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Das ukrainische Parlament gedenkt dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Am Donnerstag feierte das ukrainische Parlament zum ersten Mal in seiner Geschichte sowohl den Internationalen Holocaust-Gedenktag als auch den 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

Die Veranstaltung wurde von Kiews Rabbiner Jonathan Markovich, Israels Honorarkonsul in der Ukraine, Oleg Vyshniakov und dem Vorsitzenden der Ukraine-Israel Parliamentary Friendship Association und Mitglied des Parlaments, Alexander Konitsky, organisiert.

Gedenken an den Holocaust in der Ukraine. Foto: Ian Dobronosov

Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Jerusalem und Kiew statt, die sich auf Märsche bezog, die Anfang des Monats zum 111. Geburtstag des Leiters der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) in der gesamten Ukraine stattfanden. Angesichts der Komplizenschaft der OUN bei der Ermordung Tausender ukrainischer Juden durch Nazideutschland veröffentlichte das israelische Außenministerium eine Erklärung, in der es die „Verherrlichung von Antisemiten und Mördern von Juden“ kritisierte.

Rabbi Markovich redete in seiner Ansprache von seinem Großvater, nach dem er benannt ist und der von den Nazis und ihren Helfershelfern während des Holocaust ermordet wurde: „Ich möchte Ihnen alles über die Familie Austreicher erzählen, die während des zweiten Weltkrieg in der Ukraine lebte. Der Vater der Familie war Rabbi Jonathan Benjamin und seine Frau war Feiga Esther.“

„Die Mörder brachten die Familie zusammen mit ihren drei Enkelinnen in einen Raum und verbrannten sie bei lebendigem Leib. Ich bin stolz, heute hier zu stehen und zu versichern, dass ich, Jonathan, den Namen meines Urgroßvaters trage, der in diesem Land verbrannt wurde, nur weil er Jude war!“

Rabbi Markovich sprach abschließend ein Gedenkgebet für alle während des Holocaust ermordeten Juden.

Der israelische Botschafter in der Ukraine, Joel Leon, verwies auf das Ausmaß des Holocausts des ukrainischen Judentums durch Nazideutschland hin. „Von den sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden wurden 1,5 Millionen, darunter Männer, Frauen, Kinder und Babys, hier in der Ukraine ermordet.“

Leon fügte hinzu, dass Mitglieder seiner eigenen Familie, einschließlich seines Urgroßvaters Menachem Mendel, ebenfalls ermordet wurden. Er sagte, die Reaktion des jüdischen Volkes auf solche Gräueltaten zeige sich darin, dass er „heute hier stehe, eine Anstecknadel mit einem blauen, nicht einem gelben Davidstern trage und den Staat Israel vertrete“.

Leon nutzte auch die Gelegenheit, um die ukrainische Regierung aufzufordern, die Definition des Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance zu übernehmen, die sowohl „rhetorische als auch physische Manifestationen des Antisemitismus“ umfasst. Die Ukraine sei im Niedergang, betonte er, dass das Gleiche nicht über die antisemitische Grundstimmung und Rhetorik des Landes gesagt werden könne.

Der Vorsitzende des parlamentarischen Finanzausschusses, Daniel Gatmanzov, der auch als Ko-Vorsitzender der Ukraine-Israel Parliamentary Friendship Association fungiert, sagte in seiner Ansprache: „Der Holocaust war eine Katastrophe nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Welt und speziell für die Ukrainischen Juden.“

„Während des Zweiten Weltkriegs lebte meine Familie im besetzten Kiew. In dem Gebäude lebten mehrere Familien. Eines Tages wurden ihre jüdischen Nachbarn von den Nazis abgeholt. Sie ließen die Familie meiner Großmutter allein, weil sie keine Juden waren, aber sie nahmen ihre Nachbarn mit, nur weil sie Juden waren. Sie waren großzügige und anständige Menschen, aber sie kamen nie zurück. Sie blieben in Babi Yar (einer Schlucht in Kiew, in der die Nazi-Deutschen Zehntausende Juden ermordeten).“

„Ich sehe es als eine persönliche Tragödie und wenn jemand es nicht als eine persönliche Tragödie ansieht, stimmt etwas mit dieser Person nicht. Deshalb müssen wir in unserer Erinnerung an die Katastrophe, die sich an diesem Tag während des 2. Weltkrieges in unserem Land ereignet hat, scharf, schnell und entschlossen auf jede Äußerung von Antisemitismus reagieren“, schloss Daniel Gatmanzov.

An der Veranstaltung nahm auch der Vorsitzende der Nationalitätenversammlung der Ukraine, Rovshan Tagiyev, teil. Mitglieder des Haushaltsausschusses des Parlaments, Anatoly Zhabort und Alexander Trukhin; Felix Gurevich, Führer der Nativ in der Ukraine und Moldawien, Holocaust-Überlebende und andere Abgeordnete.

Die Feierstunde endete mit dem Anzünden von Kerzen zum Gedenken an die Toten und mit der Rezitation des Kaddisch Gebetes.

IN-Redaktion

 

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Von am 17/01/2020. Abgelegt unter Europa. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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