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Die deutsche Wehrmacht überfällt Jugoslawien und Griechenland

Was „Die Zeitung“ aus London darüber berichtet

In ihrer Ausgabe vom 7. April 1941 berichtet die „Londoner Zeitung“, ein Exilblatt in deutscher Sprache, ausführlich über den Überfall Hitlers auf Jugoslawien und Griechenland und titelt: Am frühen Morgen hat Hitler Jugoslawien und Griechenland überfallen. Um 3 Uhr wurde in Moskau ein russisch-jugoslawischer Freundschaftspakt unterzeichnet. Um 5 Uhr erklärte Hitler Jugoslawien den Krieg. Zur gleichen Zeit fielen deutsche Truppen in Griechenland ein. Die Griechen und Jugoslawen leisten erbitterten Widerstand. In der gleichen Nacht hat die Vorhut der britischen Truppen die abessinische Hauptstadt Addis Abeba erreicht. Und das Blatt schreibt weiter:

Goebbels als Hitlers Ansager. Hitler hat versucht, die Ungeheuerlichkeit des neuen Gewaltaktes gegen Jugoslawien und Griechenland durch eine Propagandaaktion grössten Stils dem deutschen Volk mundgerecht zu machen. Nach einer Nacht, in der die Greueltaten gegen Jugoslawien ihren Gipfelpunkt erreicht hatte, sprach Goebbels, nach Fanfarenklängen, um 5 Uhr morgens über alle deutschen Sender. Er verlas eine endlose Proklamation Hitlers. Darin wird dem Volk eingeredet, dass Griechenland und Jugoslawien sich zu willenlosen Werkzeugen der britischen Politk gemacht hätten. Er verlas dann eine zweite Proklamation an die deutsche Südost-Armee. Darin werden die Soldaten von ihrem „Obersten Kriegsherrn“ aufgefordert, mit rücksichtsloser Brutalität vorzugehen. Anschließend richteten sämtliche deutschen Sender eine Warnung des deutschen Reiches an alle Nationen, sich dem östlichen Mittelmeer fernzuhalten. Die dortigen Gewässer werden zur deutschen Kriegszone erklärt und die neutrale Schiffahrt aufgefordert, sich ausschliesslich auf die türkischen Hoheitsgewässer zu beschränken.

"Die Zeitung" aus Londone vom 7. April 1941. Foto: Archiv/RvAmeln

„Die Zeitung“ aus Londone vom 7. April 1941. Foto: Archiv/RvAmeln

Ribbentrop beschönigt das Verbrechen

Die Korrespondenten der ausländischen Presse in Berlin wurden vom Boten des Propagandaministeriums in den frühesten Morgenstunden aus den Betten geholt und in das Propagandaministerium gebracht. Dort hielt Ribbentrop um 6 Uhr eine Ansprache, in der er, wie üblich, „Enthüllungen“ über das englische Verbrechen machte. Er erklärte darin, dass England Truppen auf dem Balkan gelandet habe, wodurch die Notwendigkeit zu einem Einschreiten gegen Griechenland entstanden sei. Die jugoslawische Regierung habe unter der Maske der Neutralität mit England ein Schutz- und Trutzbündnis gegen Deutschland abgeschlossen. Nach dem Reichsaußenminister trat der Reichspressechef Dietrich auf und unterstrich diejenigen Punkte, die die deutsche Propaganda als Rechtfertigung des Verbrechens vorzuschieben wünscht. Die Rede war hauptsächlich gegen Griechenland gerichtet. Er behauptete, dass Beweise dafür vorliegen, dass der griechische und britische Generalstab seit Monaten den Balkankrieg vorbereitet haben, und dass England in Saloniki 200.000 Mann gelandet habe.

Auf Seite zwei bringt das Blatt in Fettdruck eine Kurzmeldung: Emigranten-Besitz in hamburg beschlagnahmt

In Hamburg herrscht Mangel an Lagerraum, offenbar eine Folge der Luftangriffe der R.A.F.: Die Inhaber zerstörter Wohnungen müssen sehen, ihre Möbel einzulagern. Die Nazis benutzen diese Situation, um wieder einmal ihre Hand auf jüdisches Eigentum zu legen. Das „Hamburger Fremdenblatt“ berichtete am 29. März, dass es nicht länger möglich sei, Möbel und andere Haushaltsgüter ausgewanderter Juden zu lagern. Sie würden daher im Wege der öffentlichen Versteigerung verkauft werden. Der Erlös, der hierbei erzielt wird, werde den Eigentümern „gutgeschrieben“ werden. Gelegenheit, Möbel und Kleider zu ersteigern, soll in erster Linie Leuten gegeben werden, die Verluste durch Luftangriffe erlitten haben, ferner jungverheirateten Ehepaaren. Es liegen einstweilen keine Berichte vor, dass allgemein in dieser Weise vorgegangen wird. Möglicherweise handelt es sich um eine Hamburger Sonderaktion, zu der tatsächlich ungewöhnlich schwerer Bombenschaden den Anstoss gegeben haben mag!

Und auf der letzten Seite schreibt das Blatt: Ein Judenamt in Vichy

Die Vichy-Regierung gab am Sonntag bekannt, dass der neue Posten eines „Generalkommissars für jüdische Angelegenheiten“ geschaffen worden sei. Der Posten wurde M. Xavier Valat, vorher Gemeindesekreät für Demobilmachungsfragen, übertragen. Auf diesen Schritt folgte am Montag die Veröffentlichung eines Gesetzes, das dem Generalkommissar Vollmachten zur Liquidierung jüdischen Eigentums gibt. Der Generalkommissar will Vorschläge ausarbeiten und dem Staatsoberhaupt unterbreiten, die sich auf gesetzliche Massnahmen in Bezug auf die Rechtsstellung der Juden, ihre politische Betätigung und auf Beschränkungen in der Brufsausübung beziehen. Der Kommissar wird ferner den Zeitpunkt festzusetzen haben, an dem jüdisches Eigentum liquidiert werden soll, falls im Wege des Gesetzes eine derartige Liquidation angeordnet werden sollte; hierbei soll auf volkswirtschaftliche Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Der Kommissar wird ferner Zwangsverwalter für geschlagnahmtes jüdisches Eigentum einzusetzen und ihre Geschäftsführung zu kotrollieren haben.

„Die Zeitung“ – ein Titel, in seiner Einfachheit bestechend und elegant – erschien ab dem 12. März 1941 als „Kampfblatt in deutscher Sprache gegen den Nationalsozialismus und den deutschen Militarismus“. Der Journalist Raimund Pretzel schrieb unter dem Pseudonym Sebastian Haffner, oder kurz: S.H., um seine in Nazi-Deutschland zurückgebliebenen Angehörigen nicht zu gefährden. Er publizierte bis zu seinem Tode im Jahre 1999 unter diesem Decknamen, auch nach seiner erst 1953 erfolgten Rückkehr nach Deutschland. In seinen Kommentaren stellte Haffner nicht nur seine Sprachgewandtheit den nationalsozialistischen Hetzern, Lügnern und Phrasendreschern gegenüber: „Das Herz der Welt schlägt den beiden kleinen Völkern entgegen, die dem Feuerregen standhalten und mit der Ehre und Freiheit der Menschen verteidigen.“ An sein Engagement im Exil erinnert eine Gedenktafel in Berlin. Auf ihr steht zu lesen: „Sein Gewissen war der Maßstab.“

Von Rolf von Ameln

 

Von am 06/10/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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