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Was die Nazi-Propaganda-Presse im „Hamburger Tageblatt“ zu berichten wusste: Der Norden trauert um Lübecks Schicksal

Das „Hamburger Tageblatt“ schreibt in seiner Ausgabe von Dienstag, den 31. März 1942: Der Norden trauert um Lübecks Schicksal und weiter: Lübeck – grauenhaftes Denkmal ewiger britischer Schande.

Trümmer klagen an: die gesamte Kulturwelt wendet ihre Blicke zur alten Hansestadt Lübeck, deren unersetzliche Kunstschätze durch den verbrecherischen Anschlag der britischen Luftwaffe verloren gingen. Der Stadtkern Lübecks mit der Marienkirche, dem Dom und der Petrikirche wurde durch die britischen Bomben getroffen. Werte gingen in Flammen auf, die, durch Jahrhunderte gehütet, nicht wieder zu ersetzen sein werden. Alt-ehrwürdige Wohnhäuser fielen der britischen Zerstörungswut zum Opfer, die sich, da sie gegen militärische Objekte keine Erfolge erzielen konnte, gegen die Meisterwerke der nordischen Gotik in der Lübecker Altstadt richtete.
Und weiter titelt das Blatt: Abscheu in Schweden (Von unserem Korrespondenten).
RD. Stockholm, 31. März: Der sinnlose englische Luftangriff auf die Hansestadt Lübeck und die absichtliche Zerstörung architektonischer Kulturdenkmäler und Meisterwerke der Hansestadt hat in Schweden wie im gesamten europäischen Norden einen tiefen Eindruck und ein Gefühl des Abscheus hinterlassen.

Die großen Stockholmer Zeitungen fügen den Berichten ihrer Berliner Vertreter über die schamlose englische Aktion an hervorragender Stelle, zum Teil dreispaltig, Photographien der weltberühmten Kirchen der Hansestadt bei und bringen zum Ausdruck, daß Lübeck mit seiner reichen Architektur aus der Hansezeit und seinen herrlichen Baudenkmälern der Gotik und der Renaissance nicht allein für das deutsche Volk, sondern auch für Menschen aus dem gesamt-nordischen Kulturkreis ein beliebter Wallfahrtsort gewesen ist. Im „Svenska Dagbladet“ heißt es u.a.: „Von den sieben historischen Kirchtürmen der Stadt sind fünf nicht mehr vorhanden, jedenfalls nicht unbeschädigt. Die Kirche, in welcher der berühmte, in Helsingver geborene Burtehude an der Orgel saß, liegt zum größten Teil in Ruinen. Dom, Marienkirche, Petrikirche, Museum und Rathaus, architektonische Meisterwerke, die auch im Ausland bekannt sind, haben Volltreffer erhalten.“

Die schwedische Erbitterung über diese ruchlose Tat englischer Flieger ist um so größer, als alle diese weltberühmten Bauwerke jeweils mit dem Programm der vor dem Kriege jährlich abgehaltenen nordischen Tagungen in enger Beziehung standen. „Stockholms Tidningen“ erinnert daran, daß im nördlichen Flügel des Lübecker Rathauses eine wertvolle Bronzestatue des großen Schwedenkönigs Wasa aufgestellt war.

Und auf Seite zwei schwört das Blatt die Deutschen auf Vergeltung ein: Unersetzliche Werke vernichtet. Die Schandtat von Lübeck. Hamburg, 31. März: In der Nacht zum Sonntag haben britische Bomber die alte Hansestadt Lübeck an der Trave, das mittelalterliche Lübeck, heimgesucht. Wir Hamburger kennen die Art der englischen Flieger, ihre Spreng- und Brandladungen auf Wohnhäuser, Schulen und Krankenanstalten abzuwerfen und fragen uns oft, was das nun wohl mit dem Ausgang des Krieges zu tun haben kann. Nun hat der Brite mit dem Ueberfall auf Lübeck seinen „Ruhmestaten“ in Münster und Aachen ein neues Blatt der Schande hinzugefügt. „Die Stadt mit den goldenen Türmen“, nannte Gustav Falke die Stadt, die über eine reiche geschichtliche Vergangenheit und unschätzbare Kunstwerke verfügte. Was aber in den Wirren der Kriege, in die Lübeck im Laufe der Jahrhunderte durch neidische Nachbarn verstrickt wurde, erhalten geblieben war, das ist jetzt in Schutt und Asche gesunken.

Dem stolzen England, das so protzig von Kultur redet, blieb es vorbehalten, die Zeugen einer schöpferisch und kulturell hochstehenden Vergangenheit zu vernichten. Welcher Hamburger kennt nicht die alten Salzspeicher an der Trave, die traulichen Giebel in der Altstadt, die vom Fleiß und kaufmännischen Geist reden, wer kennt nicht die herrliche Marienkirche mit dem berühmten Altar, der Aposteluhr und dem Holsteinischen Totentanz. Ueberall haben haben die Bomben aus wohlgeordneter Bautenharmonie Ruinen geschaffen. Häuser sind eingestürzt, die Türme der Marienkirche sind zusammengefallen und das Innere mit all seinen Kunstschätzen ist ausgebrannt. Das gleiche Schicksal ist an vielen Orten des Altstadtkerns sichtbar. Der Dom, die Petrikirche, das Rathaus, die Bibliothek sind schwer getroffen und unersetzlich sind die Werte, die vernichtet wurden. Fünf Türme sind herausgebrochen aus der Silhouette der Hansestadt Lübeck, aus dem Kranz der goldenen Türme, um die alte Geschichte und neue Tatkraft sich vereinigen.

So sehr wir aber trauern um die verloren gegangenen Werte, und so schmerzlich auch die Todesopfer der Bevölkerung uns berühren, wir betrachten auch diese Opfer als Opfer für unsere deutsche Zukunft. Die spätere Zeit wird ihr Urteil über den Barbarismus unserer Gegner fällen, sie wird aber auch den Mut und die Entschlossenheit unseres Volkes mit ehernen Lettern in dem Buch der Geschichte verzeichnen. Nur härter und entschlossener kann uns diese neuerliche Schandtat unserer Gegner machen, nur fester im Glauben an unsere Sache und an die Vergeltung, die schwer auf die Verbrecher zurückfallen wird..!
Das „Hamburger Tageblatt“ war eine der vielen Gauzeitungen der NSDAP, und die „Schriftleiter“ wurden gezwungen, die Nazi-Propaganda so wiederzugeben, wie sie verordnet worden war.

Obwohl bereits das „Großdeutsche Reich“ sich im nunmehr fast vierten Kriegsjahr befand, war das Volk n o c h nicht des Kriegs müde; – und so konnte man den Hass auf die Alliierten noch schüren, denn vielen war es noch nicht ins Bewusstsein gedrungen, dass Hitler und Konsorten den Krieg der Vernichtung – auch mit Bombenabwürfen- begonnen hatten.

Aber das sollte sich in den nächsten Jahren von Grund auf ändern.

Von Rolf von Ameln

 

Von am 26/06/2016. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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