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Zeitgeschichte in den Israel Nachrichten: „Die Zeitung“ aus London kommentiert den japanische Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941

Am Dienstag, den 9. Dezember 1941 bezog „Die Zeitung“ in der Londoner Ausgabe Stellung und kommentierte den feigen Überfall japanischer Flugzeuge auf Pearl Harbor und die Reaktionen aus den USA und England:

Die Zeitung Angriff auf Pearl Harbor. Foto: Archiv/RvAmeln

Seit Sonntag Abend besteht Kriegszustand zwischen Japan einerseits und dem britischen Empire, den Vereinigten Staaten von Amerika und Niederländisch Indien andererseits. Japanische See- und Luftstreitkräfte unternahmen am Sonntag Abend ohne Kriegserklärung Massenangriffe auf amerikanische Stützpunkte in Hawai und auf den Philippinen. Später erklärte das japanische Oberkommando – nicht die Regierung – über den japanischen Rundfunk, dass Japan sich seit Sonntag Morgen mit England und Amerika im Krieg befinde. In den folgenden 24 Stunden weitere japanische Luftangriffe auf Hawai, die Philippinen, Hongkong, Singapore, Britisch- und Niederländisch-Borneo und Guam. Japanische Truppen fielen um 2 Uhr nachts in Thailand ein, das um 7.30 morgens die Waffen streckte. Japanische Landungen erfolgten in Britisch-Malaya und Britisch Nordborneo. In Malaya fügten die britischen Verteidiger dem japanischen Landungskorps eine schwere Niederlage zu. Die amerikanischen Verluste in Hawai und Manila werden amtlich als schwer bezeichnet. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Mehrere lateinamerikanische Staaten haben Japan den Krieg erklärt, andere haben Solidaritätserklärungen mit Amerika abgegeben. Chruchill gab gestern im Unterhaus bekannt, dass sich das gesamte britische Empire sowie Holland und Belgien mit ihren Kolonien mit Japan im Krieg befinden. Er sandte eine Solidaritätsbotschaft an Tschangkaischek. Am Montag Abend verlas Präsident Roosevelt eine Sonderbotschaft an den Kongress, in der er den Kongress aufforderte, zu erklären, dass zwischen U.S.A. und Japan Kriegszustand besteht. Der Kongress erklärte Japan den Krieg.

Interessant ist ein Rückblick, den „Die Zeitung“ auf Seite eins veröffentlichte:

DER 7. DEZEMBER: 1914 sprang fast ganz Europa im selben Augenblick zu den Waffen. 1939 traten zunächst nur vier Länder zum Kampf an, und diese selbst teilweise zögernd. Und doch war der Krieg, der 1939 begann, im Keim vom ersten Augenblick an ein Weltkrieg in einem tieferen Sinne als der Krieg von 1914: Denn er richtete sich gegen Kräfte, die, viel klarer als vor 25 Jahren, die ganze Welt bedrohten, die sich in allen Erdteilen rührten und von deren Niederringung die Zukunft der ganzen Menschheit abhing. Mit dem heutigen Tage ist der Krieg auch äusserlich zum Weltkrieg geworden. Die Fronten haben sich geschlossen, und es gibt keine Grossmacht der Erde mehr, die nicht ihren Platz in der Kampflinie bezogen hat.

Von den menschlichen Bewohnern des Planeten stehen nur noch fünf bis sechs Prozent ausserhalb des Krieges, und ein Zustand ist abzusehen, in dem Neutralität aufgehört hat zu existieren, in dem kein Mensch und kein Staat mehr abseits des grossen Menschheitskampfes steht. Japan ist seinen Gegnern, während es noch mit ihnen verhandelte, wild und verräterisch an die Kehle gesprungen. Es ist damit dem Stil treu geblieben, mit dem die europäischen Vertreter der Gewalt und der Bestialität, Hitler und Mussolini, ihre Feldzüge zu eröffnen pflegten. Es ist aber vor allem seinem eigenen Stil treu geblieben. Mit genau solch einem verräterischen Überfall begann es 1904 seinen Angriff gegen Russland, 1931 – und, nach einer Pause, aufs neue 1937 – seinen Kampf gegen China.

