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Emigranten sterben jung – oder werden weltberühmt

Dieses Zitat stammt aus einem Interview, welches Rafik Shami am 26. September 2004 dem Stern gab.

Rafik Shami

Rafik Shami

Rafik Shami wurde als Sohn einer christlich-aramäischen Familie in Damaskus geboren. 1970 floh er zunächst in den Libanon und von dort aus nach Deutschland, wo er noch heute lebt. Um seine in Syrien gebliebene Familie zu schützen, lebt er seither unter dem Pseudonym, das Freund der Damszener bedeutet.

Seine zahlreichen Romane und Geschichten erzählen als zweite Geschichte im Hintergrund häufig von seiner Liebe zu Syrien und Damaskus, wohin er niemals mehr zurückgekehrt ist. Shami gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schrifsteller der Gegenwart. Seine Lesungen gleichen denen der Märchenerzähler, die ehemals in Syrien ihre Gäste mit lebendingen, blumigen und fesselnden Geschichten unterhielten. Märchen wie aus 1001 Nacht eben.

Sein Satz „Emigranten sterben jung – oder werden weltberühmt.“ hat heute, retrospektiv betrachtet, nahezu prophetische Züge.

Als im Jahr 2011 auch in Syrien die Gewaltwelle begann, die von der Welt „liebevoll“ verniedlichend als „Arabischer Frühling“ bezeichnet wird, bricht jede Demokratie, jede Opposition und jede Vernunft in Syrien zusammen. Es regiert nur mehr Hass und Gewalt. In etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung befindet sich seither auf der Flucht, mehr als 4.7 Millionen Menschen.

Oft haben sie alles verloren, bevor sie sich auf den Weg machen. Sie gehen entweder allein, oder in Gruppen, mittlerweile nicht nur verfolgt von den Truppen Assads, sondern auch, vor allem, wenn sie Christen sind, von den Schlächtern der IS. Ihr erstes Ziel ist die Türkei, einige bleiben dort, richten sich in einem neuen Leben ein. Beliebt sind sie schon lange nicht mehr, willkommen schon gar nicht. Sie suchen Schlepper, die sie über das Mittelmeer bringen. Die Preise schwanken, Kinder zahlen 50 % weniger, Erwachsene zwischen € 1.500 und € 2.000. Ihr Ziel ist Griechenland, das Tor zur EU.

Für mehr als 3.000 Menschen wurde die Reise über das Meer zur tödlichen Falle. Gilt das auch für das kurze Seestück zwischen Bodrum und einer griechischen Insel? Oder gilt das nicht viel eher für die weitaus längere Route von Nordafrika nach Italien?

Im September ließen sich der fanzösische Journalist Franck Genauzeau, der für France 2 aus Jerusalem berichtet und seine Kamerafrau auf diese unsichere Passage ein. Gratis! Der Schlepper hoffte wohl auf einen positiven Bericht. Immerhin, er ist überzeugt von sich. „Ich bin der, der Träume wahr werden lässt.“

Wären nicht die beiden Journalisten an Bord gewesen, wäre die Reise auf dem Seelenverkäufer wohl die letzte für die 60 Menschen gewesen, der jüngste von ihnen gerade mal zwei Monate alt.

Mitten auf dem Meer, an diesem Tag nicht allzu bewegt, gab der Motor den Geist auf. Franck Genauzeau konnte mit dem Handy die Küstenwache informieren.

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Weltberühmtheit erlangte der kleine Syrer Aylan Kurdi, dessen Leiche im September bei Bodrum angeschwemmt worden war. Sein Bild ging um die Welt, sein Vater wurde mit Vorwürfen überschwemmt. Wie konnte er, der mit seiner Familie doch schon in relativer Sicherheit in der Türkei lebte und sich dort bereits ein bescheidenes neues Leben aufgebaut hatte, seine Familie der Gefahr der erneuten Flucht aussetzen.

Die Kommentarspalten der Tageszeitungen waren voll davon. Es war die Zeit, in der die Flüchtlingsströme nicht mehr abrissen und auch gutwillige Staaten sich an die Grenzen der Machbarkeit gedrängt sahen und die ersten politischen Köpfe gefordert wurden.

Das war auch die Zeit, in der sich die Kommentare zu häufen begannen, in denen sich wohlmeinende Israelkritiker zu formieren begannen. Ganz im Stile Catos, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein „Ceterum censio..“ in die Diskussion einflocht. Ich möchte hier nur an Hand eines Beispieles aus der letzten Woche zeigen, wie abstrus manche gewaltsam gemachten Verbindungen sind.

Lesen Sie den ganzen Artikel auf dem Webblog von

Esther Scheiner

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Von am 22/02/2016. Abgelegt unter Welt. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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