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Der Staat Israel in den 1950/60er Jahren: Bodenschätze und Verkehrswege

„Die Pipeline von Eilath nach Haifa ist unser Suezkanal zu Lande!“ Zitat von Ben Gurion.

Ölfunde: Es gibt unter den Ländern des Mittleren Ostens „Besitzende“ und „Habenichtse“. Die ersteren sind die Glückspilze unter deren Wüsten britische und amerikanische Ingenieure mit Erfolg nach Öl bohren: Saudi Arabien, Irak und das kleine, märchenhaft reich gewordene Emirat von Kuwait. Nicht ganz ohne Neid blicken Syrien, Jordanien und Ägypten auf ihre reiche Vettern. Auch Israel gehört zu den „Habenichtsen“, obgleich es ähnlich wie seine arabischen Nachbarn die Hoffunung, „doch noch zum Zuge zu kommen“, nicht aufgibt. Fünfzig Lizenzen wurden seit 1948 an ein Dutzend verschiedener Gesellschaften erteilt. Auf einem Gelände von rund 1,5 Millionen Hektar werden Versuchsbohrungen gemacht. Bereits über 20 Millionen Israelische Pfund wurden investiert. Im September des Jahres 1955 drang bei Helety in der Nähe von Aschkelon das erste „flüssige Gold“ aus dem Boden. 23.000 Tonnen wurden 1956 gewonnen, 1957 waren es bereits 55.000 und 1958 werden es vermutlich 70-80.000 Tonnen sein. Israel hat in jüngster Zeit für bis zu 50 Millionen Israelischer Pfund Erdölprodukte aus dem entfernten Venezuela bezogen. Die Quellen aus den näher gelegenen Ländern sind ihm wegen der arabischen Blockade verschlossen. Wenn auch die Funde auf eigenem Boden zurzeit etwa 10 v.H. des Gesamtbedarfs decken, so sehen Optimisten darin einen Anfang, wenigstens die Selbstversorgung auf die Dauer sicherzustellen. Weniger wahrscheinlich ist jedoch, dass Israel jemals ein Ölexportland wird.

Die neue Lebenslinie: Die Zukunft Israels liegt im Negew. Im Jahre 1958 wurde eine Asphaltstraße von Beerschewa hinunter bis nach Ejlath, dem „Fenster zum Roten Meer“ eröffnet und zugleich die Pipeline in Betrieb genommen. Israel ist neben Ägypten der einzige Mittelmeerstaat, der seine „Hintertüre“ nach den asiatischen Gewässern besitzt. 1948 war diese Hintertrür verschlossen. Am schmalen Golf von Akaba, einem Seitenarm des Roten Meeres, sind nicht weniger als vier Länder beteiligt: Ägypten, Israel, Jordanien und Saudi Arabien. Der Golf erfährt vor seiner Einmündung ins Rote Meer nochmals eine Verengung und wird außerdem durch die beiden davorliegenden Inseln Tiran und Sanafir beherrscht. Die arabischen Staaten haben gegen Israel eine totale Wirtschaftsblockade errichtet. Es sind nicht nur sämtliche Grenzen geschlossen, es wird auch kein Transitverkehr geduldet, es gibt keine Flugverbindung, und selbst der Suezkanal ist für israelische Schiffe gesperrt. Um die Blockade zu vervollständigen, pachtete Ägypten von Saudi Arabien die beiden tiranischen Inseln und befestigte sie. Außerdem errichtete es bei Scharm el Scheich einen befestigen Stützpunkt. Ejlath blieb bis zum Sinai-Feldzug im Jahre 1956 ein totes Fischerdorf.

Bildet der Negew für die Israelis ihr zukünftiges Kolonisationsgebiet, so ist der Hafen Ejlat ihr San Franzisco, das „Tor zur Welt!“ Natürlich spielt sich alles in kleineren Dimensionen ab. Ejlat, das 1956 erst einige hundert Pioniere zählte, erreichte bereits Ende 1958 knapp 8.000 Einwohner. Wenn auch der Schiffsverkehr sich nicht bisher im erhofften Umfang entwickelte, so spielt Ejlath für den Verkehr nach Indien, Madagaskar und Ostafrika doch eine gewisse Rolle. Optimisten hoffen, die größten Öltanker von 60.000 und mehr Tonnen, die den Suezkanal nicht mehr passieren können, würden einmal in Ejlath anlegen. Die bestehende Pipeline reicht zwar nur für den Inlandbedarf, aber es ist auch bereits eine Eisenbahnlinie nach Ejlath projektiert. Für das Jahr 1959 ist der Bau einer größeren Pipeline geplant, nach deren Fertigstellung 4,5 Millionen Tonnen Rohöl von Ejlath nach Haifa gepumpt werden könnten. Davon sollen etwa 3 Millionen Tonnen nach der Verarbeitung exportirt werden. Die Ölraffinerie in Haifa, das zweitgrößte Unternehmen dieser Art im Nahen Osten, hat während acht Jahren nur ganz unbedeutende Mengen venezuelisches Öl verarbeitet. Die Pipeline, die über eine Strecke von 900 Kilometern vom Persischen Golf nach dem Mittelmeer führt, wurde im Zuge der arabischen Blickade stillgelegt. Wird die Raffinerie wieder einmal ihre volle Kapazität von 180.000 Barrels ausnutzen können? Es gibt noch größere Optimisten: Chaim Weizman, der erste Staatspräsident, schrieb in seinen Memoiren: „Man könnte den Tag voraussehen, wo ein Kanal von irgendeinem Teil der östlichen Mittelmeerküste nach Akiaba führt. Es ist kein leichtes Unternehmen, doch amerikanische und schwedische Ingenieure haben bereits dafür Pläne skizziert. Es wäre eine parallele Hauptdurchgangsstraße zum Suez-Kanal und würde den Seeweg von Europa nach Indien einen Tag oder mehr abkürzen!“ Technisch ist im heutigen Zeitalter nichts unmöglich. Es fragt sich, ob es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Die Negew-Wüste ist keine Ebene. Es erhebn sich darin Gebirge von mehr als 1.000 Metern Höhe. Die geringste Senke zwischen Mittelmeer und Golf von Akaba liegt bei Sdeh Boker, aber sie ist immer noch 400 Meter hoch und nicht die einzige größere Erhebung, weil der Kanal auch die Landbrücke zwischen dem Totmeer-Graben und dem Golf von Akaba zu überwinden hätte. Es wäre ein Unternehmen, das Milliarden von Kubikmetern Erdbewegungen, ungezählte komplizierte Schleusenanlagen und die Überbrückung von Schluchten und Geländeeinschnitten zur Voraussetzung hätte. Alles in allem ein technisches Wunderwerk, aber ein volkswirtschaftlicher Nonsens.

