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Die Mauern von Jerusalem oder das Schreien der Steine

Hört man heute von Mauern im Zusammenhang mit Israel und Jerusalem, so ist es immer nur die Mauer, über die man spricht.

Apartheidmauer, Schandmauer; für die Sicherheitsanlage, die wir teilweise entlang der grünen Grenze, sprich entlang der Waffenstillstandlinie gebaut haben, gibt es mehr Namen, als der Mauerverlauf in Metern lang ist. Übelwollende Menschen bezeichnen sie als de facto und de jure Aussengrenze Israels und verlangen, dass sich Israel bis hinter diese Linie zurückziehen soll. Tatsächlich handelt es sich um eine noch zu definierende und festzulegende Grenze, die durchaus von der „grünen Grenze“ abweichen kann.

Tatsache ist auch, dass nur ein sehr kleiner Teil der gesamten Sicherheitsanlage eine wirkliche Mauer ist. Der Grossteil ist ein ausgeklügelter Sicherheitszaun. Seit es ihn gibt, leben wir in grösserer Sicherheit vor dem Terror.

Mauerverlauf in Jerusalem. Foto: E.Scheiner

Mauerverlauf in Jerusalem. Foto: E.Scheiner

Dass die Mauer teilweise durch Jerusalem läuft, ist bedrückend. Für uns Juden ist Jerusalem seit jeher eine unteilbare Stadt. Und trotzdem, man kann sie nicht ignorieren, man erkennt sie deutlich. Von der Aussichtsplattform auf dem Turm Davids, von der Montefiori Windmühle, vom YMCA-Turm, von der Haas Promenade und von den Dachterrassen zahlreicher Hotels. Sie zieht sich wie ein hässlicher Bandwurm quer durch die dicht bebauten Gebiete von Ost-Jerusalem. Hässlich, aber notwendig. Ohne sie wäre der Terror noch alltäglicher.

Touristen, Israelgegner und Araber sehen nicht den Nutzen, den die Mauer für uns hat, sie sehen darin nur den Ausdruck von jüdisch-israelischer Aggression gegen die palästinensischen Nachbarn.

Hier geht es aber um ganz andere Mauern. Mauern, die zurückreichen bis zur Zeit von König David (1.000 BCE). Bis in die Zeit der letzten grossen Belagerung im Jahr 70 CE.

Jerusalem hat nie wirklich Ruhe gefunden. Nach 36 kriegerischen Angriffen wurde es 18 Mal wieder neu aufgebaut. 18 Mal hat Jerusalem sich aus der Asche erhoben.

Im Talmud steht:

„Zehn Maß Schönheit kam auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun. Die übrige Welt eins. Zehn Maß Leiden kam auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun Maß. Die übrige Welt eins.“

König David (ca. 1010 – 962 BCE) vereinte im Jahr 1.000 BCE erstmals das Nord-und Südreich zum Königtum Israel. Nachdem er Jerusalem von den Jebusitern erobert hatte, wählte er es als Hauptstadt. Das Stadtgebiet umfasste nur das, was heute als Davids Stadt bekannt ist. Die Schönheit muss später gekommen sein. David fand bei seiner Eroberung eine ringförmige Stadtmauer vor, die er verstärkte.

Um 950 BCE baut König Salomon (ca. 962 – 922 BCE), der Sohn Davids, den ersten Tempel und erweiterte die Stadt entsprechend. Die Topologie liess keine andere Möglichkeit, als die Ausweitung der Stadt nach Norden zu. Der Süden und Osten der Stadt waren von tiefen Tälern (Kidron- und Hinnontal) begrenzt. Die neuen Stadtmauern umliefen schützend den Tempel- und Palastbezirk.

Nach Salomons Tod spaltete sich das Königreich in die Staaten Judäa (Süden) und Israel (Norden) Jerusalem wurde die Hauptstadt des Südreiches. Erbstreitigkeiten zwischen den einzelnen Familienclans hatten zur Auflösung dieser erfolgreichen Politik geführt. Bis zur ersten grossen Zerstörung im Jahr 587 BCE und der damit verbundenen Zerstörung des ersten Tempels herrschten insgesamt 20 Könige über das Südreich Judäa. Sie werden alle der Davidianischen Dynastie zugerechnet.

Der Herrschaftsanspruch verschiedener Dynastien im Norden endete bereits in der Mitte des 7. Jahrhunderts BCE, wobei die letzten Könige schon als assyrische Vasallenkönige gelten.

