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Nächste Landung: Eilat!

Am 10. März 1949 befreite die Negev Brigade die kleine Ortschaft Umm Rashrash, heute bekannt unter dem Namen Eilat. Sie übernahm damit die Oberhoheit des südlichsten Punktes des jungen Staates Israel. Zuvor hatte von hier aus die jordanische Armee versucht, den Negev zu erobern. Mit der letzten grossen Operation «Ovda» eroberte die IDF nicht nur Eilat. Die Golani Brigade erkämpfte den südlichen Negev für Israel und die Alexandroni Brigade übernahm Massada und Ein Gedi am Toten Meer. Damit war der UN Teilungsplan auch im Süden Israels umgesetzt.

Die „Tintenflagge“ 1949. Foto: IDF

Als Zeichen der erfolgreichen Eroberung sollte am Strand von Eilat die israelische Fahne gehisst werden. Aber, es gab keine! Es musste improvisiert werden. Ein weisses Leintuch wurde am oberen und unteren Rand mit blauer Tinte eingefärbt. Der David Stern wurde aus Bandagen aus dem Erste-Hilfe-Kasten gebastelt und ebenfalls eingefärbt. Diese Fahne, bekannt geworden als «Tinten Fahne» wird heute im Staatsarchiv aufbewahrt. Genau 60 Jahre später wurde an diesem historischen Ort ein Denkmal errichtet, dass die damalige Szene nachstellt.

Die strategische Bedeutung von Eilat war klar. Hier, im Golf von Akaba in unmittelbarer Nachbarschaft der südlichsten Stadt Jordaniens, Akaba, liegt der direkte Zugang zum Rote Meer und damit auch zum Indischen Ozean. Unmittelbar an das jordanische Staatsgebiet schliesst sich Saudi Arabien an. Ägypten ist das direkte süd-westliche Nachbarland.

Die Strasse von Tiran, die das Rote Meer vom Indischen Ozean trennt, wurde sowohl 1956, als auch 1967 von Ägypten für israelische Schiffe blockiert. Durch den für Israel siegreichen Sinaifeldzug und den Sechstagekrieg wurde die jeweilige Blockade beendet.

Eilat wurde von der Regierung zur «Entwicklungsstadt» erklärt, um den Ausbau der Infrastruktur schnellstmöglich voranzutreiben. Insgesamt erhielten 32 Orte im jungen Israel diesen Status, um eine rasche Integration der Flüchtlinge aus arabischen und islamischen Ländern zu gewährleisten. Fehlende gewachsene Bevölkerungsstruktur, nur langsam wachsende Arbeitsmöglichkeiten und anfangs dürftige Infrastruktur liessen diese «Entwicklungsstädte» nicht überall zu einem Erfolgsmodell werden.

In Eilat gelang der Plan.

Aus der ehemals nur mit wenigen Lehmhütten besiedelten Wüstensiedlung wurde rasch ein bedeutender und schnell wachsender Ort. Ab 1950 versorgte eine Pipeline, die Eilat mit der 19 km entfernten Gadna-Armeebasis verband, den Ort mit Frischwasser.

1952 wurde der erste Pier fertiggestellt und Eilat zur Hafenstadt erklärt. Allerdings überstiegen rasch die Frachtlieferungen die Kapazität des kleinen Hafens, der deshalb bis 1956 zügig ausgebaut wurde. Heute, nachdem es hoffentlich zu keinen weiteren Kampfhandlungen und Blockaden unter den sich innig liebenden Nachbarn geben wird, kann man im Golf von Akaba, sowohl auf der jordanischen, als auch auf der israelischen Seite der Bucht den regen Schiffsverkehr beobachten. Mit viel Glück kann man auch dem Auslaufen eines US-amerikanischen Kriegsschiffes zuschauen.

