn als nützliches Nebenprodukt einer ansonsten schweren Besetzung betrachteten. Für manche war die Versuchung unwiderstehlich und sie schreckten nicht davor zurück, Mord, Vergewaltigung und Diebstahl zu begehen – nicht immer von den Deutschen orchestriert.“

„Es ist jedoch unbestreitbar, dass die Deutschen und Österreicher die Architekten und Vollstrecker der Endlösung waren. Sie waren verantwortlich für die Schaffung und den Betrieb der Todesfabriken. Daher sind sorglose Verweise auf „polnische“ Todeslager und die Implikation, dass Polen irgendwie für ihre Existenz verantwortlich sind, sicherlich zu beanstanden“, sagte er.

Befürwortung einer verdrehten Erzählung

In Bezug auf die Reaktionen der israelischen Politiker auf das polnische Gesetz sagte Weinbaum gegenüber WIN: „Es ist sehr bedauerlich, dass einige Politiker, die nicht dazu geeignet sind sich zur Geschichte zu äußern, unverantwortliche Behauptungen gemacht und dabei die Atmosphäre vergiftet haben. Es ist jedoch nicht weniger bedauerlich, dass in den letzten Monaten einige Mitglieder der Knesset und andere prominente Israelis tatsächlich die verdrehte Erzählung einiger polnischer Nationalisten unterstützt haben, die den Heldenmut der polnischen Retter in den Mittelpunkt der Geschichte der Shoah in Polen stellen. Dies legt nahe, dass solche Bemühungen zu dieser Zeit völlig alltäglich waren und normatives lokales Verhalten repräsentierten.“

Die neue Gesetzesvorlage schreibt Strafverfahren für Einzelpersonen oder Organisationen vor, die die „polnische Nation“ verleumden, indem sie Polen wegen Holocaust-Verbrechen auf polnischem Boden Schuld oder Mitschuld zuweisen. Sätze wie „Polnische Todeslager“, die sich auf die im Zweiten Weltkrieg im besetzten Polen operierenden Tötungsstätten beziehen, können laut Gesetz mit drei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Am Sonntag sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dem Kabinett: „Israel hat keine Toleranz für die Verfälschung der Wahrheit, Neufassung der Geschichte oder Leugnung des Holocaust.“ Er sagte, dass Israels Botschafterin in Polen, Anna Azaria, die Position von Jerusalem dem polnischen Premierminister auf einer Gedenkfeier anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am Samstagabend auf dem Gelände des Vernichtungslagers Auschwitz, bekannt gegeben hat.

In der kommenden Woche werde Netanyahu weitere Treffen zu diesem Thema, mit Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sowie mit Präsident Andrzej Duda und dem polnischen Senat abhalten. Der polnische Präsident und der Senat, müssen die Gesetzgebung noch unterschreiben.

Von Steve Leibowitz,
für Welt Israel Nachrichten

 

Von am 29/01/2018. Abgelegt unter Featured. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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