Der erste Vasallenkönig des Südens wird Herodes werden

Jerusalem als Hauptstadt des Südreiches wies im Prinzip alle Schwachpunkte auf, die eine Hauptstadt damals haben konnte. Die fruchtbaren Gebiete lagen im Norden und entlang der Küste, die internationalen Handelsstrassen verliefen nördlich der Stadt. Trotzdem konnte sich die Hauptstadt länger als erwartet halten. Ihr einziger Vorteil mag in der topographischen Lage auf einen Hügel begründet gewesen sein. Von weitem schon erkennbar, aber im Gegenzug auch mit einer unschätzbaren Rundumsicht von 360° bevorteilt, schien sie fast uneinnehmbar.

Der assyrische König Sanherib versuchte die Stadt 701 BCE einzunehmen. König Hiskia verblieb genügend Zeit, die Stadtmauern nach Westen hin auszudehnen. Hiskias grösste Angst war, dass bei einem Angriff auf die Stadt die Wasserversorgung zusammenbrechen könnte, weil der durch die Gihonquelle gespeiste Teich von Siloah ausserhalb der Mauern lag. In dramatisch kurzer Zeit liess er deshalb die salomonischen Mauern in diesem Bereich verstärken. Durch den Hiskia Tunnel floss das Wasser nun innerhalb der Mauern und stelle die Wasserversorgung durch ein ausgetüfteltes System sicher.

Die Stadt hatte sich damit um das Dreifache ihrer Grundfläche aus der Zeit Davids vergrössert. Dieses Gebiet war es, das Nebukadnezar im Jahr 586 BCE angriff und schliesslich auch eroberte. Wo genau der Mauerverlauf war, weiss man noch nicht. Derzeit ist nur ein verschwindend kleiner Teil von 40 Metern ausgegraben.

Die israelitische Elite musste nach Babylon ins Exil gehen. Die Zahl der Rückkehrer war deutlich geringer, als die Zahl derer, die ihre Heimat verlassen hatten. An den Ufern des Euphrat seien sie gesessen und hätten ihr Los bitterlich beklagt. So will es uns jedenfalls ein Psalm des Jeremia wissen lassen. Die Realität erzählt anderes. Zahlreiche Israeliten hatten sich in Babylon gut eingerichtet, sie waren Teil der Gesellschaft geworden, bekleideten sogar namhafte Ämter und dachten gar nicht mehr daran, in das eher problembehaftete und bescheidene Leben in Jerusalem zurückzukehren.

Die mühsam verteidigte und gesicherte Vergrösserung der Stadt durch Hiskia wurde obsolet. Die neu besiedelte Stadt umfasste ein kleineres Stadtgebiet, als es zu Salomons Zeiten gewesen war. Die Königsstadt von König Nehemia blieb zunächst nichts, als eine verarmte und teilweise in Ruinen liegende Hauptstadt.

Als Alexander der Grosse im Jahr 323 BCE überraschend verstarb, hinterliess er seinen Feldherren und deren Söhnen sein Reich, das Alexanderreich. Die Gebietsverteilung des Gebietes, des Diadochen war Anlass für zahlreiche heftige interne Kampfhandlungen. Immer den eigenen Vorteil im Auge habend dauerten diese Kämpfe bis zum Jahr 276 BCE an, als der letzte der Mitkämpfer Alexanders starb.

Unter Antiochus III wurde Judäa Teil des Seleukidenreiches, zu dem bereits Syrien gehörte. Der hellenistische Einfluss verstärkte sich, die Architektur zeigte eindeutig griechische Züge. Die Faszination der griechischen Kultur schlug nicht nur die Reichen, sondern auch die Priester, die sich als die Aristokraten der Stadt verstanden in ihren Bann. Sie, die die Reinheit des Kultes und der Religion aufrechterhalten und sichern sollten, liessen es schliesslich zu, dass der nächste Herrscher, Antiochus IV 168 BCE die Ausübung des jüdischen Glaubens verbot. Tempeldienste wurden verboten, ebenso die Beschneidung. Überall wurden griechische Götterbilder aufgestellt, denen jedermann, auch die Priester öffentlich ihren Respekt erweisen mussten.

