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Jagd auf die Drogenmafia in den 1980-er Jahren: Aufzeichnungen von US-Piloten aus Belize

„Sprüheinsätze jagen den Adrenalinspiegel immer in die Höhe: Man fliegt knapp über den Büschen und Telegraphenmasten, aber wenn man den Entlauber über die Marihuanaprlanzen der Mafia sprüht und dann der Kugelhagel beginnt, wird man verdammt nervös.“ Noch heute sind die Namen der damals beteiligten Piloten aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Die Männer der damaligen „Operation Roundup“ flogen zwar Maschinen, die wie gewöhnliche Schädlingsbekämpfer aussahen, und besprühten die Pflanzen mit Chemikalien; – doch sie waren etwas mehr als nur gewöhnliche Landwirtschaftspiloten. Die amerikanische Regierung nahm schon früh den Drogenfluss in die Staaten sehr ernst und scheute keine Mühe, um die Einfuhr von Heroin, Kokain und Mariuhana zu verhindern.

Belize, beschlagnahmte Drogen. Foto: Latina Press

Die Zollbehörde besaß eine große Flugzeugflotte, unter anderem hochentwickelte Frühwarnflugzeuge mit Bordradar und Militärhubschrauber mit „FLIR“-Ausrüstung. Es wurden zwar viele Boote und Flugzeuge der Drogenschmuggler abgefangen, doch war die zahl derer, die durch das Netz schlüpften, wesentlich größer. Die Zerstörung der Drogen am Anbauort hatte sich jedoch als höchst wirksame Waffe gegen das Drogenproblem erwiesen. Sie war Aufgabe des „International Narcotics Matters Bureau“ des US-Außenministeriums, das – auch heute noch – zu diesem Zweck eine Flugzeugflotte zur „Rauschgiftbekämpfung“ unterhält. „Es ist eine weltweite Operation – wir haben überall Flugzeuge und besprühen alle Arten von Rauschgiftpflanzen.

Mit dem richtigen Herbizid können wir auch Kokabüsche vernichten, zur Zeit (1986) behandeln wir jedoch vor allem Klatschmohn (Opium) in Burma, Thailand und Kolumbien, Klatschmohn und Mariuhana in Mexiko und Marihuana in Belize. Der Mohn verträgt die Hitze und Feuchtigkeit hier in Belize nicht, Marihuana hingegen wächst wirklich gut. Belize nimmt das Problem wie wir auch sehr ernst. Viele Menschen hier sind von Marihuana abhängig und haben deshalb einige Pflanzen hinten im Garten. Diesen Drogenkonsum im Land selbst werden wir nie verhindern können – er ist Teil der afro-karibischen Kultur. Das ist aber nicht das Problem. Wir wollen den extensiven kommerziellen Anbau durch die Mafia unterbinden, der fast ausschließlich für die USA bestimmt ist.

Die Einheimischen haben nur wenig damit zu tun. Das organisierte Verbrechen jagt den Menschen in Belize wohl mehr Angst ein als das Rauschgift selbst. In Belize tanken die Drogenschmuggler aus Kolumbien und Peru oft auf. Seit Gründung der belizianischen Verteidigungskräfte (BDF) fangen ihre Jungs Schmuggler ab, sprengen illegale Flugpisten usw. Sie gehen seit Anfang der achtziger Jahre auch gegen die Pflanzer vor. Ein paar mexikanische Hubschrauberpiloten kamen 1983 nach Belize, um Herbizide auf das Marihuana zu sprühen; dann versuchten die Jungs der BDF, die Trocknungshütten mit Leuchtkugeln in Brand zu stecken. Ich glaube, wir waren im Februar 1986 zum ersten Mal hier.

Wir verwenden die Ayres Turbo Trush Commander. Die von der Mafia begrüßen natürlich unsere Einsätze ganz und gar nicht, denn wir wollen sie ja um ihre rentable Marihuana-Ernte bringen. Sie bewachen ihre Felder mit Kanonen, und sie meinen es ernst…manchmal schießen sie auf uns. In Belize beschießt man uns mehr als anderswo, aber wir sind darauf vorbereitet. Wir fliegen recht tief, und um unsere Angriffsfläche zu verringern, sind unser Cockpit, der Motor und ein kleiner Nottank gepanzert, so dass der Treibstoff noch für eine Landung in sicherer Entfernung reicht, wenn sie den Haupttank ein- oder zweimal durchlöchert haben. Sie würden uns bestimmt nicht gerade freundlich empfangen!