Die Zeitung Rede von Roosevelt, Foto: Archiv/RvAmeln

Künftigen Historikern wird es schwer fallen, zu entscheiden, ob Japans Militaristen die Schüler oder die Lehrer der Nazis waren, und ob Japan als als letzte oder erste der Raubmächte in den Weltkrieg eingetreten ist. Denn die Weltkrise, die jetzt mit Japans Angriff auf England und Amerika ihren Höhepunkt erreicht hat, begann 1931 mit Japans Einfall in die Mandschurei. Und was das Hin und Her des diplomatischen Spiels lange verschleierte, wird jetzt eindeutig klar: dass der Krieg, den China jahrelang mit der Tapferkeit östlicher Geduld allein gegen den Eindringling durchhielt, in Wahrheit immer schon ein Teil desselben Krieges gegen Gewalt, Raub und Sklaverei war, den im Europa der dreissiger Jahre lange nur todesverachtende Einzelne und Gruppen kämpften, den als erste staatliche Macht das Volk der Polen auf seine Fahne schrieb, und dessen Vorkämpfer heute die Weltmächte Großbritannien, Amerika und Russland geworden sind.

Mit dem heutigen Tage sind der westliche und der östliche Krieg ineinandergeschmolzen. Wir wissen noch nicht, ob schon die nächsten Stunden die Kriegserklärung Amerikas an Deutschland oder Deutschlands an Amerika bringen werden. Aber ob sie heute oder morgen kommt: Sie wird nur noch eine formale Bestätigung dessen bilden, was jetzt schon Tatsache ist. Die Welt ist ein einziges Schlachtfeld geworden. Die freien Völker bilden gegen die Tyrannen und ihre Knechte eine einzige Front. In den Weiten des Stillen Ozeans und in den Lehmfeldern Chinas wie auf den vereisten Ebenen Russlands, in der Wüste Libyens und in den Bergen Serbiens kämpfen und sterben Menschen für dieselbe eine und einzige Sache: die Zukunft der Freiheit auf diesem Planeten.

Auf der letzten Seite bezieht man Stellung mit dem Titel: „Was die Nazis sagen.“

Die ersten Kommentare, die aus Berlin eintrafen, liessen erkennen, dass der plötzliche Angriff Japans auf Amerika und Großbritannien in Deutschland überraschend kam. Neutrale Korrespondenten schweizerischer und schwedischer Blätter stimmen in dieser Beobachtung überein. Gestern Mittag hatten die offiziellen Nazis jedoch ihre Linie bereits gefunden. Der Pressechef des Auswärtigen Amts, Dr. Schmidt, empfing die gesamte In- und Auslandspresse und hielt eine längere Rede, in der er Roosevelt als den „von jüdischen Hassinstinkten getriebenen Vater des Krieges“ bezeichnete und erklärt, dass dieser Hauptkriegstreiber in seiner systematischen Einkreisung Japans, die einem Angiff völlig gleichzusetzen sei, sein und seiner jüdischen Freunde Ziel endlich erreicht habe, Deutschland habe sich seit 1933 – auch ohne Rücksicht auf den Dreimächtepakt – stets als Bundesgenosse Japans gefühlt. Die Botschaft des japanischen Premierministers Tojo erfülle das deutsche Volk mit Stolz und Bewunderung und löse die Erinnerung an die Ursachen des deutschen Krieges gegen den jüdisch-bolschewistisch-plutokratischen Weltimperialismus aus.

Und dennoch konnte das Morden der Nazis noch Jahre ungestraft weitergehen.

Von Rolf von Ameln

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Von am 07/12/2016. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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