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Können Fotos und Videos einen Krieg verhindern?

Das Versagen der Weltgemeinschaft in Sachen Syrien

Das Foto eines am Strand liegenden Flüchtlingskindes, das angeschwemmt wurde, ging um die Welt. Das Bild wurde zur Ikone der Empörung. Der aus Indien stammende Künstler Sudarsan Pattnaik hatte das liegende Kind als Sandskulptur nachgebildet und „Schande, Schande, Schande“ dazugeschrieben. In Istanbul zogen Demonstranten mit einer Zeichnung durch die Stadt, die das Kind und Europa mit Scheuklappen zeigte. Millionenfach war die Erschütterung über Flüchtlinge in Ungarn, die über Nato-Stacheldraht stiegen, Leichen, die man in einem Lastwagen fand und viele Tote, die im Mittelmeer ertranken. Weltweit zeigte man das Foto des kleinen Aylan in den Zeitungen auf Seite eins; – und in Deutschland? In den deutschen Redaktionen entbrannte die Diskussion, ob man die Leiche eines Kindes zeigen dürfte. Viele Blätter brachten das Foto verspiegelt auf der letzten Seite – oder erst gar nicht. Aber wie lange wird die Empörung anhalten? Tote Menschen, die aus ihren Krisenregionen geflüchtet sind, werden nur zu Zahlen, wenn es zuviele sind. Und: Menschen werden zum „Flüchtlingsstrom!“

Unwillkürlich drängt sich da Abu Ghraib im Irak auf, denn ein Jahr bevor die grausamen Bilder der gefolterten „Kapuzenmänner“ die Öffentlichkeit erschütterten, hatte Amnesty International bereits über die Folterungen der Amerikaner dort berichtet. Aber niemand hatte da so recht hingehört. Dabei wirken Bilder ganz anders als Worte, denn sie berühren unsere Seele und setzten sich in unseren Köpfen fest, ohne Umweg über den „Filter des Verstandes“ Mit Fotos und Videos aber sind Menschen sehr oft blind vor Gefühl und schalten ihre Vernunft aus. Weil Bürgerkriegsparteien, Terroristen vom IS und andere, sowie alle Militärführungen das wissen, ist jeder Krieg ein Bilderkrieg, mit erlogenen, manipulierten, inszenierten Fotos. Aber überhaupt: Welches Bild oder Video ist heute nicht inszeniert?

Fotos und Videos entstehen vor Kameras und sie entstehen für Kameras. „Live Leake“ zeigt zum Beispiel die Enthauptung von zwei syrischen Christen irgendwo im Norden des Irak. Eine gröhlende Menge filmt das Ganze. Der bärtige, muskulöse, mit langen Haaren versehene Hauptverbrecher verlangt ein schärferes Messer und schreit die Menge an, sie möge sich doch setzen. Niemand folgt der Aufforderung; – die Menge filmt weiter, wie die beiden Syrer enthauptet werden; – eine grausame Angelegenheit. Das Sterben und das Zerstören des IS von Kulturgütern – zuletzt die Tempel und Türme in Palmyra – haben nicht aufgehört. Die Flüchtlingstrecks ziehen weiter, und Ungarn hat bisher eine unrühmliche Rolle gespielt. Die osteuropäischen Staaten lehnen geschlossen eine Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen ab, darunter Litauen, Estland und Polen.

Bilder von Flüchtlingen und Toten können Debatten befeuern, doch sie können sie nicht beantworten. Kein einziges Foto oder Video kann einem Krieg gerecht werden – siehe beispielsweise Aleppo – und kein Bild kann die ganze Komplexität eines Problems erfassen. Und wer sich tief im Inneren fragt, wie die Europäische Union, ja, die Welt damit umgehen soll, dass Hunderttausende zurzeit ihre heimat verlassen und sich unter Lebensgefahr aufmachen in ein „Gelobtes Land“, das ihnen Sicherheit bietet, der wird in keinem Foto oder Filmbeitrag eine Antwort finden. Die Türkei hat nach letzten Meldungen verkündet, dass die Amerikaner nun den Flugplatz von Incirlic zur Bekämpfung des IS nutzen können. Man arbeite derzeit daran, eine gmeinsame „Operation“ durchzuführen.

Hohn und Spott, denn seit vielen Jahren ist die US-Luftwaffe in Incirlic vertreten..! Und, hat nicht die Türkei mit ihrer Doppelmoral nicht auch Schuld an der Flüchtlingsfrage? Hat die Türkei nicht vom IS das Öl gekauft und IS-Kämpfer in türkischen Hospitälern behandelt. Die Kurden, die in Kobane gegen den IS verlustreich gekämpft hatten, werden von Erdogan nun wieder als Terroristen bekämpft.

Nicht die Flüchtlinge an sich sind das Problem; – es ist das Problem, das die Weltgmeinschaft seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien selbst geschaffen hat: Man hat gleichgültig zugeschaut und nicht gehandelt. Auch die UN konnten sich nicht zu greifenden Resolutionen entschließen.

Hätten die gesamte NATO-Streitmacht und die amerikanischen Streitkräfte in einem Kraftakt ohnegleichen Bodentruppen und schweres Gerät – wie im Zweiten Irak-Krieg – entsandt, wäre der „Islamische Staat“ schon längst erledigt, der Spuk hätte ein Ende gefunden, genau so schnell, wie er gekommen war. Europa hätte somit auch kein „Flüchtlingsproblem..!“ Die Gleichgültigkeit der Weltgemeinschaft, das Wegschauen und das Desinteresse hat abstumpfen lasssen über die Sorgen, Nöte und Todesängste unserer Mitmenschen.

In Deutschland brennen wieder Flüchtlingsheime, Neo-Nazis marschieren auf und wollen, dass keine Flüchtlinge kommen.

Man fühlt sich erinnert an das Jahr 1933: Zuerst verbrannte man Bücher, dann die Menschen!

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 

Von am 06/09/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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