Das Flugzeug wird dadurch ein wenig schwer, und weil wir unter extremen Bedingungen fliegen, brauchen wir einen möglichst starken Antrieb. Dafür haben wir ein großes Pratt & Whitney PTGA mit 1.300 PS, mit dem wir fast so schnell über den Himmel jagen, wie wir wollen. Außerdem ist die Maschine mit einem Fünfblattpropeller ausgestattet, der sich viel schneller dreht und somit wenige Lärm verursacht. Auf diese Weise können wir relativ leise an die Verbrecher heran. Die Regierung von Belize hat uns um unsere Unterstützung gebeten. Es gibt da ein Abkommen zwischen dem US-Außenministerium und dem Innenministerium von Belize.

Für die USA gehört die Sache nämlich sozusagen zur Drogenbekämpfung im eigenen Land. Die Regierung von Belize nimmt das Problem sehr ernst und arbeitet hervorragend mit uns zusammen. Die Jungs vom BDF Air Wing helfen mehr, als ich zu hoffen gewagt hätte. Unsere Arbeit ist daher viel effektiver als irgendwo anders auf der Welt. Unser Ziel ist es, alle drei oder vier Monate hierher zu kommen – das ist nämlich der Wachstumszyklus der Pflanzen. Der BDF Wing Commander lässt die Pflanzen nicht aus den Augen. Er zeichnet jedes Feld auf Generalstabskarten ein und entscheidet, wann genau die Sprühaktion am wirksamsten ist. Sie überwachen das ganze Land und bekommen auch Informationen von den Briten.

Wir werden über die US-Botschaft in Belmopan bestellt. In der Regel kommen wir mit zwei oder drei Flugzeugen und vier oder sechs Piloten. Wir hätten gerne mehr Maschinen – aber die vorhandenen reichen für unseren Job gerade aus. Zum Sprühen starten immer zwei Flugzeuge; – ein „Aufpasser“ und ein „Sprüher“. Wir fliegen möglichst tief, um eine optimale Wirkung zu erzielen und um unauffällig vorgehen zu können. Gewöhnlich ziehen wir es vor, mit einem Piloten der BDF zu fliegen. Er kreist in seiner Defender über uns, informiert uns, dient aber auch als Funkrelais und ruft ein zusätzliches Flugzeug vom Typ Thrus, wenn wir zur Basis zurückkehren müssen, um neues Herbizid oder Treibstoff zu holen. Unsere Flugzeuge verfügen über NATO-Standardflügel-Stationen – wir könnten sogar 7,62-mm-MGs mitführen.

Das ist aber in Belize nicht erlaubt. Hier müssen wir unbewaffnet fliegen; wir dürfen nicht einmal persönliche Waffen tragen. Die Flugzeuge der BDF Air Wing sind jedoch mit Kanonen- oder Raketenbehältern bestückt, und bei einem Abschuss halten sie feindliches Feuer ab, bis wir in Sicherheit sind. Die BDF mit ihren Waffen ist eine gute Abschreckung. Natürlich beruhigt es zu wissen, dass da jemand ist, der zurückschießen kann. Aber selbst mit der bewaffneten Eskorte und der ganzen Panzerung wird man da unten ziemlich nervös. Pausenlos schießen sie auf uns, manchmal treffen sie, und man weiß eben nie, ob sie nicht vielleicht doch einmal einen Volltreffer landen.

Unser Unkraut-Vertilgungsmittel heißt `Roundup´. Es ist biologisch abbaubar und sehr sicher. Wir selbst mischen und verladen es – dazu brauchen wir keine Schutzkleidung. Aber das Marihuana kann nach dem Sprühen weiter bedenkenlos konsumiert werden. Also müssen wir sprühen, solange es noch jung ist, keinen kommerziellen Wert hat und deshalb nicht geerntet und verkauft werden kann. Der ideale Zeitpunkt ist, wenn die Samenkörner heranreifen – der brauchbare Teil der Pflanze. Die Blätter sind kein Halluzinogen, sie machen nur das Produkt ergiebiger. `Roundup´ ist ein transloziertes Herbizid, das heißt, es bewirkt eine Selbstüberdüngung der Pflanze.

