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Der Reichsnährstand: „Blut und Boden“

Brief der Landesbauernschaft Sachsen Anhalt/Halle

Am 13. Oktober 1934 schrieb der Landesbauernführer der Landesbauernschaft Sachsen-Anhalt folgenden Brief an den Reichsbauernführer, der diesen am 15. Oktober 1934 erhielt. Der Originaltext soll hier wiedergegeben werden:

Betr. Beschwerde Meyer-Brüggemann, Salzwedel.
Ihr Schr. v. 8.10.34. – V.G. 5832/34
———————————————————————Den erwähnten Bericht gebe ich wie folgt: Es trifft zu, daß die Firma Meyer-Brüggemann alt ist und auch in liberalistischen Kreisen ein gewisses Ansehen genießt. Trotzdem ist Meyer-Brüggemann nach unseren Begriffen eben Jude und der Kreisbauernführer wie auch der Kreisleiter tun nichts als ihre Pflicht, wenn sie diesen Juden aus seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Führerstellen herausdrängen. Meyer-Brüggemann wird in der Ausübung seines Geschäftes nicht behindert, aber es kann einem nationalsozialistischen Bauern nicht zugemutet werden, daß er ihn in irgendwelchen Führerstellungen duldet. Deshalb war es ein Fehler, daß der Deutsche Landhandelsbund ihn als Reichsfachbeirat berufen hat. Er hat dies sicherlich nur getan, weil ihm die jüdische Abstammung Meyer-Brüggemanns unbekannt war. Die Hauptabteilung IV hat es deshalb auch abgelehnt, ihn mit irgendwelchen Funktionen zu betrauen. Es ist bekannt, daß die Zuckerindustrie bislang rein liberalistisch geführt wurde und es war die Pflicht des Kreisbauernführers, hier eine nationalsozialistische Führung durchzusetzen.

Der Kreisbauernführer Gagelmann ist hier pflichtgemäß vorgegangen und hat den Aufsichtsrat und den Vorstand der Zuckerfabrik Salzwedel gleichgeschaltet und die nationalsozialistische und in der Linie des Reichsnährstandes liegende Führung sichergestellt. Darüber herrscht allgemeines Wehklagen bei der ganzen Salzwedler Reaktion aller Schattierungen, insbesondere in den „Wirtschafts“-Kreisen. Das ist mir nur der Beweis, daß seine Handlungsweise richtig war und ich decke sie vollkommen, soweit er sich hierbei nicht strafrechtlich vergangen hat. Denn der Kreisbauernführer versucht, Meyer-Brüggemann aus der Führung der Industrie- und Handelskammer herauszudrängen, so tut er ebenfalls seine Pflicht. Ferner muß es nationalsozialistisch denkenden Volksgenossen freigestellt bleiben, ihr Konto einer Bank unter arischer und nationalsozialistischer Führung anzuvertrauen. Meyer-Brüggemann ist durch die Gesetze gegen den unlauteren Wettbewerb usw. hinreichend geschützt.

Wenn sich der Kreisbauernführer gegen diese vergeht, so mag ihn Meyer-Brüggemann vor den ordentlichen Gerichten zur Rechenschaft ziehen. Den Kriegervereinen und der Schützengilde gereicht ein Jude ebenfalls nicht zu besonderem Ruhm und ich kann es verstehen, wenn die Nationalsozialisten versuchen, ihn aus der führung auszuschalten. Eine persönliche Beleidigung hierin zu erblicken, ist nicht am Platze, denn es handelt sich in all diesen Fällen um ein nationalsozialistisches Prinzip und nicht um ein Vorgehen gegen die Person Meyer-Brüggemanns. In der Behauptung, die Beschwerden der Salzwedeler Reaktion gingen niemals über Dessau hinaus, erblicke ich einen Angriff auf den Gauleiter und ich muß deshalb darum bitten, das Material dem Herrn Gauleiter zugängig zu machen, um ihm die Möglichkeit zu geben, gegen den versteckten Vorwurf, berechtigte Beschwerden zu unterdrücken, mit den geeigneten Mitteln vorzugehen. Die Behauptung, der Kreisleiter und der Kreisbauernführer seien Unkraut im Weizen Hitlers, bitte ich von dort aus in der Form, wie sie in dem Brief des Herrn Meyer-Brüggemann zum Ausdruck kommt, schärfstens zurückzuweisen, denn indem er den angeblichen Urheber dieser Äußerung verschweigt, macht er sich selber für dieselbe verantwortlich.

Zum Schluß möchte ich bemerken, daß der Kreisbauernführer in Salzwedel einen außerordentlich schweren Kampf gegen die Reaktion geführt hat und noch führt. Er hat sich trotz aller Vorwürfe und Schwierigkeiten mit einer außerordentlichen Energie durchgesetzt und verdient deshalb meine vollste Anerkennung. Ich bitte auch die zuständigen Berliner Stellen, ihn in diesem Kampfe zu unterstützen.
Zu den persönlichen Angriffen gegen den Kreisbauernführer brauche ich nicht Stellung zu nehmen, da diese nicht hierher gehören und auch Gagelmann nicht belasten können. Die Angriffe gegen den Kreisleiter gehen mich nichts an.
Heil Hitler (J. Eggeling)

Foto: Archiv/RvAmeln

Original des Briefes. Foto: Archiv/RvAmeln

Der Landesbauernführer von Sachsen-Anhalt rechtfertigt in diesem Schreiben vom 16. Oktober 1934 vor dem Reichsbauernführer die Verdrängung der Juden aus der lokalen Gesellschaft. Der Verfasser, Joachim Eggeling, war Berufsoffizier und Landwirt. Nachdem er bereits im Jahre 1925 in die NSDAP eingetreten war und sich 1931 der SS angeschlossen hat, bekleidete er von 1933 bis 1937 das Amt des Landesbauernführers von Sachsen-Anhalt; zugleich war Eggeling stellvertretender Gauleiter von Magdeburg-Anhalt. Das Schreiben richtet sich an Walther Darre, Reichsbauernführer und bis 1942 Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Der Argumentation Eggelings ist bestens zu entnehmen, welche drastischen Auswirkungen die Nazi-Politik auf das Alltagsleben hatte; – für Bauern, Zuckerfabrikanten – und besonders für die Juden, – und der Brief wurde elf Monate vor der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze verfasst.

Das Datum des Schreibens ist übrigens „germanisiert“, „Gilbhard“ bedeutet Oktober.

Von Rolf von Ameln

Redaktion Israel-nachrichten.org

 

Von am 25/06/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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