Um seine Vorherrschaft zu sichern und Jerusalem zu einer nahezu uneinnehmbaren Stadt zu machen, liess er die „1. Mauer“ errichten. Sie begann im östlich gelegenen Kidron Tal und umfasste leicht ausgedehnt im Norden die von Salomon erbaute Mauer rund um den Tempelbezirk. Anschliessend schnitt sie ein Stück des durch die Könige befestigte Gebiet ab. Dieses war nach der Eroberung 587 BCE nicht wieder besiedelt worden. Weiter westlich verlief sie bis zum heute noch genutzten Jaffa Tor und von dort aus südsüdöstlich entlang des Hinon Tales bis zum Siloa Teich am südlichen Ende der salomonischen Befestigung.

Der Siloa Teich wurde bei Grabungsarbeiten im Jahr 2004 wieder entdeckt. Gefundene Pflanzenreste lassen den Schluss zu, dass im Bereich des Siloa Teiches ein Obst- und Ziergarten angelegt worden war. Im Zuge der Arbeiten stiess man zunächst auf einige Stufen, die zum Wasserlauf hinunterführten. Im Jahr 2011 grub man eine recht steile Treppe aus, die direkt vom Teich hinauf zum Tempelberg führte. Diese könnte Teil eines Weges gewesen sein, um bei einer Belagerung die Stadt unauffällig betreten und verlassen zu können. Heute ist das der Tunnel Teil eines archäologischen Parks und kann begangen werden.

Unter Führung von Mattathias, einem Priester aus dem Dorf Modi’in in der Nähe von Jerusalem und seinen fünf Söhnen begann kurz darauf ein Aufstand gegen die Herrscher. 167 BCE flohen sie gemeinsam mit zahlreichen gläubigen Juden in die Hügel um Jerusalem. Nach dem Tod von Mattathias übernahm sein Sohn Makkabi die Führung des Aufstandes. Obwohl sein Militär dem der Syrer zahlenmässig weitaus unterlegen war, konnte er nach mehreren Schlachten 165 BCE die Syrer besiegen. Der Tempel wurde 164 BCE erneut geweiht, der alte Kult wieder eingesetzt. Heute erinnert das Chanukkafest, das in diesem Jahr am 24.12. beginnt an diesen Sieg.

Die „2. Mauer” wurde von Herodes im ersten Jahrhundert BCE errichtet. Sie erinnert in der Form an einen Blumentopf, der das Stadtgebiet nach Norden erweitert. Josephus Flavius beschreibt ihren Verlauf, als beim Gennat Tor der 1. Mauer beginnend und bei der Festung Antonia endend. Obwohl es diese recht genaue Beschreibung des Verlaufes gibt, haben die Archäologen noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse erhalten, die diesen auch bestätigen. Tiefenbohrungen im Bereich der Erlöserkirche belegten, dass sich dieses Gebiet um die Zeitwende ausserhalb der Stadtmauern befand. Die Vermutung liegt nahe, dass dort sowohl ein Steinbruch, als auch ein grösseres, bepflanztes Gebiet gewesen sein muss. Die Tiefenbohrungen im Jahr 2015 endeten teilweise in einer Schicht, die keine namhaften Ergebnisse brachte. Die nächsten Bohrungen werden mit neuen Geräten, die über ganz neue Technologien verfügen durchgeführt werden.

Um die Zeitwende liess Herodes den Tempel des Salomon noch einmal umbauen und erweitern. Die rege Bautätigkeit der Araber, die Ställe Salomons unterhalb des Tempelberges freizulegen und in eine Moschee zu verwandeln hinterliess jede Menge Abraum. Statt diesen ordnungsgemäss zu entsorgen, wurde er einfach in das Kidron-Tal gekippt. Selbstverständlich begannen israelische Archäologen sofort damit, Stein für Stein umzudrehen und alles wieder und wieder zu sieben. Was sie fanden, war ein nicht enden wollendes Zeugnis für die ehemalige Präsenz der Tempel. Marmor aus Italien in allen Farben, Münzen, Waffen, Schmuck legen beredtes Zeugnis ab. Erst vor kurzem wurde ein Glöckchen, das eindeutig zur Kleidung eines Hohepriesters gehört hat, gefunden. Josef Flavius hatte den Boden des Tempels schon als „sehr bunt“ beschrieben. Die rekonstruierten Bodenfliesen belegen dies. Die Art der Verarbeitung gilt als teurer, als es die schönsten Mosaiken sein könne. Der Grund dafür ist, dass jedes Marmorstück eigens passgenau zuschnitten werden muss.

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von Esther Scheiner

 

Von am 02/12/2016. Abgelegt unter „Während Israel nicht nur vom BDS boykottiert wird…“. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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