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Als Stalin sich eine blutige Nase holte: Der Winterkrieg von 19339/40

Es war damals keine Heirat aus ideologischen Gründen, mehr eine Ehe aus Zweckmäßigkeit. Und dennoch bestand eine Logik hinter Finnlands Allianz mit dem Nazi-Regime gegen Russland. Das moderne Finnland erklärte seine Unabhängigkeit vom alten Russland am 6. Dezember des Jahres 1917, nur wenige Wochen nach der Russischen Revolution. Die Ablösung, im Januar 1918 vom bolschewistischen Russland anerkannt, führte innerhalb Russlands jedoch zu großen Konflikten, die in einem Bürgerkrieg zwischen rechten Nationalisten, den „Weißen“, und linken „Roten“ mündeten. Dieser Bürgerkrieg spiegelte die Auseinandersetzungen im revolutionären Russland wider. Die „Weißen“ wurden von Carl Gustav Mannerheim geführt und von Schweden sowie Deutschland unterstützt.

Deutschland, das vielerlei Geschäftsinteressen in Finnnland zu schützen hatte, sandte über 13.000 Soldaten nach Finnland, um den Sieg der „Weißen“ zu sichern. Angeführt wurden die deutschen Truppen von Rüdiger von der Goltz, der als „Deutschlands General in Finnland“ bezeichnet wurde. Mit deutscher Unterstützung siegten die „Weißen“ im Bürgerkrieg, dem Führer der „Weißen“, Manerheim, missfiel aber der deutsche Einfluss in Finnland; – Mannerheim und Goltz hatten beide drei Jahre zuvor in Polen gekämpft, aber auf gegnerischen Seiten. Nach dem Bürgerkrieg übte Goltz großen Einfluss auf die finnische Innenpolitik aus. Er plante, den deutschen Prinzen, Friedrich Karl von Hessen-Kassel zum neuen König von Finnland zu machen. Das finnische Parlament jedoch stimmte fast geschlossen für eine Republik. Nach dem Ende des Bürgerkrieges blieben die innenpolitische Lage und das Verhältnis zur neu entstandenen Sowjetunion gespannt. Es kam immer wieder zu kleineren Grenzkonflikten.

Der Handel zwischen Russland und Finnland, der früher lebhaft war, kam vollkommen zum Erliegen. Der Bürgerkrieg zwang die Menschen zwar, nach friedlichen politischen Lösungen zu suchen, aber die Probleme blieben bestehen. Estremen rechten wie linken Parteien gelang es zu keinem Zeitpunkt, bedeutende Popularität zu erreichen. Im Jahr 1931 wurde die Kommunistische Partei verboten. Die führende faschistische Bewegung in Finnland erreichte nie mehr als 14 Sitze in Finnlands Parlament, das über insgesamt 200 Sitze verfügte. Mitte der 1930er-Jahre beruhigte sich die innenpolitische Lage. Zu dieser Zeit bestanden enge kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu Deutschland, mit der Wirtschaftskrise und Hitlers Aufstieg distanzierte sich Finnland, aber nicht von Dauer, wie sich bald zeigen sollte. Hitler war beeindruckt von Marschall Mannerheim und Finnlands Kampf gegen die Russen im Winterkrieg von 1939/40. Gleichzeitig benötigte Deutschland Nickel aus Lappland und die Finnen wollten die Gebiete, die sie im Winterkrieg verloren hatten, zurückgewinnen.

Finnland und Deutschland schlossen also heimlich ein Abkommen. Deutschland stattete Finnland mit Waffen und Truppen aus. Aber es war keine einfache Beziehung. Der „Fortsetzungskrieg“ vot Finnland die Möglichkeit, das im Winterkrieg an Russland verlorene Land zurückzugewinnen. Man strtete den Angriff im Juli 1941, nur einige Tage nachdem Deutschland mit der „Operation Barbarossa“ begonnen hatte. Die Russen zogen sich rasch aus den annektierten Gebieten zurück und Finnland bekam seine Regionen wieder. Viele Bewohner Kareliens begannen, in ihre Häuser zurückzukehren. Die Kollaboration mit Nazi-Deutschland war jedoch ein äußerst heikles Thema und Finnlands Rgierung versuchte, diese herunterzuspielen. Als die ersten deutschen Truppen in Vaasa ankamen, berichtet nicht eine der finnischen Zeitungen darüber. Bis zu 220.000 deutsche Soldaten dienten vor allem in den nördlichen Teilen Finnlands und im hohen Norden Lapplands, wo lediglich 170.000 Finnen lebten.

