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Die Nazi-Presse: Wie die Bevölkerung auf die Judenhetze eingestimmt wurde

Der Heraussgeber der „National Zeitung“, Josef Terboven, NSDAP-Gauleiter der Rheinprovinz war sehr eng mit Hermann Göring befreundet. Göring versuchte mit Hilfe dieser Zeitung seine eigene Politik zu gestalten und ignorierte ab Mitte des Jahres 1933 etliche Presseanweisungen von Goebbels, was dazu führte, dass der Hauptschriftleiter des Blattes, Eberhard Graf von Schwerin, zeitweise von seinem Posten suspendiert wurde.

 

Dennoch blieb die „National Zeitung“, die in Essen erschien, ein linientreues Blatt und titelte am 1. April 1933

„Internationalse Judentum auf dem Rückzug?“

Erster Erfolg des nationalsozialistischen Boykotts – Nachlassen der jüdischen Auslandshetze. Von Sonntag bis Mittwoch Boykottpause. Vor amtlichen Erklärungen des Auslandes.

 

National Zeitung von Samstag, den 1. April 1933. Foto: Archiv/RvAmeln

National Zeitung von Samstag, den 1. April 1933. Foto: Archiv/RvAmeln

(Drahtbericht unserer Berliner Redaktion) Berlin, 1. April. Nach in Berlin vorliegenden Meldungen haben die energischen Vorbereitungen für den Massenboykott jüdischer Geschäfte überall in Deutschland tiefsten Eindruck gemacht, um so mehr als eine von Stunde zu Stunde anschwellende Sturmflut von Bitt- und Beschwörungstelegrammen seitens der jüdischen Staatsbürger deutschen Glaubens über die Reichsgrenze gejagt worden ist. Ein gewisser Erfolg dieser händeringenden Bemühungen ist bereits zu verzeichnen. Verschiedene Organisationen des englischen und amerikanischen Hebräertums, die sich vor einer Woche noch in übler Weise an dem vermeintlichen Kesseltreiben gegen die Regierung Hitler beteiligt haben inzwischen Loyalitätserklärungen abgegeben. In einem – englischen – Fall sogar unter gleichzeitiger Aufforderung an die pp-Rassegenossen, den Boykott deutscher Waren unter allen Umständen abzubrechen. 

 

Wie man sieht, lernt auch der Jude sehr schnell aus schlechten Erfahrungen. Inzwischen scheint es sich auch bei den amtlichen Stellen des Auslandes herumgesprochen zu haben, daß von Judenverfolgungen und Metzeleien auch bei blühendster Phantasie mit keinem Wort die Rede sein kann.

 

Entsprechende Berichte der amtlichen Vertreter dürften nunmehr vorliegen, so daß den betreffenden Regierungen nachgerade klar geworden sein muß, daß eine weitere Duldung der allen Gesetzen außenpolitischer Höflichkeit hohn-

sprechenden Ausschreitungen gegen das Deutsche Reich, seine Regierung und seine Bürger überhaupt zu verantworten ist. Wenn, was hoffentlich nicht mehr lange dauert, diese Kenntnis soweit fortgeschritten ist, daß man im eigenen Haus für Ruhe und Ordnung sorgt, dann dürfte auch von dieser Seite her der wahnwitzigen Greuelhetze sehr schnell eine Ende gesetzt werden. Es ist anzunehmen, daß die Voraussicht schwerer Schädigungen des Wirtschaftsverkehrs, von denen bestimmt nicht Deutschland allein betroffen sein würde, genügt, um im Verein mit der am heutigen Tage in ganz Deutschland durchgeführten gewaltigen Demonstration des nationalen Abwehrwillens noch in letzter Stunde eine befriedigende Entspannung der Lage zu ermöglichen.

 

Und Goebbels schrieb in seinem Beitra unter anderem: „..die Nationalsozialisten werden sich jetzt auf die Macht des internationalen Judentums konzentrieren. Und schließlich ordnete der Propagandaminister des Dritten Reiches an, am Sonnabend den Boykott der jüdischen Geschäfte „mit voller Wucht und eiserner Disziplin“ durchzuführen. Über die Nazi-Medien war also durchaus zu erfahren, wie Unrecht zu Recht wurde. Fast stereotyp leugneten die NS-Propagandisten, Gewalt anzuwenden. Juden sei nie auch nur ein Haar gekrümmt worden.