Mitten in der Stadt, eingepfercht zwischen Wohngebiete und Hotelzone liegt der Stadtflughafen von Eilat. Bereits 1949 wurde der Flugverkehr aufgenommen. Zunächst gab es nur eine kleine Start- und Landebahn von 1.000 m Länge, die 1964 um 500 m verlängert wurde. Erst dann bekam der kleine Wüstenflughafen einen Terminal und Kontrolltower. Kleine israelische Flugzeuge erleichterten nun die Reise zwischen Eilat und Haifa, sowie Lod. Ab 1974 wird Eilat von einer Dänischen Fluglinie angeflogen. Das war der Start des internationalen Flugbetriebes. Ab 1982 flogen internationale Fluglinien nur mehr den 40 km entfernt gelegenen Flughafen Uvda an, der nun zügig ausgebaut werden musste. Uvda galt auch als Ausweichflughafen, falls der Flugbetrieb von Ben Gurion aus Sicherheitsgründen, oder bei entsprechend schlechtem Wetter eingestellt werden müsste.

Flughafen Eilat. Foto: Wikipedia

Es wird jedoch schnell klar, dass beide Flughäfen nicht nur in die Jahre gekommen sind, sondern auch nicht mehr wachsen können.

2013 wurde mit dem Bau eines neuen Flughafens begonnen, der 20 km von Eilat entfernt liegt. Mit einer, für Israel nur kurzen Verzögerungszeit, wurde der «Ilan & Assaf Ramon Flughafen» am 21. Januar 2019 eröffnet.

Ilan Ramon war der erste israelische Raumfahrer. Am 16. Januar 2003 startete die letzte Columbia Raumfähre mit sieben Astronauten, darunter Ilan Ramon zu ihrem 16-tägigen Flug. Ramon, Sohn von Shoa Überlebenden hatte eine Mikrofiche Bibel, einige Mesusot, eine kleine Tora Rolle und eine Bleistiftzeichnung eines Jugendlichen bei sich, der im Alter von 16 Jahren in Auschwitz ermordet worden war. Am 11. Februar 2003, nur 16 Minuten vor der geplanten Landung zerbrach die Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Keiner der sieben Astronauten überlebte das Drama.

Sein ältester Sohn Assaf wollte das Lebenswerk seines Vaters fortsetzen. Er verstarb im Jahr 2009 nach dem Absturz seines Flugzeuges bei einem Trainingsflug. Ramons’ Witwe konnte an der Eröffnung des Flughafens nicht mehr teilnehmen. Sie verstarb am 17. Dezember 2018.

Der neue Flughafen ist für eine Jahreskapazität von 2.5 Millionen Passagieren ausgelegt. Angeflogen wird der Flughafen von nahezu allen Flugzeugtypen. Während beim direkten Beschuss des Ben Gurion Flughafens während der Gaza Krise im Jahr 2014 der Flughafen teilweise geschlossen werden musste und einige Fluglinien den Flug nach Israel ganz einstellten, können in Zukunft sämtliche Flüge umgeleitet werden. Obwohl das Flugplatzgelände weit genug von allen bedrohlichen Regionen (Gaza, Libanon, Syrien und Sinai) entfernt liegt, ist er sicher einer der best bewachten und gesicherten Flughäfen weltweit.

Je nachdem wie sich die Passagierbedürfnisse entwickeln und wie der Flughafen angenommen wird, sind auch Shuttle Busse nach Jordanien und Ägypten geplant. Grenzübergänge in die beiden Nachbarstaaten gibt es schon seit vielen Jahren. Trotzdem kamen von jordanischer Seite schon Beschwerden, dass der Flughafen zu nahe der jordanischen Grenze und vor allem auch vom jordanischen Flughafen in Akaba läge.

Neben den israelischen Fluglinien Israir und arkia werden auch Ryanair, Lufthansa, Finnair und Edelweiss den Flughafen anfliegen.

Von Esther Scheiner

Esther Scheiner ist Journalistin und Redakteurin der Israel Nachrichten. Sie lebt und arbeitet in Israel und der Schweiz.

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Von am 25/01/2019. Abgelegt unter „Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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