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Die Deutschen im Zweiten Weltkrieg: Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt

Sonnenwende in Compiegne, von Major H. Martin

Wir stehen auf dem Runden Platz im Wald von Compiegne. Vor uns in der Mitte liegt der große schwere Stein, der diese Stelle zu einem Denkmal der Schmach Deutschlands macht. Auf ihn sind die Worte gemeißelt, die von dem „verbrecherischen Hochmut“ Deutschlands sprechen und die so gar nicht die Haltung eines Volkes, das sich wirklich aufrichtig als Sieger mit den Waffen fühlte, erkennen lassen. Dahinter steht der Salonwagen, in dem heute wie damals 1918 die Waffenstillstandsverhandlungen stattfanden. Schmucklos ist der Wagen. Nur die Scheiben und Messingteile sind geputzt. Wir sehen am Ende des Zufahrtsweges zu diesem Platz das Denkmal. Das französische Schwert durchbohrt den deutschen Adler. Wie eine geschlachtete Gans ist er dargestellt. Ein geschmackloses, überhebliches und seine Auftraggeber anklagendes Denkmal. Die nationalsozialistische Reichskriegsflagge deckt jetzt mit leuchtenden Farben diese Wunde für jedes deutsche Herz zu. Über dem Schandstein in der Mitte des Platzes steht die Führerstandarte. Sie ist gehisst worden, als der Führer, die Front der Ehrenkompanie abschreitend, den Platz betreten hat. Der Führer stand dann inmitten seiner Oberbefehlshaber einige Augenblicke an dem Stein. Genau konnten wir sein Gesicht nicht erkennen. Es schien ernst zu bleiben. Was mag er in diesem Augenblick gedacht haben? Nichts anderes wie wir alle, denn in dieser Stunde schlugen alle deutschen Herzen gleich.

Es ist heute der 21. Juni 1940 – Sonnenwende!

Wir alle sind sehr erregt und doch sehr nachdenklich. Viele von uns, die 1918 mit Bewusstsein erlebt haben, denken an dunkle Tage und Jahre zurück Noch würgt das Gefühl der Scham und Wut, wenn wir uns an damals erinnern. Es ist uns nichts, rein gar nichts, an Demütigung, an Unrecht und Unritterlichkeit erspart geblieben. Heute wäre es leicht, sich dafür zu rächen. Es wäre wahrhaftig möglich, diesen Platz und den Wald darum mit einer gaffenden, wütenden Menschenmasse zu füllen, damit sie Zeugen des Canossa-Ganges der französischen Unterhändler würde. Dass wir in dieser Stunde nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, ist deutsche Art, ist des Führers Art. Es soll unser Dank an das Schicksal sein, das uns diesen Tag erleben ließ. Jetzt endlich erhebt sich der Führer. In Begleitung seiner Oberbefehlshaber, des Reichsmarschalls Göring, des Generalfeldmarschalls von Brauchitsch, des Großadmirals Dr. h. c. Reeder, seines Stellvertreters Rudolf Heß und seines Reichsaußenministers von Ribbentrop verlässt er den Wagen.

Frankreich Kapitulation 1940. Foto: Archiv

Frankreich Kapitulation 1940. Foto: Archiv

Die Ehrenkompanie präsentiert. Das Deutschlandlied klingt auf. Im Wagen erheben sich die Deutschen und die Franzosen. Ein Heil klingt zu uns herüber, als der Führer abfährt. Drinnen im Salonwagen beginnen wieder die Verhandlungen. Die Ehrenkompanie – an der Spitze die Fahne des Begleitbataillons des Führers – marschiert still im Gleichschritt an uns vorbei. Die Gesichter unter den Stahlhelmen sind ernst und verschlossen. Es ist nicht möglich, sich eines von ihnen einzuprägen und in einem davon die Gedanken zu lesen. Sie mögen aus allen deutschen Gauen stammen. Sie standen hier für ihre Kameraden aus der ganzen deutschen Wehrmacht. Sie waren dabei für das ganze Volk. Sie traten auch an für die, die diesen Tag mit ihrem Herzblut erkämpften. Auch für die, die 1914 bis 1918 nun endlich doch nicht vergebens gestorben sind. Sie haben in aller Namen mit starrem soldatischen Gruß und Gewehrgriff dem Führer gedankt.

Kurz war diesmal unser Kampf gegen Frankreich. Er lässt sich nicht nach Jahren, nicht einmal nach Monaten bemessen. Ist es ein Wunder? Nein, es ist kein Wunder, und der Kampf war auch nicht kurz. 1914 hat er begonnen. 1918 war er nicht beendet, denn der Führer riss damals die sinkende Fahne wieder hoch. Er kämpfte mit einem kleinen Häuflein todesmutiger, glaubensstarker und verschworener Gefolgsleute, bis sein Heer wieder größer und größer wurde und schließlich und endlich 1933 sein ganzes Volk umfasste.

Und dann begann der Kampf erst recht, denn mit dem in die Zukunft schauenden Blick erkannte Adolf Hitler, was nottat.

Wir alle haben schwer geschafft in diesen Jahren. Und so kann jeder Deutsche sagen, dass er mit dabei war, dass er mithalf. Der Arbeiter mit seinen Überstunden in den Munitions- und Rüstungswerken, der Ingenieur und Erfinder in seiner Schreib- und Zeichenstube, in der manche Nacht das Licht nicht ausging, der Unteroffizier, der irgendwo im ewigen Gleichmaß des täglichen Dienstes immer wieder Rekruten ausbildete, der unbekannte Blockwart der Partei, der irgendwo im kleinen Dorf oder in den Mietkasernen der Großstädte seinen täglichen Kampf gegen Ichsucht und Kleinmut kämpfte, und die Mutter, die es oft nicht leicht hatte, ihren Kindern den Tisch zu bestellen, und die nun ihren Ältesten fortgab für den Kampf um Großdeutschlands Freiheit.

Nicht ein rauschender Siegeszug hat uns zu diesem Tag gebracht, sondern Arbeit, Ausdauer und Vertrauen zum Führer.

Die Sonne neigt sich. Im Verhandlungswagen debattieren die Franzosen über die Bedingungen des Waffenstillstandes.

Die Bedingungen sind hart, denn wir sind die Sieger, und unser Kampf ist noch nicht zu Ende.

Sie sind ehrenvoll für Frankreich, denn wir sind die Sieger und nicht die Gewinner aus Zufall oder Betrug.

Sie sind ehrenvoll, denn wir bauen ein neues Europa.

So weit die Ausführungen eines Majors im Generalstab des Oberkommando der Wehrmacht; – voller Pathos, der jedoch nur wenige Jahre andauern sollte und doch voller Leid war.

Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes wurde auf Befehl Hitlers das „Schmachdenkmal“ vom 11. November 1918 auf dem Runden Platz von Compiegne vernichtet. Deutsche Pioniere und Arbeiter sprengten das Denkmal.

Im Vordergrund befand sich der deutsche Adler, der das geschlagene deutsche Heer von 1918 symbolisierte. Und in der Nazi-Presse tönte man auf den Titelseiten: „Die Schmach von Compiegne ist ausgelöscht..!“

Von Rolf von Ameln

 

Von am 18/02/2016. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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