Die Deutschen waren größtentneils willkommen, da sich die Einheimischen vor russischen Angriffen fürchteten. Die deutschen Soldaten benahmen sich zu dieser Zeit anständig und boten den Einheimischen gute Geschäftsmöglichkeiten. Widerwillig erklärte Großbritannien Finnland den Krieg, da Finnland gmeinsam mit Deutschland kämpfte, aber abgesehen von der Ankündigung kam es zu keiner ernsten militärischen Auseinandersetzung zwischen Finnland und England. Nachdem die Deutschen die Schlacht von Stalingrad verloren hatten, sahen Finnlands Politiker die deutsche Niederlage voraus und suchten nach Wegen, ein eigenes Friedensabkommen mit den Sowjets zu schließen. Während des Fortsetzungkrieges war die anfängliche Zusammenarbeit zwischen Finnland und Deutschland belastet, aber im Laufe der Jahre setzte eine Entspannung ein. Hitlers „Mein Kampf“ wurde in Finnland 1941 zum ersten Mal publiziert.

Als Heinrich Himmler Finnland einen Besuch abstattete, fragte er die finnischen Politiker, welche Vorgehensweise sie bezüglich der „Judenfrage“ geplant hatten, aber diese erwiderten, dass es keine Probleme mit den Juden gebe und beendeten die unrühmliche Diskussion..! Viele führende Politiker, darunter Mannerheim und der Außenminister Väinö Tanner, bezogen klar Stellung gegen die Deportation und Verfolgung von Juden. Bemerkenswerterweise kämpften finnische Juden während des Fortsetzungskrieges sogar Seite an Seite mit deutschen Soldaten. Das ist die eine Seite der Medaille. Heute weiß man aber, dass Finnland etwa 3.500 Personen an Deutschland auslieferte, darunter 80 Juden; vor kurzer Zeit wurde bekannt, dass in Lappland sogar ein deutsches Einsatzkommando operierte, dem auch Angehörige der finnischen Staatspolizei angehörten. Mannerheim avancierte nach dem Winterkrieg zum internationalen Helden.

Hitler bewunderte ihn und reiste nach Finnland, um Mannerheims 75. Geburtstag am 4. Juli 1942 zu feiern. Der Besuch kam unverhofft und war eine unwillkommene Überraschung für Mannerheim. Gegenüber der Öffentlickeit zogen es finnische Politiker vor, den Besuch herunterzuspielen. Kollaboration mit den Nazis war nicht nur in Finnland, sondern auch in den Augen des Restes der Welt keine gute Werbung. Mannerheim bot seinem „Gast“ ein Mittagessen in einem Eisenbahnwaggon an. Nach dem Essen zündete sich Mannerheim eine Zigarre an, obwohl er gewarnt worden war, nicht in Gegenwart des militanten Nichtrauchers Hitler zu rauchen – ein deutlicher Affront gegenüber dem deutschen „Führer“..! Wenige Tage nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, mit der sich die Wende im Krieg ankündigte, starteten die Sowjets einen Gegenangriff auf Karelien. Die Finnen waren darauf nicht vorbereitet und so eroberte die Rote Armee die umkämpften Gebiete rasch zurück.

Der Fortsetzungskrieg wurde damit beendet und ein neuer Friedensvertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland unterzeichnet. Eine der Bedingungen des Waffenstillstands war, dass sich Finnland gegen seinen früheren Verbündeten Deutschland wenden und dessen Truppen aus dem Land vertreiben musste. So schloss sich der finnisch-deutsche Lapplandkrieg an, in dessen Verlauf die sich zurückziehenden deutschen Truppen große Teile Lapplands als verbrannte Erde zurückließen. Der Krieg endete am 27. April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Kilpisjärvi. Der Kriegszustand mit den Alliierten wurde durch den Pariser Friedensvertrag von 1947 endgültig beendet. Jahre zuvor hatte man die Sowjets gedemütigt, und trotzdem waren die Finnen nach dem Kampf gegen die Russen am Ende. Die Konflikte endeten am 12. März 1940, als die Rote Armee die wichtige Stadt Wiborg einkesselte. Der Friedensvertrag bedeutete eine bittere Nachricht für die meisten Finnen und weckte ihr Verlangen nach Rache.

Es wurden damals keine Feierlichkeiten abgehalten, stattdessen trugen die Finnen Trauerflor. Finnland verlor über zehn Prozent seiner pulsierendsten Region und die zweitgrößte Stadt Viipuri. Aber es konnte immerhin seine Unabhängigkeit bewahren. Viele finnische Fabriken und Kraftwerke fanden sich nun auf der sowjetischen Seite der Grenze. Es wird geschätzt, dass Finnland aufgrund des Krieges rund 30 Prozent seiner Wirtschaftskraft verlor. 420.000 Menschen mussten ihre Heimat für immer verlassen, und die Halbinsel Hanko wurde für 30 Jahre an die Rote Armee als Militärbasis verpachtet. Seinen Status als unabhängiges und demokratisches Land konnte Finnland jedoch wahren. Auf den finnischen Widerstand gegen die Aggression des „Russischen Bären“ folgten weltweiter moralischer Protest, allgemeine Sympathie, der Ausschluss der UDSSR aus den Vereinten Nationen und die heimliche Freude Hitlers über das Fiasko im Norden. Damals sagte Nikita Chrustschow: „Die Deutschen schauten mit unverhaltener Freude zu, wie wir von den Finnen eine Tracht Prügel erhielten.“

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 01/05/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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