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Presseberichte aus Nazideutschland und USA: „Der Orden vom Gelben Stern“

Der „Aufbau“, eine Exilzeitung in New York berichtet im Dezember 1941 aus Nazideutschland über die Kennzeichnung der Juden:

Der Orden vom Gelben Stern

Laut einer im „Reichsanzeiger“ veröffentlichten Verordnung, die sich auf Deutschland, Österreich und das böhmisch-mährische Protektorat bezieht, müssen vom 15. September ab in den betroffenen Gebieten alle Juden, die über 6 Jahre alt sind, in der Öffentlichkeit einen großen gelben Fleck mit einem schwarzen Davidstern und der schwarzen Inschrift „Jude“ tragen. Dieser Fleck, der die Größe einer Handfläche hat, muss auf der linken Seite in Brusthöhe fest auf die Kleidung aufgenäht sein. Ein Nichtbefolgen dieser Verordnung wird mit 150 Mark Geldstrafe oder 6 Wochen Gefängnis bestraft. Die Verordnung stammt von Himmlers Intimus, dem Gestapochef Reinhard Heydrich. Sie ist gleichzeitig mit einer anderen Vorschrift herausgekommen, die Juden den Wechsel ihres Wohnsitzes ohne polizeiliche Erlaubnis unmöglich macht. Vor acht Jahren wurde in Deutschland der gelbe Fleck, wenn auch noch unsichtbar, auf den Rock geheftet. Jetzt müssen sie den Gelben Stern sichtbar tragen. Viele werden versucht sein, aufzubrausen, voll Wut die Fäuste zu ballen und sich, im tiefsten erregt, zu empören. Wir wollen das nicht tun. Wir wollen nicht einen Funken Energie an so viel Verächtlichkeit verschwenden.

Diese Maßnnahme der Hitler-Himmler-Heydrich und Genossen ist nur die Krönung einer ungeheuren Reihe von Schändlichkeiten, die an sich kaum noch eine Steigerung erfahren konnten. Wenn es den Nazis nun doch gelungen ist, eine neue Quelle der Perversion zu erschließen – wir blicken darauf von einem Chimborasso der Verachtung hinab. So mit Blindheit geschlagen können nur Menschen sein, die bereits völlig dem Verderben anheimgegeben sind. Sie wissen tief in ihrem Inneren, dass sie verloren sind. Angspuckt von der ganzen Welt, wo immer sie sich zeigen, türmt sich rings um sie, unentrinnbar, der Hass der Völker. In Paris knallen nächtlich die Schüsse, in den dunklen Kanälen Hollands schwimmen die Toten, von den Bergen Jugoslawiens flammen die Freiheitsbrände, in Norwegen ist es unsicher geworden, in Kreta und Nordafrika verschwinden sie zu Dutzenden, in Polen und in Russland, hinter den Fronten, ist es todesgefährlich nach Sonnenuntergang. Die Nazis toben. Überall wachsen die Galgen, überall sind Hinrichtungskommandos an der Arbeit, für die Auslieferung der Patrioten werden immer höhere Belohnungssummen ausgeschrieben – aber sie werden nicht mit ihnen fertig.

Und so wenden sie sich wieder gegen die Schwächsten der Schwachen, gegen die Juden, die in ihrer Hand sind. Sie wissen nicht, was sie tun. Aber niemand wird ihnen verzeihen. Sie wissen nicht, was sie tun, denn sie nähen ihren Opfern einen Orden an. Nun kann man sehen, öffentlich und sozusagen beurkundet, wer ein Misshandelter, Geschlagener und Gedemütigter, wer ein Märtyrer ist. So von den Nazis ausgezeichnet zu werden, so abgetrennt zu werden von der scheusslichen Gemeinschaft mit den Tiermenschen dieser Erde, ist eine Ehre, die den Träger heraushebt über die Mitwelt. So wie 1933 der Ruf „Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck“ von den Herzen aufgenommen wurde, so gilt jetzt der Ruf: „Tragt ihn mit Stolz, den Orden vom Gelben Stern..“ mit noch größerem Recht. Tragt ihn mit Stolz und legt ihn nicht ab, bis das Ende der Nazitage gekommen ist. Dieses Ende aber ist nicht mehr fern und jede Gnade vor dem Richterstuhl der Menschheit ist verscherzt./M.G.

