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Zeitgeschichte in den Israel-Nachrichten: Der britische Luftüberfall auf Lübeck

Der „Lübecker General-Anzeiger“ schreibt am Dienstag, den 31. März 1942 auf der Titel- und der letzten Seite über den Angriff auf Lübeck: Anklage gegen britische Kulturschänder. Der gestrige Wehrmachtsbericht hat der Welt Kenntnis gegeben von dem ungeheuerlichen Zerstörungswerk, das britische Bomber bei ihrem Nachtangriff auf die Hansestadt Lübeck an den herrlichsten Denkmalen alter Baukultur der Travestadt in der Nacht zum vergangenen Sonntag angerichtet haben. Der barbarische Luftangriff wandte sich in der Hauptsache gegen die Lübecker historische Innenstadt, die sich zwischen den beiden Travearmen hoch aufwölbt und mit ihren ragenden Kirchen und spitzen Türmen eine charakteristische Silhouette auch auf weiteste Entfernung abgibt.

Das von Bomben zerstörte Lübeck. Foto: screenshot

Von Bomben getroffen wurde der 1173 gegründete Dom mit dem angebauten Museum, das naturhistorische und völkerkundliche Sammlungen von hohem Wert birgt, sowie die Oberschule am Dom, getroffen wurde die doppeltürmige Marienkirche, Lübecks gewaltigstes Bauwerk; es beherrscht mit seiner Lage im Mittelpunkt an höchster Stelle der Stadt ihr prächtiges Bild. Auch mit dem Bau der Marienkirche ist bereits in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts begonnen worden. Gleichfalls um die Mitte des 13. Jahrhunderts ist die Petri-Kirche entstanden, das dritte Opfer unter den Lübecker Gotteshäusern. Zerstört ist in dem prächtigen alten Rathaus ganz nahe bei der Marienkirche die einzigartige „Kriegstube“, ein unschätzbares Kleinod und Sitzungssaal des Senats, ferner das unweit gelegene Schabbelhaus, ein Zeuge althansischer Burgenkultur, das Katharineum, die berühmte Lübecker Gelehrtenschule, die auch die Stadtbibliothek enthält.

Nicht zu vergessen die bekannten mittelalterlichen Salzspeicher, die dem Stadtbild an der Trave sein charakteristisches Gepräge geben. Viele andere Beispiele könnten noch aufgezählt werden, bei denen es sich um ähnliche Kulturwerte handelt, die, soweit sie nicht zerstört wurden, doch durch schwere Beschädigungen unersätzliche Verluste erlitten. Die erwähnten Beispiele mögen genügen, denn sie sind in ihrer einmaligen Größe und Schönheit Kulturgüter, die gewissermaßen der ganzen Welt gehören und ungezählten Besuchermassen aller Kulturnationen seit Jahrhunderten Gegenstand der Bewunderung und Verehrung sind, ganz abgesehen von den kirchlich-kultischen Werken, die in den genannten Gotteshäusern der Vernichtung oder schweren Beschädigung anheimfielen.

Alle diese Perlen künstlerischen Gestaltungswillens seit rund 800 Jahren sind zerstört worden durch die Bomben jener scheinheiligen Kriegshetzer, die den Weltenbrand mutwillig entfacht haben und Hand in Hand mit den Bolschewisten aus dem Moskauer Kreml und den Plutokraten und Trustmagnaten einen „Kreuzzug“ gegen das nationalsozialistische Deutschland und die ihm verbündeten Mächte inszenieren wollen. Lübeck, die alte herrliche Stadt, klagt diese kulturschänderische Kriegführung der Briten vor aller Welt an, denn hier gibt es keine Entschuldigung durch kriegerische Notwendigkeiten oder durch lächerliche Ausreden anderer Art. Das Opfer der Britenbomber ist fast ausschließlich die Lübecker Innenstadt geworden, von der jedermann weiß, daß sie eine rein bürgerliche Wohn- und Geschäftsstadt ist, in der keinerlei Platz für modernen Rüstungsbetriebe und Industrieanlagen ist.

Lübecks altes Stadtbild beherrschen die spitzen Türme seiner Kirchen von einem Ende bis zum anderen, und diesen fast ein Jahrtausend alten Kulturbereich haben die Briten in der klaren Mondnacht planmäßig zum Schauplatz ihres Zerstörungswerkes gemacht. Mit Lübeck ist ihr Schuldkonto, schon vorbelastet unter anderem durch ähnliche Zerstörungen in der Stadt Münster, dem Ort, in dem der Westfälische Friede nach 30jährigem Kriegstoben geschlossen worden ist, zu ungeheuerlichen Höhe angewachsen, zu einem gigantischen Schandmal britischer Kriegführung für alle Zukunft.

Was haben Kirchen und Museen und Schulen, Wohnhäuser und alte Stifte mit Kriegszielen zu tun? Unter den vielen Opfern sind meist Frauen und Kinder. Die Zahl der Opfer ist leider beträchtlich. Denn die Sprengbomben trafen auch viele Siedlungshäuser usw., Villen in den Wohngegenden, wo sie restlose Vernichtung brachten. Einst wird der Tag der Abrechnung auch mit diesen englischen Verbrechern kommen, und dann wird sie hart ausfallen. Von Seiten der Partei und der Stadt wird alles getan, um möglichst rasch wieder Ordnung zu schaffen. Den Opfern des britischen Überfalls gilt das Mitgefühl aller. Obdachlos Gewordenen wurden sofort Räume in anderen Häusern zur Verfügung gestellt. Da war natürlich keiner, der sich nicht selbst gern alle räumlichen Beschränkungen auferlegt hätte, um den Betroffenen nach Möglichkeit zu helfen. So zeigte sich hier wider menschliche Hilfsbereitschaft in schönster Weise.

Es gab nur eines: Helfen und eingreifen. Eine Kameradschaft entstand in diesen Stunden, wie sie freudiger und hilfsbereiter nicht sein kann. Zahllose Beispiele tapfersten Einsatzes wurden gegeben. In heldenmütiger Standhaftigkeit nahmen die so schwer Betroffenen ihr Schicksal auf sich! Die toten Opfer des hinterhältigen Angriffs der Briten werden, soweit nicht anderweitige Bestimmungen getroffen sind, in einem Ehrenhain auf dem Vorwerker Friedhof beigesetzt werden. Denn auch sie starben für Deutschland! Während des Angriffs und Tag und Nacht haben sich Wehrmacht, Parteiformationen, Polizei, Feuerschutzpolizei, Nationalsozialistische Volksfürsorge und viele unbekannte Helfer aus der Bevölkerung bis zum letzten eingesetzt. Ihnen gilt der Dank dafür.

Als im Reich in der Nacht vom 8./9. November 1938 die Synagogen brannten und die Nazis im Jahre 1941 systematisch die europäischen Juden der Vernichtung preisgaben, haben die meisten Deutschen geschwiegen. Und mit dem Bombardement der Alliierten auf deutsche Städte wurde nur eine kleine „Rechnung“ beglichen.

Von Rolf von Ameln

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Von am 06/08/2018. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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