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Adolf Hitler war in der Orthographie, auch im privaten Schriftverkehr, eine absolute Null

Im letzten Brief, den der spätere deutsche Reichskanzler, Adolf Hitler, seinem Freunde schrieb, bevor er wegen seiner Wehrdienstentziehung heimlich bei Nacht und Nebel verschwand und in die Wiener Felbertstraße 22 zog, deutete er nicht einmal an, dass er sich mit der Absicht trug, das gemeinsam von ihm und Kubizek bewohnte Zimmer in der Stumpergasse 29 aufzugeben. Der Gedanke, dass Kubizek darunter leiden könnte, wenn er seinem Freund nach der Rückkehr seiner Wiener Wehrdienstübung nicht mehr vorfände, stand außerhalb der Überlegungen Hitlers, der nur immer an sich selbst zuerst dachte. Und so schrieb er an Kubizek:

„Guter Freund! Erst bitte ich dich um Verzeihung dafür daß ich solange keinen Brief schrieb. Es hatte auch dies seine guten oder besser schlechten Gründe, ich wußte nichts womit ich dir hätte aufwarten können. Daß ich dir nun doch einmal schreibe beweist nur daß ich sehr lange suchen mußte um Dir die par Neuigkeiten zusammenzu suchen. Also ich beginne Erstens läßt sich unsere Zimmerfrau die Zakreys für das Geld schön bedanken Und zweitens bedanke ich mich bestens für deinen Brief. Die Zakreys dürfte sich wahrscheinlich schwer tun, sie beherrscht das Deutsch zu schlecht deshalb bat Sie mich, ich möchte dir und deinen werten Eltern ihren Dank überliefern, ich habe jetzt gerade einen starken Bronchialkartaren überstanden … Wer hat den die Zeitung eigentlich herausgegeben die ich dir zum letzten mal schickte. Ich hatte damals den Betrag schon längst bezahlt. Weißt du näheres. Bei uns ist jetzt schönes angenehmes Wetter; es regnet nämlich sehr stark. Und heuer im Jahr der Backofenhitze ist daß wahrhaftig des Himmels Segen. Nun werde ich ihn aber auch nur mehr kurze Zeit genießen Samstag oder Sonntag dürfte ich wahrscheinlich fortfahren. Werde Dich davon genau verständigen. Schreibe jetzt ziemlich viel, gewöhnlich nachmittags oder abends. Hast du den letzten Entscheid des Gemeinderates in Bezug des neuen Teaters gelesen. Mir scheint die wollen gar den alten Krempel noch einmal flicken. Es geht dies aber so nicht mehr weil Sie von der Behörde die Erlaubniß nicht mehr bekämen. – Jedenfalls zeigt die ganze Phrasenreiterei daß diese hochwohlgeborenen und alle maßgebendsten Faktoren vom Bau eines Teaters gerade soviel Idee haben, wie ein Nilpferd vom Violinspielen. Wenn mein Handbuch der Architektur nicht schon so miserabel ausschaun täte, möchte ich es sehr gern einpacken und mit nachfolgender Teater-Gründungsvereinsentwurfsbauausführungskomitesgemäßer Adreße versenden An das allhierige hochwohlgeborene gestrenge alllöbliche Comitoria zur Etwaigen Erbauung und allfallige Ausstattungen. Und damit schließe ich nun. Grüß Dich und Deine werten Eltern vielmals und verbleibe, Dein Freund Adolf Hitler.“

Dieses Schreiben an Kubizek zeigt, dass der junge Adolf Hitler es weder mit der Orthographie noch mit der Interpunktion genau nahm. Sein Verhältnis zur deutschen Rechtschreibung war ungetrübt und inkonsequent. So schrieb er auch, der von 1904 bis 1908 fast täglich das Wiener Theater besuchte, „Theater“ meist ohne „h“, „nähmlich“ statt nämlich, „dan“ anstelle von dann, „daß“ statt das, „gieng“ statt ging und „lies“ anstelle von ließ.

Aber: Daß er bereits während seiner Wiener Zeit von 1908 bis 1913 orthographisch ohne Fehler schreiben konnte, wenn er dies nur wollte, beweisen zahlreiche Beispiele; – zumal dann, wenn es ihm darauf ankam, einen guten Eindruck zu hinterlassen oder andere positive Reaktionen auszulösen. Nachdem Hitlers Versuch, im September des Jahres 1907 an der Allgemeinen Malerschule der Akademie der Bildenden Künste in Wien mit dem Studium zu beginnen, zu seiner großen Enttäuschung gescheitert und auch seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt waren, an der Architekturschule der Akademie studieren zu können, da er die Schule ohne Abitur verlassen hatte, akzeptierte er fremde Hilfe und bewies damit auch, dass er die deutsche Rechtschreibung durchaus „schon“ beherrschte.

Er nahm das Protektionsangebot wahr, welches ihm die Besitzerin des Hauses antrug, in dem er nach dem Tod seiner Mutter, Klara Hitler am 21. Dezember 1907, noch wohnte. Die Besitzerin des Anwesens hatte ihm Anfang 1908 versprochen, ihre Mutter um Hilfe zu bitten, die mit dem zu der Zeit berühmten Bühnenbildner Alfred Roller von der Wiener Kunstgewerbeschule persönlich bekannt war. Nachdem die alte Dame der Bitte der Tochter entsprochen und Alfred Roller Adolf Hitler empfangen hatte, bedankte sich dieser höflich und bescheiden bei der alten Dame und schrieb:

„Hochverehrte gnädige Frau!
Drücke Ihnen hiermit, hochverehrte gnädige Frau, für Ihre Bemühungen, mir Zutritt zum großen Meister der Bühnendekoration, Professor Roller, zu verschaffen, meinen innigsten Dank aus. Es war wohl etwas unverschämt von mir, Ihre Güte, gnädigste Frau, so stark in Anspruch zu nehmen, wo Sie dies doch einem für Sie ganz Fremden tun mußten. Umso mehr aber bitte ich auch meinen innigsten Dank für Ihre Schritte, die von solchen Erfolgen begleitet waren, sowie für die Karte, welche mir gnädige Frau so liebenswürdig zur Verfügung stellten, entgegen nehmen zu wollen. Ich werde von der glücklichen Möglichkeit sofort Gebrauch machen.
Also nochmals meinen tiefgefühltesten Dank, und ich zeichne mit
ehrerbietigem Handkuß, Adolf Hitler.“

Jedoch im oben angeführten Schriftwechsel mit Kubizek hätte es in den damaligen dritten Klassen heißen müssen: „Adolf Hitler, eine glatte sechs. Setzen.“

Und wie es weitergeht erfährt die Leserschaft der Israel Nachrichten in der nächsten Ausgabe.

Von Rolf von Ameln

Rolf v. Ameln ist Buchautor, sowie IN-Korrespondent in Deutschland und Spezialist für Themen der Zeitgeschichte. Er schreibt seit 25 Jahren für die Israel-Nachrichten.

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Von am 25/09/2019. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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