Der mit „M.G.“ gezeichnete Beitrag wurde von Chefredakteur Manfred George verfasst. Der damals 48-jährige war erfolgreicher und engagierter Journalist in der Weimarer Republik, der 1933 zunächst nach Prag geflüchtet war und dort rege als Exiljournalist wirkte. Nach dem Münchener Abkommen floh er über zahlreiche Stationen nach New York, wo er aus dem kleinen monatlichen Rundbrief des „German Jewish Club of New York“ den einflussreichen und auflagestarken „Aufbau“ machte. Über die Vorgänge in Nazideutschland berichtete der „Aufbau“ breit. So auch in folgendem Beitrag:

Terror-Massnahmen in Hannover

Der Nazi-Bürgermeister von Hannover hat ganz plötzlich gegen die Juden der Stadt eine der schändlichsten Aktionen durchgeführt. Hunderte von Familien erhielten den Befehl, binnen 24 Stunden das Notwendigste zusammenzupacken und ihre Wohnungen zu verlassen. Sie wurden in die Trauerhalle des jüdischen Friedhofess gebracht. Ihre Wohnungseinrichtungen sollen verkauft werden und sie sollen den Erlös „zu gegebener Zeit“ erhalten. Die Ursache dieser barbarischen Maßnahme wird von dem Bürgermeister in der Form begründet, die an seinen Verstand zweifeln lässt. Sie lautet: „Um die vom Krieg geschaffene trostlose Situation zu erleichtern, bin ich gezwungen, den für Juden in dieser Stadt vorhandenen Platz zu beschränken. Ich fordere daher alle auf, ihre Wohnungen zu räumen“

Nach anderen Meldungen soll der Grund dieser Maßnahmen in einem Buch zu finden sein, das der „Jude Kaufmann in New York“ geschrieben habe. Es handelt sich offensichtlich um das in New York erschienene Buch eines Theodore N. Kaufman, der eine größere Broschüre „Germany must Perish“ veröffentlicht hat. Kaufman, der in Newark einen Theaterbilletverkauf hat, äusserte sich einem Reporter der New York Times gegenüber auf Befragen:

„Die Nazis suchen nur einen Sündenbock für ihre Barbareien. Sie haben den Juden seit dem Beginn des Naziregimes herumgehetzt, und ich bin sicher, dass nichts, was ich geschrieben habe, ihre Untaten hätte noch schlimmer machen können. Aber es dürfte sich auch garnicht um meine Worte handeln, die ich geschrieben habe, sondern wahrscheinlich um die Bomben, mit denen die R.A.F. den Hannoveranern eine Geschichte erzählt hat.“

Ein weiterer interessanter Beitrag steht auf Seite drei:

Die Zeit ist reif… Weizman dränngt auf einen jüdischen Staat in Palästina

In einer privaten Konferenz, die die britischen Zionisten in der vergangenen Woche abhielten, hat sich Dr. CHAIM WEIZMAN, der Präsident der Jewish Agency, dafür eingesetzt, dass die Diskussionen für die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina nach dem Krieg bereits jetzt beginnen müssten. Die Zeit sei reif dazu. Selbst nach einem Siege der Alliierten würde es drei Millionen verarmter und heimatloser Juden geben, die rasch absorbiert werden müssten. Palästina kann diese Millionen nur unter einer Bedingung aufnehmen: falls es zu einem jüdischen Staat gemacht wird. Weizman will demnächst wieder nach den Vereinigten Staaten fahren, um hier erneut über die Neuordnung der Jewish Agency auf einer anderen Basis als bisher zu beraten. „Die erste gemischte Agency wurde von Persönlichkeiten wie Warburg, Marschall und Cyrus Adler getragen, die tot sind und deren Generation nicht mehr existiert.“ Während der Konferenz äusserte sich der Präsident auch über die feindliche Haltung einiger Mitglieder der Palästinaverwaltung, die ihr Echo im britischen Kolonialamt habe. Die Verwaltung beabsichtigt nicht, in dem Palästina-Status irgend eine Änderung eintreten zu lassen oder den Juden während des Krieges auch nur geringe Konzessionen zu machen.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-Nachrichten.org

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Von am 11/12/2014. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.
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