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Wider das Vergessen: Schriftliche Zeugnisse von Tätern – viele haben es doch gewusst!

Drei Berichte wiedergegeben im Originaltext:

Bericht eines Rüstungsinspektors in der Ukraine, am 2. Dezember 1941

Die jüdische Bevölkerung ist im unmittelbaren Anschluß an die Kampfhandlungen zunächst unbehelligt geblieben. Erst Wochen, z.T. Monate später wurde eine planmäßige Erschießung der Juden durch dazu eigens abgestellte Formationen der Ordnungspolizei durchgeführt. Diese Aktion ging im wesentlichen von Osten nach Westen. Sie erfolgte durchaus öffentlich unter Hinzuziehung ukrainischer Miliz, vielfach leider auch unter freiwilliger Beteiligung von Wehrmachtsangehörigen. Die Art der Durchführung der Aktionen, die sich auf Männer und Greise, Frauen und Kinder, jedes Alters erstreckte, war grauenhaft. Die Aktion ist in der Massenhaftigkeit der Hinrichtungen so gigantisch, wie bisher keine in der Sowjetunion vorgenommene gleichartige Maßnahme. Insgesamt dürften bisher etwa 150000 bis 200000 Juden in der zum RK gehörenden Teil der Ukraine exekutiert sein.

Geheimbericht der Einsatzgruppe A

Die systematische Säuberungsarbeit im Ostland umfaßte gemäß den grundsätzlichen Befehlen die möglichst restlose Beseitigung des Judentums. Dieses Ziel ist mit Ausnahme von Weißruthenien im wesentlichen durch die Exekutionen von bislang 229052 Juden (siehe Anlage) erreicht. Der in den baltischen Provinzen verbleibende Rest wird dringend zur Arbeit benötigt und ist in Ghettos untergebracht.

Die endgültige und grundlegende Beseitigung der nach dem Einmarsch der Deutschen im weißruthenischen Raum verbliebenen Juden stößt auf gewisse Schwierigkeiten. Das Judentum bildet gerade hier einen außerordentlichen hohen Prozentsatz der Facharbeiter, die mangels anderer Reserven im dortigen Gebiet unentbehrlich sind. Ferner hat die Einsatzgruppe A das Gebiet erst nach Eintritt des starken Frostes übernommen, die Massenexekutionen stark erschwerten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die Juden über das ganze Land weit verstreut wohnen. Bei den großen Entfernungen, den schwierigen Wegeverhältnissen, dem Mangel an Kraftfahrzeugen und Benzin und den geringen Kräften der Sicherheitspolizei und des SD sind die Erschießungen auf dem Lande nur unter Anspannung aller Kräfte möglich. Trotzdem wurden bisher 41000 Juden erschossen. In Minsk selbst leben zur Zeit – ohne Reichsdeutsche – rund 18000 Juden, deren Erschießung mit Rücksicht auf den Arbeitseinsatz zurückgestellt werden mußte. Der Kommandant in Weißruthenien ist trotz der schwierigen Lage angewiesen, die Judenfrage baldmöglichst zu liquidieren. Ein Zeitraum von etwa zwei Monaten wird jedoch – je nach Witterung – noch notwendig sein.

Bericht des Generalkommissars für Weißruthenien, Wilhelm Kube, vom 31. Juli 1942

In eingehenden Besprechungen mit dem SS-Brigadeführer Zenner und dem hervorragend tüchtigen Leiter des SD, SS-Obersturmbannführer Dr. jur. Strauch, haben wir in Weißruthenien in den letzten zehn Wochen rund 55000 Juden liquidiert. Im Gebiet Minsk-Land ist das Judentum völlig ausgemerzt, ohne daß der Arbeitseinsatz dadurch gefährdet worden ist. In dem überwiegend polnischen Gebiet Lida sind 16000 Juden, in Slonim 8000 Juden usw. liquidiert worden.

Das rückwärtige Heeresgebiet hat, ohne Fühlung mit mir zu nehmen, 10000 Juden liquidiert, deren systematische Ausmerzung von uns sowieso vorgesehen war. In Minsk-Stadt sind am 28. und 29. Juli rund 10000 Juden liquidiert worden, davon 6500 russische Juden – überwiegend Alte, Frauen und Kinder – der Rest bestand aus nichteinsatzfähigen Juden, die überwiegend aus Wien, Brünn, Bremen und Berlin im November des v.J. nach Minsk auf Befehl des Führers geschickt worden sind. Auch das Gebiet Sluzk ist um mehrere Tausend Juden erleichtert worden. Das gleiche gilt für Nowogrodek und Wilejka. Radikale Maßnahmen stehen noch für Baranowitschi und Hanzewitschi bevor. In Baranowitschi leben allein in der Stadt noch rund 10000 Juden, von denen 9000 Juden im nächsten Monat liquidiert werden… Zu dieser eindeutigen Einstellung dem Judentum gegenüber kommt noch die schwere Aufgabe für den SD in Weißruthenien, immer wieder neue Judentransporte aus dem Reich ihrer Bestimmung zuzuführen.