 

Aber wenn man auf Seite drei der „National Zeitung“ den Artikel „In Frankreich dringt die Wahrheit durch“ liest, erkennt man, dass auch in der Nazi-Presse mitunter die Wahrheit durchdringt: nämlich immer dann, wenn der Triumph über den Erfolg besonders groß ist. Die Nachrichten von „Judenverfolgungen“ seien, so heißt es hier reflexartig, „übertrieben und entstellt“ und es müsse „festgestellt werden, daß kein einziges Haus angezündet und daß die ganze nationalsozialistische Revolution äußerst friedlich verlaufen sei“. Aber dann blickt doch ein wenig Genugtuung durch, wenn es heißt:

„Wenn bei der ganzen Revolution zwei Juden getötet worden seien, so müsse man dazu noch feststellen, daß zum mindesten der eine von diesen es verdient habe.“

 

Lesenswert sind auch die Lokalberichte, oft hämisch, zynisch und triumphierend ab Seite fünf. Vorverurteilende Berichterstattung dominiert dort, wo es um Juden und Kommunisten geht. „Gegen die Greuelpropaganda“ (Seite sechs) heißt es: „In Rheine wurden als Abwehrmaßnahme gegen die Greuelpropaganda des Auslandes sämtliche jüdischen Geschäftsinhaber veranlaßt, ihre Geschäfte zu schließen. Die Firma Althoff schloß freiwillig.“ Daraus ließ sich schließen, dass „veranlassen“ ein beschönigender Begriff war. Offener ist dann noch das Eingeständnis der Gewaltanwendung auf Seite zwanzig: „Daß sich das deutsche Volk endlich mit Gewalt von unsauberen und minderwertigen Elementen befreit, die sein nationales Leben stören, ist eine rein innerdeutsche Angelegenheit!“

 

Widmen wir uns zum Ende des Beitrgs dem Thema der schwierigen Emigration:

 

Während politische Aktivisten und Kulturemigranten zunächst vor allem in an Deutschland angrenzende Länder, wie Frankreich, die Tschechoslowakei, die Schweiz, Dänemark, Österreich oder die Niederlande auswichen, um nicht von Informationen aus dem Reichsgebiet abgeschnitten zu werden und bei etwaigen politischen Veränderungen möglichst schnell vor Ort zu sein, stellte sich die Problematik für jüdische Emigranten oft anders dar. Obgleich sich eine Emigration im Jahr 1933, verglichen mit 1935 oder 1938/39, noch weniger schwierig gestaltete, weil die bürokratisch ausgeklügelten polizeilichen, finanz- oder zollamtlichen Prozeduren, die zur Beraubung jüdischer Emigranten diente, erst in den folgenden Jahren eingeführt wurden, bot sie vielerlei Hindernisse. Vor allem kam es darauf an, ein Land zu finden, das einen dauerhaften Aufenthalt gewährte. Da die Einreise von Juden nach Palästina den Restriktionen britischer Mandatspolitik unterlag und auch die Aufnahmepraxis europäischer Staaten in der Regel eher restriktiv gehandhabt wurde, schienen für einen Neuanfang eher traditionelle Einwanderungsländer wie Kanada, die USA, Südamerika oder Australien geeignet. Allerdings um den Preis eines meist endgültigen Verlustes der Heimat. Vielen Emigranten gelang der Start in eine neue Existenz im ersten Anlauf nicht. Sie flohen von einem Exil ins andere, je nachdem, welche Möglichkeiten sich gerade boten beziehungsweise welche neue Bedrohungen heraufzogen. Insgesamt bot die Emigration ein Bild, das heterogener kaum hätte sein können. In ihr erschienen Individuen – via Verfolgung – als ein Ganzes, dessen Miglieder sich unter normalen Umständen nie begegnet wären, kaum etwas miteinander zu tun hatten bzw. haben wollten und sich als Gruppe verstanden.

 

Und heute? Israel hat zwar seinen eigenen Staat erhalten; – die Judenverfolgungen gehen – wenn auch im „Deckmantel des Verständnisses“ versteckt – weiter!

 

Von Rolf von Ameln

 

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 

 

Von am 25/07/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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