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Wer war Adolf Hitler? Vom Möchtegernkünstler zum Judenhasser

Wer war Adolf Hitler? – Österreicher, Obdachloser, Postkartenmaler, Kriegshetzer und Völkermörder

In den letzten Wochen wird auf vielen Fernsehsendern über Adolf Hitler berichtet. Aber wann wurde dieser Weltverbrecher eigentlich zum Antisemiten?

Der junge Hitler verehrte den jüdischen Armenarzt Eduard Bloch ebenso wie Gustav Mahler und pflegte in seinen wiener Jahren zahlreiche Kontakte zu Juden. Erst nach der Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg änderte er seine Einstellung radikal. Es wäre so einfach, über den Antisemitismus des jungen Hitler zu schreiben und sich dazu die wichtigsten Informationen aus „Mein Kampf“ zu holen. Dort finden sich über Hitlers frühe Wiener Zeit viele prägnante antismeitische Sätze, die der damalige Landsberger Häftling im Jahre 1932 seinem Sekretär Rudolf Heß diktierte. Kaum jemand bezweifelte vor 1945 diese Aussagen. Aber „Mein Kampf“ ist alles andere als eine Autobiographie, vielmehr ist das Buch eine Propagandaschrift für eine neue, radikal deutschnationale und antisemitische Bewegung. Hitler krempelte hier seine von Kindheit an schwierige Lebensgeschichte um und schrieb nur, was seinem politischen Aufstieg nützte.

Die Tantiemen für das bald in Unmengen unter die Deutschen gebrachte Buch machten ihn zu einem sehr reichen Mann. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war der junge Hitler kein Antisemit. Der 17-jährige vergötterte den Linzer jüdischen Armenarzt Dr. Eduard Bloch, der die an Krebs erkrankte, erst 47-jährige Mutter Klara hingebungsvoll bis zu ihrem Tode betreute. Für den Sohn war das qualvolle Ende der über alles geliebten Mutter am 21. Dezember 1907 ein einschneidendes Erlebnis. Er uns seine jüngere Schwester Paula waren nun Vollwaisen mit einer kleinen, untereinander zu teilenden Waisenrente. Adolf verließ Linz, da er an der Kunstakademie in Wien studieren wollte. Aber ebenso wie beim ersten Versuch im Jahr zuvor scheitterte er auch jetzt, 1908, bei der Aufnahmeprüfung. Ein dritter Versuch war ihm nicht möglich. Immerhin hatte der 18-jährige noch ordentliche Kleidung und so viel Geld, dass er sich Stehplatzkarten in der Wiener Hofoper leisten konnte, vor allem bei Wagner-Abenden.

Er bestand aber auf dem teureren Parterre-Stehplatz, wo nur Männer zugelassen waren, und rühmte seine jüdischen Kollegen, die wie er Wagner verehrten. Und als 1908 eine antisemitische Hetzkampagne gegen den früheren Operndirektor Gustav Mahler in der Oper wütete, hielt Hitler an seiner Bewunderung für Mahler fest. Jedenfalls ärgerte er sich über die Wiener, die lieber beim Heurigen saßen als in der Oper. Einmal führte ihn sein Zimmerkollege, der Violinist August Kubizek, in ein sehr elegantes Haus zu einem abendlichen Konzert. Der Hausherr, Dr. Rudolf Jahoda, Inhaber einer chemischen Fabrik, war jüdischer Herkunft, aber konfessionslos. Einst war er ein Schüler von Johannes Brahms gewesen und veranstaltete nun regelmäßig musikalische Abende. Es war dies das erste Mal, dass Hitler in ein reiches, großbrügerliches, sehr gepflegtes und musikalisches Haus eingeladen war. So gerne er auch sonst redete, brachte der 19-jährige in diesem hochkarätigen Kreis kein Wort heraus.

Im November 1908 ging Adolf das Geld aus und er verließ seine nette Wiener Vermieterin. Nach zahlreichen Umzügen oder Fluchten, wenn er die Miete schuldig geblieben war, war er so arm, dass er einige Monate lang als Obdachloser auf Wiener Parkbänken, in einem Obdachlosenheim oder einem Nachtasyl schlafen musste. Dass er als Bauarbeiter arbeitete, wie er in „Mein Kampf“ berichtete, ist eine Lüge, denn er war erstens körperlich zu schwach, um schwer zu arbeiten und hatte außerdem keinerlei praktische Erfahrung. Immerhin standen tagtäglich kräftige Bauarbeiter in langen Reihen vor den Baustellen und hofften auf Arbeit – und nur die besten wurden angenommen. Als Hitler eines Tages Schnee schaufeln sollte, brach er nach einer halben Stunde erschöpft ba – und verdiente wieder nichts. Erst im Februar des Jahres 1909 änderte sich seine Lage: Im Meidlinger Asyl lernte Adolf einen erfahrenen Pritschenkollegen kennen, eine Art Stadtstreicher mit dem falschen Namen Reinhold Hanisch.

