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Berlin feiert Besucherprogramm für vertriebene Juden

Berlin war der letzte Ort auf der Welt, den Helga Melmed jemals in ihrem Leben wiedersehen wollte. Sie war 14 Jahre alt, als die Nazis sie und ihre Familie 1941 in einen Zug von ihrem Wohnort in der deutschen Hauptstadt in das jüdische Ghetto in Lodz, Polen, deportierten.

Helga Melmed.

Damit begann eine grausame Odyssee, die sie später nach Auschwitz und Neuengamme bei Hamburg brachte, bevor sie 1945 schließlich von britischen Soldaten aus Bergen-Belsen in Norddeutschland befreit wurde. Zu dieser Zeit war sie nur noch 21 Kilogramm schwer und dem Tod näher als dem Leben.

Jahrelang dachte sie nicht daran nach Deutschland zurückzukehren, bis sie 1977 zu einer Reise durch die Stadt ihrer Geburt eingeladen wurde. Aufgrund einer Initiative der Stadt um im Rahmen eines Versöhnungsprogramms die Beziehungen zu ehemaligen Berlinern zu verbessern, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden.

Das Programm feiert nun sein 50-jähriges Bestehen und brachte Menschen wie Melmed erfolgreich auf einwöchige Reisen nach Berlin, um sich mit der Stadt vertraut zu machen. Rund 35.000 Menschen haben die Einladung seit ihrer Erstausgabe im Jahr 1969 angenommen und während die Zahl der Teilnehmer sinkt, kommen jedes Jahr noch einige neue Teilnehmer hinzu.

„Ich dachte, ich würde nie wieder hierher kommen“, sagte der 91-jährige Melmed, die nach dem Krieg über Schweden in die USA ausgewandert war.

Das „Einladungsprogramm für ehemalige Flüchtlinge“ hat vor allem jüdische Auswanderer, die vor den Nazis geflohen sind, oder solche wie Melmed, die die Maschinerie des Völkermords überlebt haben, für kurze Zeit nach Berlin zurückgebracht.

Kürzlich wurden sie und andere ehemalige Programmteilnehmer in das Berliner Rathaus eingeladen, um das 50. Jubiläum zu feiern. Bei einer Zeremonie dankte Bürgermeister Michael Müller ihnen für ihre Rückkehr – trotz aller Leiden die sie durch die Deutschen erfahren haben.

„Viele Menschen folgten unserer Einladung, Menschen, die alles verloren hatten, was sie liebten“, sagte er. „Ich möchte Ihnen meinen großen Dank aussprechen, dass Sie uns Ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Mehr als 100 andere deutsche Städte haben ähnliche Programme eingeführt, aber keine Gemeinde hat so viele ehemalige Einwohner zurückgebracht wie die Hauptstadt.

Melmeds Lebensgeschichte wird in der Ausstellung „Charterflug in die Vergangenheit“ über das Programm, das für einen Monat im Berliner Rathaus eröffnet wurde, dokumentiert.

Als sie in Berlin war, überreichten Stadtbeamte ihr die ursprüngliche Geburtsurkunde und die Heiratsurkunde ihrer Eltern.

„Jetzt ist alles für mich zu Ende“, sagte Melmed mit einem friedlichen Lächeln, als sie ihre goldene Halskette mit einem Davidstern-Anhänger berührte. „Es tut nicht mehr weh.“

Quelle: EJC/IN-Redaktion

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Von am 18/09/2019. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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