Ich habe mitgeschossen; – die Erschießung der Juden in Schirowitz

Eidesstattliche Erklärung des Dolmetschers Alfred Metzner in Augsburg am 18. September 1947

 […] Schirowitz ist ein Vorort von Slonim und ca. 7-9 km entfernt. Bei dieser Exekution wurden ca. 1200 bis 1400 Juden aus dem Ghetto vernichtet. Es wurden bei dieser Aktion Gruppen von 500 Personen zu Fuß an den Vernichtungsort geführt und von den eingeteilten Vernichtungskommandos vernichtet. Bei dieser Exekution war ich selbst dabei und habe selbst mitgeschossen. Die Anlagen der Gruben waren diesmal 4 m breit, 5 m tief und ca. 60-80 m lang. Der Exekutionsort war außerhalb der Ortschaft hinter einem Wäldchen. Einige Tage vor der Exekution wurden Schießproben an dem Exekutionsort durchgeführt, um festzustellen, ob die Bevölkerung von Schirowitz den Schall der Exekutionen hören könne…

Diese Exekution verlief ungefähr folgendermaßen: die Wachleute gingen mit den Juden in die Gruben. Dabei wurde das hintere Ende der Grube verschlossen und die Juden gezwungen, sich am Rande auszuziehen und sich sofort ohne eine Untersuchung in die Grube hineinzulegen. Als die erste Schicht drinnen lag, gingen die Wachleute aus den Gruben hinaus unter gleichzeitigem Einsetzen von beiderseitigem Feuer. Durch diese Art der Aufstellung wurde es ermöglicht, ein Kreuzfeuer auf die Juden zu eröffnen. Die erste Schicht betrug etwa 100-120 Mann in der Grube. Nach der ersten Exekution mußte sich die zweite Schicht der Juden so auf die toten Körper legen, daß der Kopf auf den Füßen der unteren Leichen zu liegen kam. In einer Grube wurden ca. 5-6 Schichten aufeinandergeworfen und betrug die Anzahl der Juden in einer Grube 400-500 Personen. Die Exekutionen wurden mit Schnellfeuergewehren, Karabinern, Maschinenpistolen, ganz nach Belieben durchgeführt. Vorher wurden viele zu Tode geschlagen. Es war erstaunlich, wie die Juden in die Grube hineingingen, nur mit gegenseitigen Tröstungen, um sich dadurch gegenseitig zu ermuntern und den Exekutionskommandos die Arbeit zu erleichtern. Die Exekution selbst dauerte 3-4 Stunden. Ich war die ganze Zeit an der Exekution beteiligt. Die einzigen Pausen, die ich machte, waren, wie mein Karabiner leergeschossen war und ich neu laden mußte. Es ist mir dadurch nicht möglich zu sagen, wieviele Juden ich selbst während dieser 3-4 Stunden umgebracht habe, da während dieser Zeit ein anderer für mich weiter schoß. Wir haben während dieser Zeit ziemlich viel Schnaps getrunken, um unseren Arbeitseifer anzuregen. Die noch in den unteren Schichten lebenden, bzw. nur angeschossenen Juden wurden durch die oberen Schichten erstickt oder durch das Blut der oberen Schichten ertränkt. Diesmal kamen keine angeschossenen Leute lebend davon. Die Gräben wurden anschließend durch die einheimische Bevölkerung zugeschaufelt. Nach dieser Massenvernichtung wurde wiederum eine Besprechung bei dem Gebietskommissar durchgeführt. Der Gebietskommissar lobte bei dieser Gelegenheit meinen Fleiß und war mit der ganzen Aktion zufrieden…

In dieser Art und Weise wurden weitere Exekutionen in anderen Ortschaften durchgeführt, so in Koslowtschisna, ca. 7-8000 Juden, in Beretschin ca. 2000-3000 Personen, in Holinka 400-500 Juden, in Bytin ca. 3000-4000. Bei diesen Exekutionen mußten alle, die bei der vorhergehenden Exekution anwesend waren, wieder teilnehmen. Wir benutzten dabei die gleichen Waffen. Außerdem haben sich Herr Muck, Uffz., sowie freiwillige Soldaten und Eisenbahner vom Bahnhof Slonim beteiligt, als sie merkten, daß bei diesen Exekutionen etws zu gewinnen war. Bei dieser Exekution wurden Kleider und Schuckstücke vor der Exekution abgelegt. Körperliche Untersuchungen fanden aus Mangel an Zeit nicht statt.

In einer dieser Ortschaften war eine Widerstandsbewegung, die vom SD aufgedeck wurde. Die Leute wurden besonders scharf beim SD vernommen und mißhandelt und anschließend mit den Juden erschossen. Es handelt sich dabei um 80 Polen vom nationalen Kongreß. Der Führer dieser SD-Gruppe war SS-Untersturmführer Amelung. Auch an dieser Exekution habe ich mich beteiligt…

Die zweite Vernichtung in Slonim war im Herbst 1943 und sollte die endgültige Lösung des Judenproblems in dieser Ortschaft sein. Diese Erledigung war für sämtliche Kommissariate angeordnet und sollte der Gebietskommissar, der am ersten das Judenproblem erledigt hatte, sofort befördert werden. Ich möchte hierzu bemerken, daß 85 % der Bevölkerung Juden waren. In 1 1/2 Jahren wurden in diesem Distrikt 24000 Juden vernichtet.

Der Brite, Sir Hartley Shawcross schrieb folgende Zeilen nach Kenntnis des Grauens in Nazideutschland:

„In jedem Kriege, auch in diesem, hat es zweifellos – und ganz gewiss auf beiden Seiten – Gewalt- und Greueltaten gegeben. Gewiß erscheinen sie denen, an denen sie verübt worden sind, schrecklich genug, ich entschuldige und beschönige sie nicht. Aber sie waren zufällige, unorganisierte und vereinzelte Taten.

Hier jedoch haben wir es mit etwas ganz anderem zu tun: mit systematischen, großangelegten, zusammenhängenden Untaten, die vorsätzlich überlegt und mit Berechnung begangen wurden… Die Geschichte kennt keine Parallele zu diesem Schrecken!“

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 08/01/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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