Sie schießt aus dem Boden und verwelkt dann plötzlich. Wir führen 400 Gallonen von dem Zeug mit und brauchen pro Morgen cirka 70 Gallonen. Die Feldgröße schwankt zwischen einem achtel Morgen und einem Morgen. Der Durchschnitt liegt bei einem dreiviertel Morgen; unser `Roundup´ reicht also für ungefähr acht Felder. Nach dem Verladen des `Roundup´ bespricht man sich kurz mit den Jungs der BDF und entscheidet, welche Felder besprüht werden. Manchmal gibt es ein Aufklärungsfoto von einer Harrier oder Army Gazelle der RAF. Offiziell sind die Briten nicht am Drogenbekämpfungsprogramm beteiligt; es gilt als innere Angelegenheit von Belize.

Inoffiziell jedoch melden die RAF-Piloten alle `Whacky-Baccy-Felder´ – und fotografieren sie wenn möglich. Man fliegt mit 262 km/h los, obwohl die Propellerturbine viel mehr hergibt. Über dem Einsatzgebiet geht man fast bis an die Baumwipfel runter. Wir versuchen, unbemerkt anzufliegen. Zum Sprühen gehen wir auf ca. 200 km/h. Das ist schnell genug, um sich in der Luft zu halten und dem Abwehrfeuer hoffentlich zu entgehen und langsam genug, um die Chemikalie gezielt einzusetzen, den Kurs zu halten und auf Bäume zu achten. Die Arbeitsbelastung ist hoch, und der Adrenalinspiegel steigt. Daher fliegen wir normalerweise mit zwei Piloten – und ein zweites Paar Augen an Bord hilft wirklich. Wird der Kollege auf dem Vordersitz getroffen, so kann außerdem der Copilot übernehmen.

Wir leisten wirklich gute Arbeit und haben hier alles unter Kontrolle. Die Anbaufläche, die wir bei der nächsten Kampagne besprühen müssen, wird es beweisen. Bei `Roundup Two´ warn es 2.500 Morgen, bei `Roundup Five´ dagegen nur noch 1.100 Morgen. Wir sind sicher, dass wir 99 % der Felder erwischen und es somit den Pflanzern richtig schwer machen. Aber nicht alles läuft nach Plan. Die Pflanzer ernten und verkaufen eine ganze Menge von dem besprühten Zeug und haben eigene Gegenmaßnahmen. Sie tarnen ihre Felder immer besser. Nur ein geschultes Auge kann sie entdecken, manchmal decken sie die Pflanzen mit bespannten Rahmen ab, das funktioniert recht gut.

Wenn wir davon erfahren, senden wir per Hubschrauber eine BDF-Patrouille hin, und die Konstruktion brennt. Man kann schon sagen, dass wir den Pflanzern ganz schön einheizen, daher eignet sich Belize nicht mehr so gut für den Anbau von Marihuana.“ Das BDF Air Wing und die im Lande stationierten Britischen Streitkräfte arbeiteten jedoch nicht nur gegen die lokale Drogenproduktion, sondern auch intensiv gegen den Drogenschmuggel durch Belize und den illegalen Export auf dem Luftweg. Die Harrier- und Puma-Piloten der RAF und die Gazelle-Piloten der Army beobachteten regelmäßig Flugzeuge, die unter dem Verdacht standen, im Drogenverkehr eingesetzt worden zu sein. Sie meldeten alle Marihuanafelder, die sie entdeckten, sowie illegale Flugpisten, die plötzlich im Busch entstanden waren.

Die BDF war ungeheuer stolz auf die Zahl der abgefangenen Flugzeuge. Sie wussten jedoch auch, dass der Verlust einer Maschine den Drogenhändlern nur wenig bedeutete. Skrupellose Piloten, die gewillt waren, die vielen Menschen Verderben bringenden Pflanzen zu fliegen, waren schwer zu finden. Wurde einer doch gefasst, entkam er der drohenden Haft, denn die Drogenmafia bezahlte beste Anwälte, die im allgemeinen einen Freispruch erwirkten, oder es wurde eine hohe Kaution gestellt. Verständlicherweise war es damals – wie auch heute – den Drogenbekämpfern ein Dorn im Auge, dass diese mit so großem Aufwand gejagten Kriminellen sich den Weg aus dem Gefängnis erkauften und sich so der Gerechtigkeit entziehen konnten.

Von Rolf von Ameln

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Von am 01/03/2017. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Sie knnen eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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