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Auch das ist Israel: Hilfe die man nicht in der Zeitung liest

 Solidarität die jetzt dringend benötigt wird

Ein Tel-Aviver Frisör, der nicht mehr zur Reserve mobilisiert wird überlegte, was er zur Erleichterung der Kampftruppen tun könnte.

Ein guter Haarschnitt trägt viel zum Wohlbefinden eines Menschen bei. In diesem Bewusstsein setzte er sich sowohl mit der betreffenden Militärbehörde als auch mit einigen seiner Kollegen in Verbindung. Von der Behörde bekam er einige Telefonnummern. Zwei seiner Berufskollegen waren bereit, mitzumachen.

Bei den ersten fünf Nummern beim Militär klingelte er vergebens. Bei der sechsten bekam er Anweisungen, wo er seinen provisorischen Frisier-Salon aufstellen konnte. Es war gerade eine „humanitäre Waffenruhe“ eingetreten. Er wurde gebeten, jetzt, sofort, zu kommen. Seine beiden Kollegen und er ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie fuhren los – in Richtung Ghaza.

Der sonst so lebhafte Verkehr auf der Landstraße war auf ein Mindestmaß geschrumpft. Sie kamen gut voran. Die Rauchsäule, die immer noch von der umkämpften Stadt aufstieg, rückte immer näher. Endlich landeten sie an der angegebenen Adresse – einem Kibbutz unmittelbar an der Grenze, räumlich nahe an der Stadt. Dort befanden sich Soldaten der Golani-Einheit, einer auserwählten Kampftruppe, denen gerade eine Kampfpause gegönnt wurde.

Die Frisöre hatten alles Nötige mitgebracht, der provisorissche „Salon“ stand zum Glück bald einsatzbereit. Der Bedarf war groß. Die meisten Soldaten haten einen Haarschnitt dringend nötig. Es sollte nur fünf Minuten Zeit für einen Haarschnitt geben, aber dazu waren die Frisöre nicht bereit. Man einigte sich auf sieben Minuten. Ob die eingehalten wurden, ist zweifelhaft.

IDF beim Frisör

Die Frage ob der Haarschnitt modern oder militärisch sein sollte, löste sich sehr bald – die Offiziere bestanden darauf, dass es nur kurze Militärhaarschnitte geben durfte – was von manchem bedauert wurde, aber nur kurz. Man war glücklich, wieder gepflegt und ordentlich auszusehen. Zwischen den Soldaten und den Frisören entstand ein lebhafter Dialog voll Sympathie.

An dem Tag verstanden und mochten sie einander, die alten Reservesoldaten und die jungen Kameraden im aktiven Kampf um die Heimat. Die Soldaten erzählten was sie bewegte und die Frisöre hörten zu: Geschichten von wunderbaren Errettungen, von erhörten Gebeten, von Heldentaten, von gefallenen Kameraden. Die Art von Geschichten, die man in Frisörsalons normalerweise nicht hört.

Am frühren Nachmittag kamen Lastautos mit Esswaren aller Arten: Fleisch für den Grill, Salate, Pasteten, Brot, Pizza, Kuchen aller Art – es waren unglaubliche Mengen, selbst für den Hunger junger Soldaten. Es waren mit Liebe gespendete Esswaren. So schmeckten sie auch.

Der schwere Abschied wurde so lange es geht heraus geschoben.

Seither sind nur einige Tage vergangen, aber vom Militär kommen bereits Anfragen nach Wiederholung und Erweiterung. Frisöre, besonders Selbstständige, können aber nicht lange oder oft das Geschäft schließen, sonst laufen ihnen die Kunden davon.

Doch das stört sie nicht wie sie sagen, in einer Zeit wo wir alle Seite an Seite zusammen stehen müssen, zum Wohle unseres Landes.

Es sind die kleinen Hilfsdienste, die kleinen Gesten der Verbundenheit, die unsere Nation und unser Land Israel auszeichnen und – die es nie in die Schlagzeilen der Presse schaffen.

Von Lisbeth Rosenthal

Redaktion Israel-Nachrichten.org

Frau Rosenthal ist Senior-Redakteurin der Israel-Nachrichten. Sie ist Schriftstellerin und Journalistin und war viele Jahrzehnte für die Druckausgabe der Zeitung tätig. Sie lebt heute in einer Seniorenresidenz für Holocaust-Überlebende in Tel Aviv.

 

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Von am 01/08/2014. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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