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Potsdam öffnete vor fünf Jahren den gefragten Studiengang für Jüdische Theologie

Potsdam öffnete vor fünf Jahren den gefragten Studiengang für Jüdische Theologie – und die Nachfrage wächst und wächst

Potsdam erlebte vor fünf Jahren eine akademische Premiere: Die „School of Jewish Theology“ wurde geschaffen – als damals europaweit erste Ausbildungsstätte für Rabbiner und Kantoren an einer Universität. Konstant blieb die wachsende Nachfrage bis 2018. Dieses positive Resümée – kurz nach dem jüdischen Lichterfest Chanukka 2018 – berechtigt alle Verantwortlichen, insbesondere Rektor Rabbiner Walter Homolka, nun auch für das neue Jahr 2019 wieder zu den kühnsten Hoffnungen.

Mazeltov! Auf Hebräisch heisst das so viel wie: Viel Glück! Dieser fromme Wunsch passt besonders gut zum bevorstehenden Jahreswechsel 2018/2019.

Erinnern wir uns: Fünf Jahre sind nunmehr ins Land gegangen, seitdem Potsdam in den Blickpunkt der jüdischen Welt gerückt worden ist.

400 Gäste aus dem In- und Ausland nahmen damals am feierlichen Festakt in der Potsdamer Universität teil, als die „School of Jewish Theology“ offiziell eröffnet wurde.

Es handelte sich um eine erfolgversprechende, akademische Premiere von historischer Dimension, denn mit diesem Institut für Jüdische Theologie wurde in der Tat die europaweit erste Ausbildungsstätte für Rabbiner und Rabbinerinnen, für Kantoren und Kantorinnen an einer Universität geschaffen.

Von sich reden machte diese begehrte Ausbildung de luxe seit 2013, denn alles ist akademisch vom Feinsten und vor allem geldbeutelfreundlich. Denn anders als in den USA, wo eine fünfjährige Rabbinerausbildung locker ein 150.000-Euro-Loch ins Konto reisst, steht man hier in Deutschland, hier in Potsdam, den Studierenden mit Stipendien zur Seite. Ein weiteres Plus: Der auch in Amerika anerkannte Abschluss aus Potsdam eröffnet weltweite Karrierechancen.

Kein Wunder, dass der Zulauf in den vergangenen Jahren ganz enorm gewesen ist. Studierende von Südafrika bis Serbien büffelten Fächer von Recht bis Religionspraxis, alles mit Postkartenblick auf das Neue Palais, das Superschloss Friedrichs II., dessen Motto lautete: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“.

Jüdische Akademiker von heute genießen höchste Wertschätzung. Bundeskanzlerin Merkel übersandte dieser Tage Weihnachts- und Neujahrsglückwünsche an das erfolgreiche Abraham-Geiger-Kolleg: Es sei „eine mutmachende Entwicklung, dass die jüdische Theologie in Deutschland einen gleichberechtigten, festen Platz im Haus der Wissenschaft erhält.“

Ein Signal – „weit über unsere Landesgrenzen hinaus“.

Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka (R) erhält Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Foto: UNI Potsdam

Auch Rabbiner Walter Homolka, einer der Gründungsväter der neuen Einrichtung, sprach von einem „Quantensprung“. Zwar gab es seit 1999 eine Rabbinerausbildung in Potsdam, aber in die Universität waren die angehenden Geistlichen nur im Rahmen des Teilfachs „Jüdische Studien“ integriert. „Es ist ein Unterschied, ob man nur Gast ist oder Hausherr“, beschrieb Homolka das, was man modern „Status-Upgrade“ nennt.

Und durch die Brille der Geschichte betrachtet, handelt es sich um nichts weniger als die Erfüllung eines fast 200 Jahre alten Traums. Bereits 1836 hatte der in Frankfurt/Main geborene Rabbiner Abraham Geiger eine jüdische Fakultät an deutschen Hochschulen gefordert und damit die Gleichstellung der Ausbildung von Rabbinern und christlichen Geistlichen. Ein kühner Wunsch zu einer Zeit, als Juden zwar studieren durften, aber nicht einmal eines Professorenamtes für würdig befunden wurden.

Sichtlich zufrieden wirkte Rabbiner Walter Homolka – ein Hüne mit kleiner blauer Kippa auf dem Kopf, mit einem unbeugsamen Willen und einer Riesenportion Verhandlungstalent – in diesen Tagen. Dass die Verwirklichung von Geigers altem Traum alles andere als „eine gemähte Wiese“ war, wie man in Homolkas süddeutscher Heimat sagt, ist ihm nicht anzumerken. Als die Verhandlungen mit dem Land über die neue Jüdische Theologie stockten, hatte er sogar Abwanderungspläne nach Thüringen oder Bayern. Doch 2012 gab der Landtag grünes Licht, dass auch konfessionell gebundene Professoren an eine Hochschule berufen werden können.

Über die Hürden will Homolka jetzt nicht mehr groß reden. Denn auch 2019 wird von ihm und seinen Mitstreitern wieder um das eine große Ziel gerungen werden: Um die erfolgreiche Zukunft der Jüdischen Theologie an der Universität Potsdam, als Zugpferd für ganz Deutschland.

Hintergrund: Die Geschichte des Judentums

  • Die jüdische Religion ist die älteste der monotheistischen Religionen. Sie hat eine Geschichte von mehr als 3000 Jahren.
  • Nach der Thora, den fünf Büchern Mose, beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt. Darauf basiert der Glaube religiöser Juden, dass das Volk von Gott auserwählt ist.
  • Die religiösen Geschichten des Judentums sind fast deckungsgleich mit dem Alten Testament im Christentum. Da werden beinahe Kinder geopfert (Isaak von Abraham), es gibt Brudermord (Kain und Abel) und generell geht es oft wenig zimperlich zu, siehe Judith und Holofernes. „Es ist ein Buch mit Geschichten über Krisensituationen und von den Erfahrungen der Menschen mit Gott“, erklärt Hartmut Bomhoff vom Abraham-Geiger-Kolleg.
  • Mit der Vertreibung aus Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 begann die Diaspora: Die Juden teilten sich in Sephardim (Westjuden, zum Beispiel in Spanien bis zur Vertreibung durch die Katholiken) und Aschkenasim (Ostjuden in Mittel- und Osteuropa).
  • In religiöser Hinsicht herrschen große Unterschiede. Orthodoxe Juden halten sich meist buchstäblich an Gebote: So gewichten sie das Gebot „Du sollst nicht mit dem linken Fuß aufstehen“ gleich schwer wie „Du sollst nicht morden“. Liberalen Juden geht es mehr um die moralisch-ideelle Ausdeutung der Gebote.

Von Dr. phil. Anita Homolka-Enstroem

In Anlehnung an einen redaktionellen Bericht von Ildiko Röd.

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Von am 18/12/2018. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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