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Seilbahn soll Jerusalem überspannen

Um den Kollaps der Altstadt von Jerusalem mit Pilgern und Touristen, wie in diesem Jahr zu Ostern, zu verhindern, soll ab 2021 eine Seilbahn vom Westteil der Stadt bis fast zur Klagemauer wöchentlich mehr als hunderttausend Besucher befördern. Doch das Bauprojekt ist politisch umstritten.

In Israel haben die Gedenkveranstaltungen an den Sechs Tage Krieg und die Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem vor 50 Jahren begonnen. Das israelische Kabinett hatte sich deshalb an der Klagemauer, die zu den heiligsten Stätten des Judentums zählt, versammelt um dieses historische Ereignis gebührend zu würdigen. Während der Kabinettssitzung an der Klagemauer wurde ein weiterer Schritt beschlossen, der die Landschaft um die Stadt Jerusalem in nächster Zeit verändern wird. Die israelische Regierung hat die umstrittenen Pläne für den Bau einer Seilbahn zur Jerusalemer Altstadt gebilligt. Die Seilbahn soll vom ehemaligen Hauptbahnhof Jerusalems, der seit 2005 geschlossen wurde und zu einem Freizeitgelände umgewandelt wurde, zum Dungs Tor, direkt außerhalb der Altstadt in der Nähe der Klagemauer führen. 1,4 Kilometer lang wird die Seilbahn dann über den Sultans Pool führen und das Gehenna- oder Hinnomtal überspannen, und sich über die fast komplett ausgegrabene Davidsstadt über den arabisch jemenitischen Ort Siloe/Silwan, bis hinauf zum Dungtor an der Klagemauer schwingen. Die christlichen Pilgerorte Hakeldama, Siloe und Sankt Peter im Hahnenschrei können dann von oben überflogen und besichtigt werden. Mit der Seilbahn könnten ab dem Jahr 2021 stündlich 3000 Passagiere befördert werden.

Bahnhof von Jerusalem. Foto: Bodo Bost

Der Jerusalemer Bahnhof war 1892 eingeweiht worden, er lag am Rande der damaligen deutschen 1873 gegründeten Templersiedlung im Rephaim Tal. Das Projekt der Jaffa Jerusalem Eisenbahn war ein Werk des deutsch amerikanischen Ingenieurs Charles Franz Zimpel, der jedoch die Einweihung nicht mehr erlebte, es war sehr stark von zionistischen Pionieren wie Moses Montefiori unterstützt worden. Unter den aus Württemberg und dem Elsaß stammenden Templern, die an die Idee eines „göttlichen Tempels“ der aus den wahren Gläubigen besteht (1 Kor 3,16-17) in Jerusalem glaubten, war das Straßennetz des Heiligen Landes modernisiert worden, die Templer, die teilweise auch ein Monopol im damaligen Pilgertransport hatten, hatten den Anbau und den Handel mit den Jaffa Orangen eingeführt und einen großen Beitrag zum Fortschritt der damaligen osmanischen Provinz Palästina geleistet.

Die Westmauer (Kotel) in Jerusalem. Foto: Bodo Bost

Die Eroberung der Jerusalemer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg vor 50 Jahren und die spätere Annexion von Ost-Jerusalem wurden von der internationalen Gemeinschaft nie anerkannt. Der umstrittene Status von Jerusalem zählt zu den größten Streitpunkten im Nahost-Konflikt. Die israelische Regierung sieht in Jerusalem die unteilbare Hauptstadt ihres Landes, die Palästinenser erheben aber Anspruch auf den Ostteil der Staat als Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates. Bevor die israelische Armee 1967 den Ostteil der Stadt eroberte, gehörte Ost-Jerusalem seit 1948 zu Jordanien. Jordanien hat zwar auf seine Ansprüche auf das Westjordanland und Jerusalem verzichtet, obwohl der König von Jordanien weiterhin sich als Hüter der Heiligen Stätten in Jerusalem versteht. Infrastrukturprojekte wie auch das wesentlich größere Projekt der Jerusalemer Straßenbahn, die 2010 eingeweiht wurde, die ebenfalls den israelischen Westteil mit dem arabischen Ostteil der Stadt nördlich der Altstadt verbindet, werden von den Palästinensern wie auch der internationalen Gemeinschaft kritisiert. Israel dagegen möchte gerade durch solche Infrastrukturprojekte die endgültige Wiedervereinigung der beiden Stadthälften zementieren.

Die Altstadt von Jerusalem ist schon seit Jahren ein Nadelöhr, besonders deutlich wurde das in diesem Jahr als der westliche und östliche Ostertermin zusammenfielen und auch der jüdische Pessachtermin in eine Woche fiel. Die Altstadt war aus diesem Grunde derart überfüllt mit christlichen und jüdischen Pilgern, dass sie oft für Stunden gesperrt werden musste. Allein die Klagemauer wird pro Woche von knapp 130.000 Menschen besucht. Bisher ist der Weg für Rollstuhlfahrer und Menschen mit körperlichen Einschränkungen beschwerlich, da er durch enge Gassen und über viele Stufen führt. Die Seilbahn wird das Erscheinungsbild Jerusalems verändern und Besuchern den Zugang zur Klagemauer erleichtern. Sie wird eine zusätzliche Touristenattraktion sein. Das Tourismusministerium veranschlagt für den Bau der Seilbahn rund 200 Millionen Schekel (50 Millionen Euro).

Von Bodo Bost

Herr Bost ist Korrespondent der Israel-Nachrichten, er lebt und Arbeitet in Luxemburg.

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Von am 30/05/2017. Abgelegt unter Israel. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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