Als dieser ihn ausfragte, was er gelernt habe, antwortete Hitler, er habe die Kunstakademie in Wien besucht, was ja überhaupt nicht stimmte. Daraufhin schlug ihm Hanisch vor, doch Ansichtskarten zu malen, die man in Gasthäusern verkaufen könne. Hitler aber war zu schüchtern und zu schlecht gekleidet, um die Karten selbst anzubieten. Außerdem hatte er Angst, von der Polizei erwischt zu werden. Hanisch bot sich ihm als Verkäufer an. Aber Hitler hatte kein Geld für Papier und Farben und bat seine Tante im Waldviertel per Brief um Geld: 50 Kronen. Sie half und er kaufte sich für zwölf Kronen Papier, Farben und Pinsel und im Pfandleihhaus Dorotheum einen gebrauchten Wintermantel. Die Karten zeihnete und aquarellierte er nach Vorlagen aus einem kleinen Buch über Wien. Den Erlös teilten sich Hitler und Hanisch. Adolfs dunkelste Zeit war vorüber. Nun zog er im neu erbauten, sehr modernen Männerheim in der Brigittenau ein und blieb dort bis zum Jahre 1913.

Das Essen war billig und gut, die hygienischen Verhältnisse waren vorbildlich. In der kleinen Bibliothek konnte er in Ruhe seine Bilder malen. Hanisch, der ein geschickter Verkäufer war, forderte von ihm eine Karte pro Tag. Nach und nach freundete sich Hitler mit hilfsbereiten, vor allem jüdischen Männerheim-Kollegen an, die ihm Essen, gebrauchte Kleidung, Schuhe und manchmal auch etwas Geld gaben. Der Kupferputzer Josef Neumann half Hitler beim Verkauf der Karten, ebenso wie der einäugige jüdische Schlosser Simon Robinson, ein Invalide aus Galizien, und der jüdische Vertreter Siegfried Löffner aus Mähren. Zu diesem Kreis gehörte auch der ledige jüdische Beamte Rudolf Redlich aus Mähren, der sich ebenfalls mit Hitler anfreundete und ihm immer wieder half. Bald wagte es der schüchterne Adolf, seine besten Kunden persönlich aufzusuchen, vor allem Samuel und Emma Morgenstern, die im 9. Wiener Bezirk eine Glaserei betrieben und dafür Bilder brauchten. Die beiden mochten den jungen schüchternen Mann, und dieser mochte die beiden gläubigen Juden. Sie kauften ihm so viele bemalte Ansichtskarten ab, dass sie noch im Jahre 1938 zahlreiche unverkauft auf Lager hatten. Diese Karten wurden dann sofort von der Gestapo konfisziert.

Auch der jüdische Bilderrahmenhändler Jakob (Jacques) Altenberg war dem jungen Mann wohlgesinnt und kaufte viel von ihm. Unter den Städten Westeuropas hatte Wien um das Jahr 1900 die meisten Juden. Sie waren seit der Emanzipation im Jahre 1867, die den Juden endlich die bürgerliche Gleichberechtigung gebracht hatte, vor allem aus den östlichen Kronländern nach Wien geströmt. Der Wiener Bürgermeister Karl Lueger stellte sich gegen die jüdischen Einwanderer. Aber Kaiser Franz Joseph schützte sie. Trotzdem aber hingen an immer mehr Wiener Geschäften Schilder mit Aufschriften wie „Kauft nicht bei Juden!“ So sehr der junge Hitler den Bürgermeister als brillanten Volksredner bewunderte – und von seinem Beispiel vieles für später übernahm -, so wenig ließ er sich von Luegers Antisemitismus anstecken. Wegen der vielen Umzüge erhielt Hitler keine Einberufung in die k.u.k. Armee. Ungeduldig und nervös wartete er auf seinen 24. Geburtstag, an dem ihm das Erbe seines Vaters ausgezahlt werden sollte, sodass er Österreich ohne Militärdienst verlassen konnte.

Österreich und vor allem Wien war ihm wegen der national gemischten „undeutschen“ Bevölkerung zuwider. Er verließ Wien im Mai 1913 gut gekleidet und ließ sich in München nieder. Antisemit war er immer noch nciht. Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Hitler nicht zur österreich-ungarischen, sondern zu bayrischen Armee. Er wollte nicht für das Vielvölkerreich der Habsburger, sondern für Deutschland kämpfen. In vier Kriegsjahren bewährte er sich vor allem als Meldegänger. Sein Vorgesetzter, der jüdische Offizier Hugo Gutmann, der Hitler mochte, setzte noch im Oktober 1918 durch, dass ihm das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen wurde. Diese Auszeichnung trug der spätere „Führer“ noch während des Zweiten Weltkrieges voll Stolz an seiner Uniform. Wo aber ist der Zeitpunkt, als sich Hitler so radikal dem Antisemitismus zuwandte? Nach einem Senfgasangriff am 14. Oktober 1918, der Hitler kurzzeitig blind und damit kreigsuntauglich machte, erfuhr er im Lazarett in Pasewalk vom Ansuchen der deutschen Armee um einen Waffenstillstand.

Alle Mühen und Opfer der vier Kriegsjahre waren vergeblich gewesen. Es herrschten Hunger, Elend, Epidemien und Krankheiten aller Art. Der 29-jährige Hitler übernahm nun den populären Satz: „Der Jude ist an allem schuld“. In „Mein Kampf“ schrieb er wenige Jahre später: „Mit den Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder-Oder. Und ich beschloß, Politiker zu werden.“

Und somit war sein Weg geebnet für die drei „G´s“: Gewaltherrschaft, Gigantomanie und Grausamkeit.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

 

Von am 03/04/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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