Salomos Kupfergruben: Mit der „Öllinie“ allein erschöpft sich die Bedeutung des Negew noch nicht. Bei Timna, 25 Kilometer nördlich von Ejlath, haben die Israelis mit Hilfe moderner Maschinen, die sie aus deutschen Reparationslieferungen erhielten, die seit Jahrtausenden stillgelegten Kupferminen König Salomos wieder in Betrieb genommen. Auf über 10 Millionen Tonnnen wurden 1957 die Erzvorräte geschätzt, aber ihr Kupfergehalt beträgt nur 1,4 v.H. Seit März 1958 wird tatsächlich Kupfer gewonnen. Die Gesamtinvestition in Timna wird auf 18-19 Millionen Israelischer Pfund geschätzt. Für den Kauf des Kupers interessieren sich hauptsächlich japanische Firmen. Die einzigen Rohstoffvorräte von Bedeutung befinden sich in der Region des Toten Meeres an der östlichen Negew-Grenze. Nach Schätzungen liegen hier noch ungeschürft 22 Milliarden Tonnen Magnesium, 11 Milliarden Tonnen Salz, 2 Milliarden Tonnen Pottasche, 1 Milliarde Tonnen Bromid. Kalisalze und Phospathe werden bereits in größerem Umfang abgebaut und teilweise auch exportiert. Im Jahre 1958 wurden über 100.000 Tonnen Pottasche und 200.000 Tonnen Phosphate gewonnen. Israel ist eines der wenigen Länder in der Welt, das über alle Rohstoffe zur Herstellung von künstlichen Düngemitteln verfügt. Zusammenfassend lässt sich anmerken: Die Bodenschätze Israels sind im Vergleich zu anderen Ländern nach dem bisherigen Stand der Forschung bescheiden. Es sieht nicht so aus, als ob das Land jemals ein größerer Rohstoffproduzent würde. Die Mineralien mögen eine gewisse lokale Bedeutung für die eigene Landesversorgung haben und die Industriealisierung fördern. Sie werden aber die wirtschaftlichen derzeitigen Schwierigkeiten Israels kaum erleichtern.

EL AL bringt in der 1950er Jahren Einwanderer nach Israel. Foto: EL AL

EL AL bringt in der 1950er Jahren Einwanderer nach Israel. Foto: EL AL

El Al: 36 Passagier- und Frachtschiffe mit insgesamt 750.000 Tonnen Frachtraum standen 1958 Israel für seine Versorgung zur Verfügung. Neben Haifa und Ejlath, dem Mittelmeer- und dem Rotmeerhafen, spielt Lydda, der größte Flughafen des Landes, eine ebenso wichtige Rolle. Mit der Schaffung einer eigenen Fluglinie hat Israel die Flugverbindung mit fünfzehn verschiedenen Ländern eröffnet. Die neuesten in Dienst gestellten Britannia Turbo-Prop-Flugzeuge bewältigen die Distanz zwischen dem Nahen Osten und Europa im Non-stop-Flug von fünf bis sechs Stunden. Lydda selbst wird von elf internationalen Fluglinien angeflogen.

Allerdings wirkt sich die arabische Blockade auch im Luftverkehr aus. Alle Verbindungen zwischen Israel und den Ländern des Nahen Ostens gehen über Zypern und die Türkei. Die Maschinen, die von Tel Aviv nach Johannesburg fliegen, schlagen einen Umweg über Algier ein.

Wie sich die Zeiten geändert haben, sieht man im Israel des Jahre 2015; – so vieles hat sich – meist positiv – verändert.

Von Rolf von Ameln

 

Von am 18/11/2015. Abgelegt unter Spiegel der Zeit. Sie knnen alle Antworten zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0. Kommentare und pings sind derzeit geschlossen.

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